Deutliche Worte des Naturpark-Vorsitzenden
Klimaschutz allein reicht nicht

Die Burgruine Weißenstein auf 863 Metern Höhe ist beliebtes Wanderziel im Steinwald. Wichtig ist den Verantwortlichen des Naturparks Steinwald, die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten in der gesamten Steinwald-Region zu erhalten. Bild: hd
Vermischtes
Friedenfels
13.04.2018
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"Große Mengen Tier- und Pflanzengifte auf gigantischen Mais-Monokulturen", klagt Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg. Entschieden und mit klaren Worten ergreift der Vorsitzende des Naturparks Steinwald Partei. Die Artenvielfalt schwinde. Es sei Zeit, endlich zu handeln.

Der Naturpark Steinwald sei bemüht, die schöne Natur des Steinwaldes zu erhalten sowie den Lebensraum und die Vielfalt der heimischen Tier- und Pflanzenarten zu pflegen. Eindringlich appellierte Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg bei der Jahreshauptversammlung des Naturparks an die Mitglieder, sich für die heimatlichen Werte einzusetzen.

"Früher waren Naturschutz und Umweltschutz praktisch das Gleiche." Ein kleiner Naturschützer vor Ort hatte meist auch das große Ganze, den Umweltschutz, im Blick, so der Vorsitzende des Naturparks. Das habe sich geändert. "Heute werden Natur- und Umweltschutz oft getrennt betrachtet, ja sogar gegeneinander ausgespielt. Inzwischen wird für den Schutz der Umwelt der Naturschutz geopfert. Alles wird dem Kampf gegen den Klimawandel untergeordnet." Er bestimme, andere Themen zählten nicht. "Anscheinend ist der Klimawandel unser größtes und auch unser einziges Problem", bedauerte der Vorsitzende und fuhr fort: "Flächenverbrauch, Landschaftszerstörung, Vogel- und Fledermaus-Mord, große Mengen Gift auf der Fläche, Verlust der Artenvielfalt, Insektensterben." All das seien Naturschutz-Themen. "Aber sie sind auf einmal unwichtig, denn wir müssen ja das Klima retten. Man bezeichnet das eigene Handeln gern als öko- oder biologisch." Die Ökologie sei ein Teil der Biologie "und dies ist die Lehre vom Leben. Ich sehe aber überall den Tod." Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg war empört: "Riesige Windräder zerhäckseln jährlich Hunderttausende Vögel und Fledermäuse. Wald wird gerodet, Straßen und Betonfundamente werden in die entlegensten Winkel naturnaher Wälder gebaut." Mit gewaltigem Energieaufwand würden in Nord- und Ostsee Offshore-Windparks gebaut. "Der Bau, der Unterhalt und der Betrieb der Anlagen verschlechtern die Lebensbedingungen der dort lebenden Fische und Säugetiere. Vögel werden getötet und Wale meiden die Gebiete großflächig. Auf gigantischen Mais-Monokulturen werden regelmäßig und hoch subventioniert große Mengen an Tier- und Pflanzengiften ausgebracht." Die Artenvielfalt in Gewässern, auf Äckern und auf Wiesen gehe dramatisch zurück. "75 Prozent der Insekten und über 80 Prozent der Wiesenpflanzen sind in den letzten 30 Jahren verschwunden", wusste der Naturpark-Vorsitzende.

Nicht wegschauen

"Wir glauben, wir würden der Umwelt helfen. Wir kämpfen gegen den Klimawandel. Da ist anscheinend jedes Mittel recht - auch der Tod von Pflanzen, Tieren, Meeren, Heimat und Zukunft. Viele schauen weg, wollen nicht sehen, wie die Waage der Natur aus dem Gleichgewicht gerät. Müssen wir uns diesen Wahnsinn gefallen lassen?"

Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg machte klar: "Eine intakte - wenn auch von Menschen beeinflusste - Natur, das ist die Chance für unsere Zukunft. Auf diese Chance sollten wir bauen. Wir sind gut beraten, nicht selbst an dem Ast zu sägen, auf dem wir sitzen." Der Vorsitzende des Naturparks setzte hinzu: "Und wir sind noch viel besser beraten, mit Vehemenz diejenigen abzuwehren, die von weit außen an unserem Ast sägen wollen."

Riesige Windräder zerhäckseln jährlich Hunderttausende Vögel und Fledermäuse.Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg
3 Kommentare
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Peter Zydek aus Wackersdorf | 14.04.2018 | 22:36  
63
Franz Wölfl aus Mitterteich | 16.04.2018 | 09:13  
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Tobias Punzmann aus Neustadt an der Waldnaab | 16.04.2018 | 23:00  
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