21.01.2018 - 20:00 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Expertentagung in Friedenfels Klarer Plan für Luchs und Wolf

Bei der Jahrestagung des Arbeitskreis Luchs Nordbayern geht es in erster Linie um das Pinselohr. Vorsitzender Eberhard Baron von Gemmingen-Hornberg sieht keine unlösbaren Konflikte.

Zur Rolle des Luches in der Kulturlandschaft Mitteleuropas referierte Urs Breitenmoser aus der Schweiz. Bild: fpoz
von Oswald ZintlProfil

Das Interesse an den großen Beutegreifern ist weiter ungebrochen. Bei der Jahrestagung des Arbeitskreis Luchs Nordbayern, das gleichzeitig das Treffen der Luchsberater Nordbayerns und der benachbarten Gebiete einschloss, erinnerte Vorsitzender Eberhard Baron von Gemmingen-Hornberg eingangs an die im Steinwald freigelassene Jung-Luchsin "Fee."

Am 7. August 2016 wurde die verwaiste Jung-Luchsin in enger Zusammenarbeit mit dem Amt für Umweltschutz im Steinwald freigelassen. Das Sendehalsband hatte sie bereits nach zwei Tagen abgestreift. Über das Fotofallen-Monitoring - inzwischen gibt es Hunderte von Fotos - kann festgestellt werden, das die Luchsin sich selbst ernährt, gesund ist, den Steinwald erkundet und ihr Territorium markiert. Zwei Risse wurden in dieser Zeit gefunden. An Hand der Fotonachweise geht Eberhard Baron von Gemmingen-Hornberg davon aus, dass die Luchsin ein wesentlich kleineres Streifgebiet hat als die Artgenosse im Bayerischen Wald. Als Erklärung drängt sich für den Vorsitzenden auf: "Bei uns im Steinwald ist die Dichte der Rehe wesentlich höher als im Bayerischen Wald, deshalb muss ,Fee' nicht so weit wandern."

Gegen billige Argumente

Als Waldbesitzer und Jäger stellte der Baron fest: "Seit September 2016 wurde die Luchsin in unserem Teil des Steinwaldes von niemandem gesehen. Wenn wir nicht die vielen Bilder von den Fotofallen hätten, wüssten wir nicht, dass es einen Luchs gibt. Die Luchsin macht alles richtig." Die Rehe als potenzielle Beutetiere verhalten sich vollkommen normal und unverändert. "Wir beobachten nicht mehr und auch nicht weniger Rehe als vorher, das Gleiche gilt für den Bereich der Bayerischen Staatsforsten im Steinwald", ergänzt der Arbeitskreis-Vorsitzende und betont: "Wer Luchs sagt, muss auch Reh sagen." Wo es genug Rehe gibt, kann der Luchs gut leben und mit den Jägern gibt es dann keine oder nur wenige Konflikte. Sollte der Luchs einen spürbaren Einfluss auf den Rehbestand haben, muss der Rehabschuss gesenkt werden. "Billige waldbauliche Argumente sowie plan- und profitorientiertes Denken dürfen nicht dazu führen, dass eine Tierart bei uns nicht leben kann. Das zählt für mich zur Sozialpflichtigkeit des Eigentums", so der Baron. Und weiter: "Ein reiches Kulturland sollte sich eine vernünftige Menge Großraubtiere leisten wollen. Dazu muss für Akzeptanz gesorgt werden, es muss genug Wildtiere geben und für jede Art muss ein pragmatischer Managementplan her. Das gilt auch für den Wolf, der uns in Nordbayern sehr bald beschäftigen wird. Dagegen ist der Luchs ein harmloses Kätzchen."

Aktuelle Informationen zu Luchs und Wolf in Bayern gab Manfred Wölfl vom Bayerischen Landesamt. Er zeigte anhand von Karten auf, in welchen Gebieten es Luchspopulationen mit etwa 20 Tieren gibt. Das Thema Wolf sei für die hiesige Region derzeit nicht relevant. Was aber nicht heißen soll, dass einzelne Wölfe auf ihrer Wanderung auch das Fichtelgebirge oder den Steinwald durchqueren. In Deutschland gibt es laut Wölfl aktuell 60 Wolfsrudel, in Bayern gab es 218 Hinweise auf den Wolf. In diesem Zusammenhang kritisierte Wölfl zahlreiche Videos im Internet über Wolfssichtungen, die nicht den Tatsachen entsprechen.

In der Schweiz etabliert

Urs Breitenmoser aus der Schweiz, Mitbegründer und Leiter des Programms "Kora", ist seit 25 Jahren in Forschungsprojekten im Bereich der Raubtierökologie involviert. Schwerpunkte dabei sind Biologie, Ökologie und Geschichte des Eurasischen Luchses und Reintegration von großen Wildtieren in die Kulturlandschaft. In seinem Vortrag erinnerte Breitmoser daran, dass vor 40 Jahren der Luchs in der Schweiz wieder angesiedelt wurde. Vorausgegangen war ein Bundesratsbeschluss vom 18. August 1967. Seither habe sich der Luchs etabliert, der Lebensraum behagt ihm und er findet genügend Beute in Form von Rehen und Gämsen. Allerdings gibt es noch genügend unerschlossenen Lebensraum in den südöstlichen Alpen.

Für Urs Breitenmoser steht fest: "Für die Erhaltung des Luchses im Alpenraum trägt die Schweiz eine spezielle Verantwortung." Anhand des Konzeptes "Luchs Schweiz" erläuterte der Referent auch die wichtigsten gesetzlichen Regelungen im Land der Eidgenossen. Dabei haben die Kantone dafür zu sorgen, dass die Öffentlichkeit über die Lebensweise des Luchses, seine Bedürfnisse und seinen Schutz ausreichend informiert wird. Ebenfalls klar geregelt sind die Entschädigungen, wenn Nutztiere gerissen werden sowie Maßnahmen gegen einzelne schadenstiftende Luchse sowie die Regulierung von Luchsbeständen.

Bei uns im Steinwald ist die Dichte der Rehe wesentlich höher als im Bayerischen Wald.Eberhard Baron von Gemmingen-Hornberg

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