22.01.2017 - 18:00 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Tagung der Luchsberater Handzahmer Wohnzimmer-Luchs

Wohl nicht mehr in die freie Wildbahn entlassen wird der Luchs, der vor gut zwei Wochen im südlichen Fichtelgebirge eingefangen worden ist. Das Männchen ist sozusagen handzahm. Und das ist ein Problem.

Mindestens fünf Jahre alt ist der Luchs, der vor wenigen Wochen im südlichen Fichtelgebirge eingefangen worden ist. Das Männchen ist ausgesprochen zutraulich, weshalb es wohl nicht mehr in die freie Wildbahn entlassen wird. Das Landesamt für Umwelt hat Kontakte zu ein paar Zoos geknüpft. Bild: hfz
von Berthold Zeitler Kontakt Profil

Die Tagung der Luchsberater aus ganz Nordbayern am Freitag in der Schlossschänke steht ganz im Zeichen der Raubkatze. Da ist einmal "Wutzerl", das im August ganz offiziell und mit den entspechenden Genehmigungen der zuständigen Behörden und dem Einverständnis der örtlichen Jäger freigelassene Weibchen. Die Luchsin fühlt sich im Steinwald bestens aufgehoben, wie das umfangreiche Fotofallen-Monitoring beweist.

Da ist aber auch ein Luchs, der im November plötzlich aufgetaucht ist und überhaupt keine Scheu vor Menschen oder Hunden gezeigt hat. Am Oberpfalzturm will die Katze mit dem Stummelschwanz mit dem Hund eines Spaziergängers spielen. Einem Jäger nähert sich das Tier bis auf wenige Zentimeter, wie ein kurzes Video beweist. Und dann schnappt sich Pinselohr auch noch das Ansitzkissen des Waidmanns und verschwindet damit im Unterholz.

Anfang Januar dann wird die Katze schlafend auf dem Dach eines Hühnerstalls im Bereich Neusorg entdeckt. Davor liegt ein gerissenes Schaf. Auch jetzt noch lässt das Tier Menschen bis auf wenige Meter an sich heran, ja trabt sogar wie ein Hündchen hinter ihnen her. Mit Blasrohr und Pfeil betäubt Eckard Mickisch vom Wildpark Mehlmeisel im Auftrag des Landesamtes für Umwelt den Kuder.

In einer Erbensdorfer Tierarztpraxis wird er untersucht. 22 Kilogramm schwer und mindestens fünf Jahre alt, schätzen die Experten. Und ob seiner graumelierten Fellzeichnung wird er dem skandinavischen Typus zugeordnet, während ostbayerische Vertreter eine ausgeprägte Fleckung aufweisen. Das Tier ist nicht gechipt und nicht tätowiert, kann also auch nicht aus einem Gehege ausgerissen sein. Zugewandert aus dem Harz? Theoretisch möglich, aber dann müsste das Männchen schon vorher irgendwo aufgefallen sein.

Offiziell und transparent

Manfred Wölfl vom Landesamt fürUmwelt, zuständig für Wildtiermanagement, spricht am Freitagabend von einem "sehr gut sozialisierten Wohnzimmer-Luchs". Heißt im Klartext: Die Raubkatze ist wohl irgendwo von Menschen aufgezogen und dann im südlichen Fichtelgebirge ausgesetzt worden. Vielleicht in der Absicht, "Wutzerl" in der bevorstehenden Ranzzeit jetzt im Februar und März einen möglichen Partner zu verschaffen. Jedenfalls aber illegal. Und da merkt man Wölfl an, welch dicken Hals er ob so einer Aktion hat. Sein Appell: Offiziell und transparent Schritt für Schritt weitergehen.

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