26.02.2018 - 16:54 Uhr
Freudenberg

Franz Rehaber liest in Lintach aus seinem Buch "Geschichten aus dem Schlossbräu Lintach" Gezecht, gestritten, gerauft

Es hat schon des Zuredens und Ermunterns bedurft, bis sich Franz Rehaber daran machte, Geschichte von und über Lintach niederzuschreiben. Über 100 DIN-A 4-Blätter füllen seine Memoiren, die schließlich als Buch auf den Markt kommen: "Geschichten aus dem Schlossbräu Lintach".

Da bleibt kein Auge trocken: Franz Rehaber gibt einige lustige Begebenheiten aus seinem Buch "Geschichten aus dem Schlossbräu Lintach" zum Besten. Bild: usc
von Autor USCProfil

Lintach. Der knapp 83-jährige Autor unterhielt nun mit amüsanten Auszügen daraus Freunde und Bekannte im voll besetzten Rehaber-Saal. Zahlreiche Stammgäste kennen und schätzen die Erzählkunst des Senior-Chefs. Und so fanden nur all jene Platz, die vorher reserviert hatten. "Als Wirt hätte ich keine Zeit gehabt, das alle niederzuschreiben", erzählte er. Anette Ruttmann, seit 1977 in Lintach sesshaft, habe schließlich den Anstoß dazu gegeben, vor zehn Jahren mit dem Aufschreiben zu beginnen. 103 Blätter umfassten seine Erinnerungen als Vorlage für das Buch.

Mit alten Fotos illustriert

Sohn Stefan und Schwiegertochter Maria waren die ersten kritischen Lektoren des Buchentwurfs. Sie übten Kritik und gaben Anregung für Ergänzungen. Wichtig sei, so Rehaber, auch der Kontakt zu Kreisheimatpfleger Dieter Dörner gewesen, der bei der Buchvorstellung Wissenswertes über das Bier im Allgemeinen und die regionale Brauereien im Besonderen vortrug. Dörner hatte im Gespräch mit Rehaber die Illustrierung mit alten Fotos angeregt, und so nahm das Buch langsam Gestalt an. Im Frühjahr 2017 kam es auf den Markt.

Die Idee von Hans Bauer von der Katholischen Erwachsenenbildung war es gewesen, das Buch einem breiten Publikum vorzustellen. Eigentlich wollte Franz Rehaber an diesem Abend mit seiner Hausmusik auftreten, doch Frau und Schwiegertochter erkrankten und fielen aus. Und so spielte der Buchautor mit der Zither, begleitet von Otto Meier, den Gästen auf.

Für den Abend hatte Rehaber die lustigsten Geschichten aus seinem Buch ausgesucht, in dem viele davon zu finden sind. Ein Wirtshaus, wie man es früher kannte, war mit seinen Gesellschaftstagen eine nie versiegende Quelle für Gschichtln und lustige Begebenheiten. Rehaber befragte ergänzend auch noch lebende Zeitzeugen. Aber nicht alles eignete sich, auch aus Datenschutzgründen, für eine Veröffentlichung. Rehaber wollte niemandem zu nahe treten, wie er bei der Buchvorstellung betonte. Einige Zeitzeugen gibt es allerdings noch, die den Frauen des Dorfes beim "Flodern" oder Fleien der Wäsche im Boweiher zugeschaut haben. Frisches Quellwasser, so weiß Rehaber, floss aus einem "Räierl", einem Leitungsrohr, das ganze Jahr hindurch.

Bis 1871 zurück

Die Recherchen des Autors gehen bis 1871 zurück, in die Zeit nach dem Frankreichfeldzug. Viele Begebenheiten sind natürlich eng mit dem Wirtshaus verbunden. Schlossbrauerei und Gasthof werden hier ausführlich behandelt. Lesenswert sind auch die Zitate in Mundart, die in der hochdeutschen Übersetzung teilweise etwas abgemildert werden mussten.

Dass seinerzeit ordentlich gezecht, gestritten und gerauft wurde, fand ebenso Eingang in die Sammlung wie Allzumenschliches, etwa der leidenschaftlich schnupfende Dorfpfarrer, mehrtägige Hochzeitsfeiern und Erbstreitigkeiten gleich beim Verlassen des Friedhofs.

Die Velhorn-Wirtschaft am Nabburger Tor war das Stammlokal der Zimmerer. Dort trug sich folgende lustige Begebenheit zu. Bei den Steinkrügen war nicht ersichtlich, ob der Wirt ordentlich eingeschenkt hatte oder zu viel Schaum im Krug war. Ein Polier beschwerte sich. Der alte Velhorn sagte zu ihm: "Lass ner stehn, des hebt se schon!" Beim Bezahlen legte der Gast fünf Pfennig zu wenig auf den Tisch. Auf den Hinweis des Wirts, das stimme nicht, entgegnete der Gast: "Lass ner liegn, des hebt se schon." Das Buch endet im Jahr 1945. Wenn es die Gesundheit zulässt, so versicherte Rehaber, wird es eine Fortsetzung geben. Man darf gespannt sein.

Stammlokale

Auch die Amberger bekommen in dem Buch von Franz Rehaber manch Wissenswertes über einige Gaststätten und deren Stammgäste serviert. Jedes Dorf, weiß Rehaber, hatte sein Stammlokal in Amberg. So gingen die Lintacher in die "Goldene Sonne" zum "Pappadeckl-Wirt" Oberndorfer, gleich hinter dem Nabburger Tor.

Die Freudenberger, Wutschdorfer und das Oberland traf man in der Gastwirtschaft "Goldene Gans" an, heute die Commerzbank beim Nabburger Tor. Die Etsdorfer saßen bei der Hanauerin, den späteren Churpfälzer Stuben, beisammen. Die Männer aus Schäflohe, Karmensölden und Gailoh kehrten beim Wild-Vaitl ein, die "Holzschlegel-Landler" aus den Orten Garsdorf, Hohenburg und Ransbach beim Götz-Gustl. (usc)

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.