17.04.2018 - 20:00 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Flussperlmuschel in Szene setzen

Herzstück der neuen Anlage wird eine Zuchtstation mit einem großen Schaubecken für die vom Aussterben bedrohte Flussperlmuschel. Der Spatenstich für die vierte Infostelle des Naturparks Steinwald steht nächste Woche bevor.

600 Fenchelpflanzen für den Schwalbenschwanz spendete Siegfried Steinkohl (rechts). Mit dem Projekt fördert der Verein "Kulturlandschaft Südlicher Steinwald" das Überleben eines der schönsten heimischen Schmetterlinge. Die beiden Vorsitzenden Anja Hauptmann und Matthias Schlicht (von links) dankten dem Naturfreund. Bild: bsc
von Bernhard SchultesProfil

Diesen Termin gab der Vorsitzende des Vereins Kulturlandschaft Südlicher Steinwald ("KuSS"), Matthias Schlicht, bei der Jahreshauptversammlung bekannt. Viel Optimismus herrschte bei der gut besuchten Zusammenkunft in der "Schlossschänke". Auch den Vorsitzenden des Naturparks Steinwald, Eberhard von Gemmingen-Hornberg, und seinen Geschäftsführer Ernst Tippmann freute diese Meldung. Der Verein "KuSS" wird im Auftrag des Naturparks die Baumaßnahme abwickeln und später als Betreiber die Infostelle betreuen.

Nachzucht auf Grenzmühle

Herzstück soll eine Zuchtstation mit großem Schaubecken sein, um die vom Aussterben bedrohte Flussperlmuschel ins rechte Licht zu rücken. Ein mit großen, dicken Scheiben verglaster Flusslauf gewährt nach der Fertigstellung den Besuchern einen umfangreichen Einblick in den Lebensraum von Flussperlmuschel und weiteren Wassertieren.

Für die in weiten Teilen Europas überalterten Bestände der Flussperlmuschel, die vor allem unter verschlechterter Wasserqualität leidet, wird eine gezielte Nachzucht auf der Grenzmühle favorisiert. Angedacht sind in der neuen Infostelle des Naturparks Steinwalds zudem umfangreiche Hinweise über heimische Gewässer mit wichtigen Tipps zum Trinkwasserschutz sowie Interessantes über die Regionalvermarktung und die extensive Landwirtschaft. Rückgebaut wurde deshalb bereits in den vergangenen Tagen die ehemalige Fischhälterei auf der Grenzmühle. Dort wird die vorerst letzte Infostelle des Naturparks entstehen.

"Viele Details wurden geklärt, Fördergelder und Bauabwicklung sind nun in trockenen Tüchern", freute sich Vorsitzender Matthias Schlicht auf den Baubeginn. Die Mitglieder bat er weiter um Unterstützung und Mithilfe in allen Bereichen: "Ideen und Anregungen sind auch während der Bauphase immer willkommen."

2000 Amphibien gerettet

Viel geleistet wurde 2017 bei zahlreichen anderen Projekten, führte der Vorsitzende aus. Bereits zum vierten Mal auf sich aufmerksam machte der Verein an der Staatsstraße von Friedenfels nach Poppenreuth, als Mitglieder mehrere Wochen zwei Mal am Tag insgesamt fast 2000 Amphibien sicher über die Straße brachten. Matthias Schlicht dankte Robert Mertl, Rita und Siegfried Steinkohl, die jeweils in den frühen Morgenstunden und bei Sonnenuntergang die unfreiwillige Gefangenschaft der Tiere in den Eimern entlang des Schutzzauns beendet hatten.

Beim Aussetzen im gegenüberliegenden Griesweiher wurden die Tiere genau registriert. "Es waren 1589 Erdkröten, 50 Grasfrösche, 2 Grünfrösche, 103 Bergmolche und 191 Teichmolche", informierte der Vorsitzende. Ausgeweitet wurde im vergangenen Jahr auch das Projekt "Fenchelpflanzen für den Schwalbenschwanz". Dabei wurden 600 Pflanzen an 76 Teilnehmer ausgegeben. Um sich fortzupflanzen und überleben zu können, ist der Schwalbenschwanz nämlich auf bestimmte Pflanzen wie den Gemüsefenchel angewiesen. Die letztjährigen Erfolge freuten das Vereinsmitglied Siegfried Steinkohl. Für die vom Verein "KuSS" erneut gestartete Aktion spendete er deshalb 600 neue Fenchelpflanzen. Mit großem Applaus bedankte sich die Versammlung. Die Abgabe an interessierte Pflanzenfreunde soll am 12. Mai erfolgen. Uhrzeit und Ort werden kurzfristig veröffentlicht.

Von der Bevölkerung unterstützt wurde eine weitere große Maßnahme. "Unsere Mitglieder haben in Zusammenarbeit mit dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern hinter dem Frauenreuther Weiher drei Jungstörche in die Freiheit entlassen", berichtete der Vorsitzende. Mit der Aktion hoffe man auf eine dauerhafte Ansiedlung, zumal noch eine weitere Brutstätte im Ortsteil Frauenreuth errichtet wurde. Dazu wurde eine über 20 Meter lange Fichte aus dem Steinwald zum Frauenreuther Weiher transportiert. Vom Nest aus haben die Störche einen weiten Blick über den Weiher und die angrenzenden Feuchtwiesen.

Gutes Finanzpolster

"Gesellschaftlich ist die Kirchweihfeier auf der Grenzmühle zwar die einzige, aber stets von großen Erfolg gekrönt", berichtete Schlicht. Die vielen Besucher hätten den Verein fast an die Leistungsgrenze gebracht. Im sechsten Jahr nach der Gründung gehören dem Verein nach 2 Sterbefällen und 6 Neuaufnahmen 35 Mitglieder an. Hauptkassier Johann Amschl schilderte ausführlich die finanzielle Seite. Trotz der vielen Naturschutzprojekte verwies er auf ein gutes Finanzpolster.

Großen Gefallen fand am Ende der Versammlung das von der zweiten Vorsitzenden Anja Hauptmann vorgelegte Plan- und Bildmaterial zur neuen Infostelle. Die Besucher diskutierten rege die spätere Einrichtung und Ausstattung.

Es waren 1589 Erdkröten, 50 Grasfrösche, 2 Grünfrösche, 103 Bergmolche und 191 Teichmolche.Vorsitzender Matthias Schlicht über die Amphibienrettung

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