29.03.2018 - 11:50 Uhr
Freudenberg

Vermittlung im Konflikt zwischen Nachbarn und Metzger (K)ein Jägerzaun-Streit

Wenn's dem Nachbarn gewaltig stinkt, kann es teuer werden. Oder man rauft sich zusammen. Das versuchen gerade Georg Schießlbauer und Metzger Georg Hellerbrand in Etsdorf - mit redaktioneller Vermittlung.

Reichen sich die Hände: Erste Annäherung im Nachbarschaftsclinch zwischen Georg Hellerbrand (rechts) und Georg Schießlbauer vor dem Wohnhaus der Eltern. Bilder: Herda (2)
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Etsdorf. Mit seinen Beschwerden über die benachbarte Metzgerei im Freudenberger Ortsteil Etsdorf fühlt sich Georg Schießlbauer nicht ernst genommen - weder von Metzger Hellerbrand noch von den Behörden. Immer wieder käme es zu massiven Geruchs- und Lärmbelästigungen. Den gesundheitlich angeschlagenen Eltern im Nachbarhaus vergehe an Wochenenden der Appetit auf der Terrasse.

Schießlbauer legt einen umfangreichen Schriftverkehr mit dem Landratsamt vor, auch Fotos von den vermeintlichen Missständen. Nach Anfragen beim Landratsamt, beim Bürgermeister und einer Befragung des Metzgers zu den Vorwürfen, kommt man zum Schluss: Aus ihrer jeweiligen Perspektive ist die Schilderung aller Beteiligten für sich genommen nachvollziehbar. Für den Außenstehenden stellt sich die Frage: Kann man diesen Konflikt, der auf dem besten Weg ist, zu eskalieren, noch entschärfen, bevor er die Atmosphäre endgültig vergiftet und allen Beteiligten viel Zeit, Geld und Energie kostet? Die neuralgischen Punkte:

  • Liegt eine Nutzungsänderung für die Schlachterei Hellerbrand vor? "Ich habe das Objekt 2011 aus der Insolvenzmasse der ehemaligen Metzgerei Bamler erworben", erklärt Georg Hellerbrand, "und es bis 2012 renoviert." Er habe in enger Abstimmung mit dem Landratsamt Amberg-Sulzbach Pläne anfertigen lassen: "Das war eine Bauruine, und ich musste viel Geld reinstecken." Die Zulassung als Schlachtbetrieb für Rinder und Schafe für vier Tonnen habe er noch 2012 erhalten.
  • Aufgrund eigener Beobachtungen und Berechnungen bezweifelt Nachbar Schießlbauer, dass die maximale Schlachtmenge von vier Tonnen eingehalten wird. "Im Schnitt komme ich auf keine drei Tonnen", entgegnet Hellerbrand. Die Kundschaft wolle Jungtiere ohne Fett, oft Kühe mit zu wenig Milchleistung, meist mit einem Lebendgewicht von 200 bis 300 Kilo. "Nur vor einem Feiertag habe ich das überschritten, weil ich wirklich dachte, das gleiche sich wieder aus." Das sei ein Fehler gewesen, ein diesbezügliches Verfahren sei wegen Geringfügigkeit eingestellt worden. "Seitdem halte ich mich genau an die erlaubte Menge", gelobt der Metzger, "man kann da auch nichts manipulieren, jedes Tier hat einen Pass." Zweifel an der Einhaltung der Höchstmenge kamen auch wegen häufiger Notschlachtungen auf: "Wir führen die Notschlachtung aus, wenn wir angerufen werden", erklärt Hellerbrand. "Wir haben Geschäfte in Würzburg, die's abnehmen." Nicht selten müsse das Fleisch aber auch entsorgt werden.
  • Nicht nur Nachbar Schießlbauer, auch andere Anwohner beklagen wiederholt Geruchsbelästigungen: Hellerbrand räumt einen Unfall ein: "Bei der Entsorgung von Blut ist einmal ein Behälter umgefallen - da ist was in den Kanal reingekommen, das hat wirklich gestunken." Dafür habe es zurecht vom Bürgermeister einen Rüffel gegeben: "Das darf nicht mehr passieren."

    Aus Sicht des Nachbarn nicht das einzige Problem: "Du lässt immer wieder überfüllte Abfalltonnen im Freien, und wenn das Fenster während des Schlachtbetriebs offen ist, kann sich keiner mehr auf die Terrasse setzen." Hellerbrand, der bei den Schlachtungen nicht immer selbst vor Ort ist, gelobt Besserung: "Ich muss mich darum kümmern, dass die Regeln eingehalten werden." Außerdem kündigt der Unternehmer eine Investition in eine Lüftung an: "Die ist beauftragt, dann stehen keine Fenster mehr offen, die arbeitet automatisch."

  • Schwierigkeiten gebe es auch mit der biologischen Kläranlage der Gemeinde. "Man hat mir mitgeteilt, dass Fettreste, die beim Reinigen in den Abfluss kämen, dafür verantwortlich sein sollen." Derzeit sei man mit einem Amberger Planungsbüro in Verbindung, das ein Konzept für eine Vorklärung erstelle. "Das Wasser soll vorgereinigt werden", befürchtet Hellerbrand eine erneute größere Investition. "Fünf Jahre hat es kein Problem gegeben."
  • Ärgerlich für die Nachbarn seien die häufig späten Tierarztbesuche: "Der kommt täglich abends zur Fleischbeschau", erklärt Hellerbrand. "Wann er kommt, liegt in seinem Ermessen, darauf habe ich keinen Einfluss." Die Geräusche, die der vom Veterinärsamt beauftragte Tiermediziner dabei verursache, seien gespenstisch, findet Schießlbauer: "Es hört sich an, als ziehe er die Kadaver an einer quietschenden Kette und dann kratzen noch Werkzeuge über den Boden." Angebot zur Güte: ein Gespräch mit dem Tierarzt, ob sich an den Zeiten etwas ändern lasse.
  • Ärger wegen Bauantrag? Umgekehrt hat Metzger Hellerbrand den Eindruck, der Konflikt sei erst eskaliert, nachdem er die Nachbarn um Zustimmung für einen Anbau und einen Ruhestall für das angelieferte Schlachtvieh gebeten hatte. "Wir hatten ein ausgezeichnetes nachbarschaftliches Verhältnis bis zum Bauantrag." Inzwischen aber hat Georg Schießlbauer eine Klage gegen die Zustimmung des Landratsamtes eingereicht. "Dabei wäre es für uns alle von Vorteil", beteuert Hellerbrand.

    "Wir könnten gewährleisten, dass keine Abfälle mehr nach draußen kämen, wir hätten Räume für K1- und K3-Abfälle, der Prozess von der Anlieferung bis zum Verkauf würde sich auf der gegenüberliegenden Südseite abspielen und die Verladung wäre überdacht." Replik Schießlbauer: "Das hättest du uns auch früher erläutern können - wir können uns das mit einem Fachmann mal anschauen." Zusätzliches Angebot Hellerbrand: "Ich kann mir vorstellen, dass ihr euch Sorgen wegen des Lärms im Stall macht - wenn ihr den Anbau akzeptiert, ziehe ich den Stall zurück."

Fazit der Vermittlung

Ein Gespräch löst nicht alle Probleme. Und aus einem Klima des Misstrauens wird nicht über Nacht ein Vertrauensverhältnis. Aber zuhören ist der erste Schritt, um den anderen zu verstehen. "Ich bin jetzt 68", sagt Georg Hellerbrand, "das bisschen Leben ist gleich vorbei - ich will keinen Streit." Und Georg Schießlbauer ergänzt: "Für mich ist das kein Nachbarschaftsstreit." Auch wenn man seine berechtigten Interessen vertrete, könne man sich noch die Hand reichen: "Halt dich an die Regeln und behandle meine Eltern mit Respekt", fordert Schießlbauer, "dann legen wir dir nichts in den Weg."

Das Problem ist bekannt

"Das Problem ist bekannt", sagt Freudenbergs Bürgermeister Alwin Märkl. "Es gab dazu Gespräche im Landratsamt." Fakt sei, dass es Probleme mit der Kläranlage gegeben habe: "Wir hatten einen sehr hohen Eintrag einer biologischen Schmutzfracht." Eindeutig zuordnen könne man das aber nicht. "Wir haben auch Hausschlachtungen", sagt Märkl, "man konnte es nicht aufs Haus zuschreiben." Erfreulich sei, dass inzwischen das Amberger Planungsbüro Seuß Ingenieure eingeschaltet sei. "Das sind Abwasser-Experten", erklärt Märkl. "Derzeit wird geprüft, was ein Umbau kosten würde." Das letzte Mal sei vor Weihnachten ein Problem aufgetreten, derzeit laufe die Kläranlage störungsfrei.

Nach den Beschwerden des Nachbarn habe der Bürgermeister das Gespräch mit Unternehmer Georg Hellerbrand gesucht. "Ich habe ihm gesagt, dass er die Schlachtabfälle halt erst in der Früh zur Lieferung rausbringen darf." Bezüglich des Bauantrags habe der Gemeinderat keine Einwände, wenn alles ordnungsgemäß laufe. "Wir sind ein tolerantes Dorf", sagt Märkl und bezieht das auf alle Bürger der Gemeinde.

Das Landratsamt Amberg-Sulzbach sei auf die geänderte Nutzung von einem Metzgereibetrieb zu einem Schlachtbetrieb zu Beginn des Jahres 2017 aufmerksam geworden, teilt Pressesprecherin Christine Hollederer mit. "Beim Verwaltungsgericht ist derzeit ein Verfahren bezüglich eines geplanten Anbaus am Schlachthaus und des geplanten Neubaus eines Ruhestalls anhängig." Wegen verschiedener Beschwerden zum Betrieb sei das Landratsamt als Aufsichtsbehörde tätig.

Bei der Überprüfung von Notschlachtungen greife ein zweistufiges Kontrollsystem: "Zum einen hat der für die Fleischbeschau zuständige amtliche Tierarzt stets die Angaben auf dem Begleitschein zu überprüfen und mit den tatsächlich aufgefundenen Befunden am Schlachtkörper abzugleichen." Außerdem kontrolliere das Veterinäramt in regelmäßigen Abständen die Papiere mit Abgleich der Aufzeichnungen des Schlachtbetriebs und der Daten aus der "HiTier".

Ich habe ihm gesagt, dass er die Schlachtabfälle halt erst in der Früh zur Lieferung rausbringen darf.Bürgermeister Alwin Märkl
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