30.04.2018 - 14:38 Uhr
FreudenbergOberpfalz

Zum Etsdorfer Asphaltkapellefest am 6. Mai wächst der Kreuze-Weg Hochaktuell: Das Zielkreuz

Hier wird kein Kreuz von oben „verordnet“. Die Künstler, die den „Kreuze-Weg“ in Etsdorf gestalten, tun das ganz freiwillig. Und ohne Honorar. Pünktlich zum Asphaltkapellenfest am Sonntag, 6. Mai,
wächst dieser besondere Skulpturenweg nun wieder.

Eine ungewöhnliche Kreuz-Interpretation: Das liegende Zielkreuz des Künstlers Christian Gürtler wird beim Asphaltkapellenfest am Sonntag in Etsdorf gesegnet. Bild: Koch/exb
von Heike Unger Kontakt Profil

Angesichts der heiß diskutierten, „von ganz oben“ angeordneten Kreuz-Pflicht in öffentlichen Gebäuden im Freistaat bekommt der Neuzugang als „Kreuz von unten“ auch eine ganz aktuelle Bedeutung. „Das liegende Kreuz“ ist ein Werk des Münchener Künstlers Christian Gürtler. Die Realisierung wurde ermöglicht durch eine Spende von Klaus Kobler (Straubing), die Ausführung erledigten Claussner & Rauch (Amberg).

Das liegende Kreuz ist auch ein Zielkreuz: Die Bodenplatte markiert eine präzise Position mit den GPS-Koordinaten 49.448622/12.018861. Das ursprünglich für militärische Zwecke entwickelte GPS (Globales Positionsbestimmungssystem) wird zur Navigation genutzt. „Raketen, Flugzeuge und Drohnen benutzen es zur Bestimmung ihrer Angriffsziele“, so erklärt Kunstexperte Heinz Schütz aus München zum Hintergrund des Kunstwerks: „Wer auf die Bodenplatte tritt, steht im Fadenkreuz – im Zentrum einer potenziellen Bedrohung von oben. Nahezu jeder Punkt der Erde ist inzwischen von ferngesteuerten Geschossen und Drohnen erreichbar, Drohnen, die der Abhörung, Überwachung, Zerstörung und gezielten Tötung dienen.“

Die Attribute „Allwissenheit“ und „Allmacht“, die die Religion gewöhnlich dem von oben agierenden Gott zuschreibe, „übernimmt zunehmend die als Machtinstrument eingesetzte Hochtechnologie“, sagt Schütz. Das liegende Kreuz wird anlässlich des Asphaltkapellenfests am Sonntag um 13.45 Uhr gesegnet. Um 14 Uhr beginnt dann der Festbetrieb auf der Anhöhe rund um die Asphaltkapelle.

Das Asphaltkapellenfest in Etsdorf

Klein, aber fein - und (noch) ein Geheimtipp unter den Festen im Landkreis: Am Sonntag veranstalten die Freunde der Glyptothek ins Etsdorf das 16. Asphaltkapellenfest. Es beginnt um 14 Uhr mit einer Andacht rund um die Asphaltkapelle mit dem neuen Pfarrer Moses Gudapati (bei Regen im Zelt). Den anschließenden weltlichen Teil begleiten Wastl Meier und die Asphaltkapelle, für die Verpflegung sorgen der Sportverein Etsdorf und der Verein der Freunde der Glyptothek.

Seit dem Jahr 2002 steht in Etsdorf am Waldrand die Asphaltkapelle. Den Pfad die Anhöhe hinauf begleitet der Kreuze-Weg - "eine Privatinitiative ohne Abstimmung mit der Kirche", wie Initiator und Kapellen-Schöpfer Wilhelm Koch erklärt. Die Kreuze sind Werke von Künstlern aus Amberg, München, Berlin, Frankfurt, Klatovy, Wolfring, Arnschwang und Birmimgham. Einzige Vorgabe für sie war es, ein Kreuz zu gestalten. Die Künstler arbeiten ohne Honorar, Stifter ermöglichen dies durch finanzielle Hilfe. Die üblichen Kreuzwegstationen spielen dabei keine Rolle, betont Koch: Es gehe vielmehr "um individuelle Interpretationen des Themas Kreuz - auch von Künstlern, die nicht in der Kirche oder ausgetreten sind".

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