"Laienspielgruppe Friedenfels überzeugt in Steinwaldhalle mit ""Pension zum wilden Hengst"""
Parodie auf den Wellness-Wahn

Wellness-Kur mit Hühnerdreck: Links Hausherrin Sieglinde, rechts Urlauberin Margarete - "behandelt" von Anne, die als Kosmetikerin einspringen musste. Bild: roh
Kultur
Friedenfels
06.05.2013
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Mit einer äußerst gelungenen Premiere glänzte die Laienspielgruppe Friedenfels in der ausverkauften Steinwaldhalle. Mit "Pension zum wilden Hengst" bereiteten die auf den Wellen des Applauses reitenden Akteure den Gästen einen köstlichen Theaterabend. Carsten Schreier gab die Steilvorlage zur Parodie auf Wellness- und Aerobic-Wahnsinn. Die in Hochform agierenden Schauspieler brachten die umwerfenden Sprüche zum großen Vergnügen des Publikums bestens rüber.

Gabi Lang begründet in der Begrüßung überzeugend, warum sie ins Theater geht. Lachen wurde ihr vom Doktor per Rezept verschrieben. Lachen als Medizin, vor dem Hintergrund der neu ausgestatteten Bühne.

Hubert Müller (Thomas Schlosser), der den wilden Hengst mimt, und seine Nachbarin Anneliese (Renate Rögner) turteln auf Teufel komm raus. Sie schmieden heimlich Pläne für ein Haus in der Toscana und bringen so das Karussell (Pension) in Schwung. Eine große Eröffnungsrede folgt: "Lassen wir den wilden Hengst auf die Weide!"

Besonderer Charme

Jürgen Schultes darf als Enkel den jungen Liebhaber von Anne (der attraktiven Isabella Radimerski), den Pagen und den Kumpan vom Opa spielen und muss deshalb laufend präsent sein. Um Anne einzufangen, versprüht er viel Charme, mit den Methoden von Bruce Willis, merkt er an. Toll in Form Alexander Schraml als Erich Müller. Seine Gesangseinlagen bereichern jede Szene bis hin zur Ballermann-Party nach einem ausgiebigen Sangria-Test, die er mit Frau Sieglinde eigentlich in Mallorca genießen wollte. Alle Blicke auf sich ziehen Margarete von der Aue (Petra Würth) als schöne überdrehte Dame von Welt mit Lucia, dem Pudel ("wunderbar, wunderbar"). Ihre aufgeregte Begeisterung für das Landleben in der Pension nimmt man ihr genüsslich ab. Mit Sieglinde Müller (Jutta Schlicht) demonstriert sie, welch groteske Blüten die Wellness-Bewegung treibt. "Denk ans große Geld," sinniert Sieglinde im sommerlichen, hautengen Outfit, "dann überstehst du auch die Hühnerkacke im Gesicht", während die mondäne Margarete im Bademantel von der wohltuenden Wirkung voll überzeugt ist. So kann der Opa (Schlosser) gerade noch vermeiden, dass der Schwindel auffliegt. Der Name (wilder Hengst) ist Programm.

Das Publikum tobt

Die Aerobic-Szene mit Isabella im knappen Zweiteiler, die als Animateurin einspringen musste (sogar der geldgierigen "Scheich" - herrlich orientalisch Martin Bischof - hebt das Bein), muss man gesehen haben. Das Publikum tobte. Über den Dingen steht Eduard von der Aue aus dem Geschlecht der Kraulschwimmer (Reinhard Heine), der Ehemann von Margarete, der die Winkelzüge seiner Ehefrau nicht immer bedingungslos und mit gleichem Elan begleitet, seine starken Auftritte aber als Sangria-Genießer mit Gesangseinlagen krönt.

Was tatsächlich in den zweieinhalb Stunden in diesem an Höhepunkten reichen Schwank passiert, kann man nur ansatzweise wiedergeben.

Situationskomik

Die Friedenfelser Laienspieler haben einmal mehr bewiesen, was in ihnen steckt. Situationskomik besten Stils, derbe Dialoge und komödiantische Glanzlichter bescherten den Besuchern, die die Akteure mit kräftigem und langanhaltendem Applaus verabschiedeten, ungetrübtes Theatervergnügen. Lachen als Medizin! Spielleiter Karl Wittmann und Regisseurin Sandra Wittmann gaben die Komplimente zurück: "Ihr wart ein super Publikum!"
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