Friedenfelser Storchenfreunde errichten zweiten Horst
Mit Blick auf "gedeckten Tisch"

Arbeit am künftigen "Wohn- und Kinderzimmer" der Störche. Markus Kellner, Bernhard Kellner und Hans Lenk (von links) befestigen einen massiven Weidenkorb auf der Baumspitze. Bild: bsc
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Friedenfels
23.08.2017
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17 Meter in die Höhe ragt die neue, zweite mögliche Brutstätte für die Störche. Von oben haben die Bewohner künftig einen weiten Blick über den Frauenreuther Weiher und die angrenzenden Feuchtwiesen. Bild: bsc

Nach dem Kraftakt heißt es warten. Der zweite Storchenhorst ist errichtet. Mit den freiwilligen Helfern hoffen viele Friedenfelser, dass vielleicht schon im nächsten Jahr Störche eines der Nester beziehen und im Erholungsort brüten und Junge groß ziehen.

Im Ortsteil Frauenreuth wurde nun ein zweites Nest für die im Frühjahr in die Freiheit entlassenen Jungstörche errichtet. Eine über 20 Meter lange Fichte wurde aus dem Steinwald zum Frauenreuther Weiher transportiert. Nach der Kürzung auf 17 Meter wurde durch Bernhard und Markus Kellner ein großer Weidenkorb an der Baumspitze fest verschraubt und zusätzlich mit mehreren Verstrebungen gegen Sturm und Unwetter gesichert. Der Korb selbst mit seinem wasserdurchlässigen Boden aus stabilem Holz ist mit starken Weidenruten umflochten und bietet somit optimalen Schutz für die künftigen Jungtiere.

Dass man dem Ziel einer dauerhaften Ansiedelung durch die Errichtung einer weiteren möglichen Brutstätte ein großes Stück näher kommt, wurde auch von amtlicher Seite bestätigt. Die Storchenfreunde mit den beiden Vorsitzenden des Vereins "Kulturlandschaft Südlicher Steinwald" Matthias Schlicht und Robert Mertl an der Spitze betreuen das Storchenprojekt seit dem vergangenen Jahr in enger Zusammenarbeit mit dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV). LBV-Bezirksgeschäftsführer Dr. Philipp Wagner aus Bayreuth: "95 Prozent der Störche kehren im darauffolgenden Jahr an den Ort zurück, wo sie zum ersten Mal am Himmel ihre Runden drehten und in die Freiheit entlassen wurden." Die Eingewöhnung der Jungstörche sei erfreulich verlaufen. Täglich waren sie seit ihrer Freilassung am 4. Mai auf den Wiesen und Feldern in und um Friedenfels anzutreffen. Besonders die Feuchtwiesen rund um den Frauenreuther Weiher hatten es den stattlichen Tieren angetan. Mehrmals gesellten sich sogar weitere Jungtiere, die auf dem Durchzug waren, zu den Friedenfelser Störchen und suchten mit ihnen Nahrung. Die Nächte verbrachten die drei freigelassenen Störche zum großen Teil in Frauenreuth auf Häusern und Scheunen. Deshalb entschlossen sich die Storchenfreunde zur Errichtung eines weiteren Nestes in unmittelbarer Nähe zum Frauenreuther Weiher, zusätzlich zum bereits im vergangenen Jahr geschaffenen Horst auf dem Brauereikamin in der Ortsmitte.

Schutz durch Dachpappe

Kräftig ins Zeug legen mussten sich die Storchenfreunde nun bei der zweiten großen Aktion zur Ansiedelung der Störche - trotz der Hilfe eines Baggers. Zuerst wurden von dem stattlichen Baum zwei Meter Rinde abgeschält und der anschließende kahle Stamm mit Dachpappe ummantelt. "Wir wollen ja, dass der Baum möglichst lange hält", erklärte Bernhard Kellner, der diesmal die Bauleitung inne hatte. Markus Kellner hatte mit dem Bagger ein zwei Meter tiefes Loch gegraben, in das der Baum dann eingelassen wurde. Bernhard Kellner: "Der neue Standort wurde bewusst gewählt, da er nahe an den von Störchen zur Nahrungssuche bevorzugten Feuchtgebieten liegt."

Mit viel Liebe

Zuversichtlich stimmt die Storchenfreunde, dass die freigelassenen Jungtiere in den zurückliegenden Wochen das vorgefertigte Nest auf dem Brauereischlot öfter umkreisten. Besonders hoffen sie, dass die Tiere ihren ersten Flug nach Afrika und zurück aus dem Winterquartier gut überstehen. Im Frühjahr 2018 haben sie dann die Auswahl zwischen zwei mit Schweiß und Liebe errichteten Brutstätten. Einen großen Dank richtete Robert Mertl, der zweite Vorsitzende des Vereins "Kulturlandschaft Südlicher Steinwald", an die Helfer und Unterstützer des Projekts. Dazu gehört Erwin Höcht, der für die Errichtung der neuen Brutstätte seinen Grund zur Verfügung stellte. Den Baum hatte Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg spendiert.
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