Wutschdorf und sein historischer Backofen
Wenn der Espach Rudi einheizt

Das Backofenteam mit (von links) Marco Ries, Rudolf Espach, Martin Wiederer, Gerhard Schulze, Christian Nübler, Sebastian Schwarz und Paul Schmidbauer. - Ankunft der Teiglinge. 50 Laibe passen in das Ziegelgewölbe. Bilder: gri (2)
Freizeit
Freudenberg
22.05.2017
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Das Vogelgezwitscher beim Sonnenaufgang ist sein Begleiter: Frühmorgens, wenn noch alles schläft, tuckert Rudolf Espach zum Backofen im Wutschdorfer Kirchgassl. Das Brennholz hat er schon hergerichtet. Um 10 Uhr will er die ersten Brotlaibe einschießen.

(gri) "Es gibt nix Schöneres", sagt der Rentner, der den historischen Backofen des Heimat- und Kulturvereins (HKV) betreut. Immer im Mai, eine Woche vor dem Feiertag Christi Himmelfahrt, schürt er den Ofen an. 50 Brote sind heute dran - Probebacken für das große Backofenfest am Feiertag.

"Ein halber Ster reicht locker", erklärt Espach, der sich zum Experten entwickelt hat, seit der Verein 2006 den damals verfallenen Backofen gekauft und wieder hergerichtet hat. Um die 350 Grad soll das Ziegelgewölbe heiß sein, wenn der Teig hineingeschoben wird. Gegen 10 Uhr sind es 400. Jetzt ist Fingerspitzengefühl gefragt.

Martin Wiederer hat den Dreh raus. Er ist der Mann am Brotschieber und hat ein Laser-Thermometer dabei. "Das hilft uns ein bisschen", lacht er und nimmt noch einen Schluck aus der Bierflasche, bevor er loslegt. Im Sekundentakt schießt er die Laibe in den Ofen. Der Schweiß rinnt ihm von der Stirn.

Dann macht sich allmählich der Duft von frisch gebackenem Brot und Gemütlichkeit im Kirchgassl breit. Jogger, die auf der Johannisberg-Runde unterwegs waren, bleiben auf einem Plausch stehen. Der Besitzer der Molzmühle, Dr. Martin Nagler, schaut auf einen Ratsch vorbei. Bürgermeister Alwin Märkl macht sich auch ein Seidl Bier auf.

"Es ist einfach nur schön, diese Art von Miteinander zu erleben", sagt der Kassenwart des HKV, Gerhard Schulze. Er hofft natürlich auf viele Besucher am Feiertag. Ab 14 Uhr herrscht unterhalb der Pfarrkirche St. Martin Festbetrieb. Zweimal 50 frisch gebackene Brote gehen in den Verkauf. Für Kaffee und Kuchen ist die Frauen-Union zuständig. Außerdem bietet die Pfarrbücherei Aktionen für Kinder an.Beim Backofenfest des Heimat- und Kulturvereins Freudenberg gibt es heuer eine Premiere: Bäckermeister Marco Ries , Beisitzer im Verein, präsentiert das von ihm kreierte Landbrot - den "Wutschdorfer". Ries belebt ab September den Kirchplatz in Wutschdorf neu. Er nutzt die Backstube und den Laden der ehemaligen Bäckerei Schrott und eröffnet darin ein eigenes Geschäft. Die Bäckerei war zwölf Jahre lang leergestanden. Hans Schrott freut sich, dass sich ein junger Nachfolger gefunden hat, der das Handwerk in Wutschdorf weiterleben lässt. (gri)
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