Am Freitag beginnen die Paralympics in Pyeongchang
Martin Härtl - ein Friedenfelser auf Goldjagd

Martin Härtl (vorne) und Clara Klug in der Spur: Der aus Friedenfels stammende Langläufer will die Behinderten-Athletin aus München in Südkorea zu Medaillen führen. Bild: Pam Doyle
Sport
Friedenfels
06.03.2018
550
0

Ab Freitag brennt wieder das Feuer: Nach den Olympischen Spielen starten jetzt in Pyeongchang die Paralympics. Mit dabei im kleinen deutschen Team ist ein Nordoberpfälzer, der auch in Asien den Rundumblick haben muss.

"Es war schrecklich." Martin Härtl muss heute noch schmunzeln, wenn er an die ersten Langlaufversuche von Clara Klug denkt. Die junge Sportlerin landete mehr im Schnee, als sie auf ihren schmalen Langlauf-Skiern stand. Das war 2012. Mittlerweile ist Clara, obwohl sie nahezu blind ist, ein starke Skaterin, die auch den klassischen Stil bestens beherrscht. Martin Härtl findet jetzt gar nichts mehr schrecklich. Im Gegenteil: Es läuft alles. Ab dem 9. März gehen Clara, die Para-Biathletin, und Martin, ihr Begleitläufer, auf Medaillenjagd - bei den Paralympics in Pyeongchang.

Martin Härtl stammt aus Friedenfels (Kreis Tirschenreuth). "Die Familie wohnt noch da", berichtet er. Sein Onkel Gottfried ist dort Bürgermeister. Im Steinwald und drumherum war Martin Härtl früher als Crossläufer bekannt. Bis ihn 1992 ein Unfall beim Klettern jäh stoppte. Es brauchte ganz lange, bis Härtl wieder auf die Füße kam. Er widmete sich danach mehr und mehr dem Langlauf. Ihn und seine Frau hatte mittlerweile sein Job beim Zoll nach Weilheim in Oberbayern verschlagen.

Seit 2012 Landestrainer

Seit 2012 ist Härtl der Landestrainer des Behinderten- und Rehabilitations-Sportverbandes (BVS) Bayern. Damals hörte er, dass es da eine Behindertensportlerin gebe, die man leistungsmäßig aufbauen könne: Clara Klug. Die junge Münchenerin hatte über Jahre ihr Augenlicht verloren. Auf einem Auge ist die blind, auf dem anderen hat sie nur noch eine Sehfähigkeit von einem halben Prozent. Sie kann nur ganz leicht Schattierungen erkennen. Härtl rief Klug an, mittlerweile sind beide sehr erfolgreich unterwegs, gehören zur Para-Weltelite im Biathlon. Bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr in Finsterau im Bayerischen Wald holten sie Silber und Bronze. "Jetzt wollen wir auch eine Medaille bei den Paralympics", lautet die klare Ansage des 43-jährigen Härtl. Auf eines legt er dabei besonders Wert. "Man muss uns beide als Team sehen." Nur wenn das Zusammenspiel zwischen der blinden Läuferin und dem "Guide" bestens funktioniere, sei Erfolg möglich. Das hundertprozentige Vertrauen muss da sein. "Bei manchen Abfahrten sind wir bis zu 50 Stundenkilometer schnell", sagt der gebürtige Oberpfälzer und erklärt die Arbeit eines Begleitläufers: "Ich gebe Clara über ein Kehlkopfmikrofon Informationen über das Gelände, über Anstiege, über Kurven." Dabei läuft er nicht stur voran: "Es gibt Rennen, da schaue ich mehr nach hinten als nach vorne." Clara Klug ist mittlerweile aber auch sehr selbstständig geworden. Härtl hatte vor zwei Jahren nochmals einen Unfall, und so musste die Läuferin viel Eigeninitiative zeigen.

Liegend mit Lasergewehr

Am Schießstand ist sie ohnehin allein. Der Begleitläufer wartet in einer Zone im Trainerbereich, während die Para-Läuferin liegend mit einem Lasergewehr schießt. Die Scheiben sind zehn Meter entfernt und haben einen Durchmesser von 21 Zentimetern. Über ein Tonsignal weiß die Schützin, wann sie die Scheibe im Visier hat. "Clara ist eine sehr sichere Schützin", ist der Friedenfelser von den Qualitäten seiner "Partnerin" überzeugt. Danach geht es wieder auf die Strecke. Härtl weiß auch exakt, wie schnell er laufen darf, um Clara nicht zu überfordern. "Ich kenne ihre Werte genau." Es braucht Feingefühl, um die Höchstleistung aus der Athletin herauszukitzeln.

In Pyeongchang gehen die beiden im Biathlon über die drei Strecken 6, 10 und 12,5 Kilometer an den Start: in der Kategorie B1 - sitzend, stehend und blind. Zudem sind sie beim Klassik-Sprint der Langläuferinnen dabei. Eine Medaille soll es auf jeden Fall werden. Vielleicht schon am Samstag, wenn sie im Biathlon auf der Kurzstrecke starten.

Härtls Vorfreude auf die Spiele ist riesengroß: "Ich bin das erste Mal in Asien." Es dürfte alles andere als schrecklich werden.

Es gibt Rennen, da schaue ich mehr nach hinten als nach vorne.Begleitläufer Martin Härtl
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.