23.01.2017 - 13:34 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

52 Hinweise auf Vorkommen im Truppenübungsplatz Grafenwöhr Wolf auf dem Vormarsch

Grundbesitz ist für Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg nicht nur ein exklusives Privileg. Der Chef der Friedenfelser Güterverwaltung sieht im Eigentum auch Verpflichtung. Etwa der Wiederkehr von Luchs und Wolf den Boden zu bereiten.

So auf dem Präsentierteller wie den im Freigehege im Bayerischen Wald fotografierten Wolf wird man Isegrim wohl selten zu Gesicht bekommen. Dass in den Truppenübungsplatz Grafenwöhr einer zugewandert ist, weiß man. Woher er stammt aber nicht. Bilder: bz (3)
von Berthold Zeitler Kontakt Profil

Auch wenn er persönlich die im August freigelassene Luchsin noch nicht in seinen Wäldern gesehen hat, Baron Eberhard von Gemmingen-Hornberg wertet allein das Wissen um das Vorhandensein der scheuen Katze als ungemein spannend und attraktiv für den Steinwald.

Bei der Tagung der nordbayerischen Luchsberater am Freitag in der Schlossschänke dankt er deshalb auch der Jägerschaft für die Selbstverständlichkeit, mit der sie die große Katze begrüßt hat. Die Ausrottung von Pflanzen- und Tierarten bezeichnet der Vorsitzende des Arbeitskreises Luchs in Nordbayern als "unwiederbringlichen Verlust an der Natur und barbarischen Akt, der einer zivilisierten Welt nicht würdig ist".

Der Wolf hat Fakten geschaffen, während die Köpfe der Politik noch tief im Sand stecken.Eberhard von Gemmingen-Hornberg

Der Baron geißelt in seiner Rede den "Rassismus im Naturschutz", dem fremde Tiere und Pflanzen nicht willkommen sind. Da werde knallhart zwischen Gut und Böse unterschieden. "Was spricht dagegen, dass sich bei uns der Riesenbärenklau oder der Sika-Hirsch ansiedelt?" Der Redner sieht die Politik gefordert, kritisiert fehlende Managementpläne. "Der Wolf hat Fakten geschaffen, während die Köpfe der Politik noch tief im Sand stecken."

52 Hinweise auf den Wolf

Dass der Wolf auf dem Vormarsch ist und der Region immer näher rückt, weiß man seit Jahren. Seit Mitte 2016 ist der Wolf auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr bekannt. Diplom-Biologe Manfred Wölfl vom Landesamt für Umwelt weiß von mittlerweile 52 Hinweisen. Darunter sind auch mehr oder weniger eindeutige Bilder durch Fotofallen, Sichtungen und Spurenfunde. Auch gerissene Beutetiere hat man entdeckt. Und viermal sogar unterschiedliche Fährten, was den Verdacht auf mindestens zwei Wölfe nährt. Woher die Tiere stammen, ob sie aus dem Bereich der Lausitz - in Sachsen sind 19 Rudel bekannt - oder aus dem Alpenraum zugewandert sind, darüber kann nur spekuliert werden. Die Genetik ist momentan noch nicht bekannt.

Bereicherung der Natur

Baron von Gemmingen-Hornberg kann seit der Freilassung der Luchsin in seinen Revieren keine Veränderung im Verhalten der Wildtiere erkennen. Auch der Forst in Grafenwöhr hat noch keine "signifikanten Veränderungen" festgestellt. Allerdings sei schon plötzlich Wild an Orten aufgetaucht, wo man es nicht erwartet hätte. Ein Reviernachbar dagegen berichtet, dass Rehwild schon eine Zeitlang verschwunden war. Während der Luchs ganz offensichtlich akzeptiert wird, "ist die Gesellschaft beim Thema Wolf immer noch zwiegespalten", weiß Manfred Wölfl. "Auf jeden Fall aber ist er eine Bereicherung der Natur", sagt Baron von Gemmingen-Hornberg.

Beim Thema Wolf ist die Gesellschaft offensichtlich noch immer zwiegespalten.Manfred Wölfl

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