Gottes Sohn eint alle Menschen zu einer Familie
Jesus, das Flüchtlingskind

Viele Bilder erzählen eine Geschichte: "Weihnachten im Leben des Kindes" ist der Titel dieser Collage, die im Kinderhaus Maria Waldrast in Weiden zu sehen ist. Bild: Schönberger
Vermischtes
Friedenfels
23.12.2016
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Weihnachten ist das Fest der Kinder. Und wenn wir Erwachsene das Geheimnis der Heiligen Nacht erahnen wollen, so müssen wir wie Kinder werden: vertrauend, nicht berechnend, staunend - mit dem Herzen sehen!

Von Siegfried Wölfel, Pfarrer i. R., Friedenfels

Für Kinder gestaltete ich eine große Wand im Kinderhaus Maria Waldrast Weiden. Mit Bildern und Farben, mit Naturmaterialien habe ich "vier Jahreszeiten im Leben eines Kindes dargestellt. Aus diesem Zyklus stammt unser Weihnachts-Bild. Kinder sollen davor verweilen - sehen - entdecken - sich freuen. Die Grundfarben sind: tiefes Nachtblau der Natur, Rot der Liebe der Menschen, strahlendes Gold der Liebe Gottes, das von der Mitte ausgeht und sich in alle Himmelsrichtungen verschenkt. Diese Strahlen gehen aus von einem Kind, das allen Menschen guten Willens gezeigt wird auf dem ganzen Erdball, der schon von der Liebe dieses Kindes erglänzt im Gold und Rot. Dieses Bild ist die Mitte, das Zentrum, um das sich alles dreht, die Sonne, die ihre Strahlen aussendet.

Als dieses Bild vor über einhundert Jahren das erste Mal gezeigt wurde, rief es heftige Proteste hervor. Darf man Weihnachten so malen? Maria - nicht erhaben und himmlisch, sondern sinnlich, mit offenem Haar, mit orientalischen Zügen? Das Jesuskind - kein holder Knabe mit lockigem Haar, sondern ein fleischiges Wesen, an dem man kaum erkennen kann, was aus ihm einmal werden wird?

Klein und zerbrechlich

"Das Wort ist Fleisch geworden", verkündet uns das Johannesevangelium. Ein Mensch aus Fleisch und Blut, so klein und zerbrechlich, wie wir alle einmal auf die Welt gekommen sind. Der Maler Emil Nolde macht überdeutlich, was wir an Weihnachten wirklich feiern. Es scheint, als wolle er uns davor bewahren, zu schnell im Jesuskind nur Gottes Sohn zu erkennen. Er ist ganz Mensch geworden, sagt uns dieses Bild, mit allen Konsequenzen.

Der Maler verleugnet aber auch die Gottheit Jesu nicht. Es ist Maria, die uns zeigt, woher das Kind stammt. Dankbar streckt sie ihr Neugeborenes dem Himmel entgegen. Sie ist vom Himmel berührt: Wie der Stern, so leuchtet auch das Antlitz der Eltern Jesu. Von hinten nahen die Hirten - auch sie werden vor Freude strahlen, wenn sie das Kind sehen. Christus ist gekommen, um Licht in ihr Leben zu bringen. Und auch ein Esel neigt sein Haupt ins Bild. Indem er sich ganz klein macht vor diesem Kind, will er uns verkünden: Dieser ist geboren, um allen Geschöpfen das Heil zu schenken, allen Menschen ein Heiland zu werden.

Unter diesem Bild sehen wir ein anderes Weihnachtsmotiv, das ich in Rajavoor in Südindien fotografiert habe. In einer großen Wallfahrtskirche "Zum Erzengel Michael" liegen im Freien, auf Sand oder Decken gebettet, unzählige Kranke, die auf Hilfe hoffen. Auch diese Mutter mit ihrem schwerkranken Kind liegt dort. Diese Menschen können sich keinen Arzt und kein Krankenhaus leisten. Sie beten und fasten und hoffen auf himmlische Hilfe. Und oft erfahren sie diese von Engeln des Himmels und von Menschen.

Keine Aufnahme

Gott kommt als Kind in unsere Welt, damit wir Menschen werden! Flucht, Vertreibung, Angst und Not - das musste auch Jesus und seine Eltern durchleiden. Abweisung, keine Aufnahme und Herberge finden - das war ihr Schicksal. "Geht weiter - wir haben keinen Platz!" Und doch zeigt Maria nicht nur ihr Kind sondern die vielen Flüchtlingskinder, die hier bei uns keinen Platz finden! Diese Frage wird uns allen gestellt: Haben wir eine offene (Herzens-)Tür für Kinder und Jugendliche aus Syrien, Irak und Afrika und deren Eltern in unseren Gemeinden, Pfarreien und Familien?

Wir können nicht schöne Krippchen bauen für das Jesuskind, aber seinen Schwestern und Brüdern die Türe weisen und unser Herz verschließen. Die Herbergssuche ist in diesen Tagen kein Thema für Weihnachtsspiele bei Kerzenschimmer sondern eine Aufgabe unserer Nächstenliebe! Ganz konkret: Habe ich Platz für eine Familie, wozu uns Papst Franziskus aufruft. Unsere Ängste und Vorurteile bestimmen unser Handeln - leider auch an Weihnachten.

Der Chefarzt der Kinder-Uniklinik Ostbayern in Regensburg, Professor Dr. Michael Melter, beklagt, dass es bei uns zu wenig "Kümmerer" gebe, Menschen, die sich um die Flüchtlinge kümmern. Er ist sehr besorgt um die Mitmenschen und erzählt von einer fünfköpfigen Flüchtlingsfamilie: Die Tochter verstirbt auf der Flucht, die Mutter liegt todkrank in der Türkei, der Vater schafft es mit den beiden Söhnen, einer davon schwerbehindert, nach Deutschland. Der Vater landet mit Tuberkulose im Krankenhaus. Die Söhne, acht und fünf Jahre alt, werden in seine Klinik gebracht, weil man nicht weiß, wo sie sonst hin sollen. Sie kommen in eine ganz andere Welt. Sie haben Angst und brüllen vor Entsetzen erst einmal vier Stunden. Als man versuchte, den Vater in dem anderen Krankenhaus zu kontaktieren, hieß es dort, das sei nicht möglich, er habe ja kein Telefon beantragt.

Weg der Liebe

Noch ein Blick auf das Bild: Im Glauben erkennen wir Christen in diesem Kind von Bethlehem Gottes Sohn, der den Weg der Liebe geht trotz aller Widerstände, trotz allen Unglaubens. Er stirbt am Kreuz, um alle zu umarmen und seine grenzenlose Liebe zu zeigen. Er eint alle Menschen zu einer Welt - Familie. Alle Kinder dieser Erden sollen Gottes Kinder werden! Diese Liebe feiern wir in unseren Kirchen und Kapellen auf der ganzen Welt. In den Jubel der Heiligen Nacht stimmen Mond und Sterne mit ein.

An den Rändern dieser Bildcollage warten Kinder mit Hoffnungslichtern, packen reich beschenkte Kinder ihre Geschenke aus. Kinder dürfen trotz ihrer Pelzmützen im Herzen nicht erfrieren. Die Natur im weißen Kleid lädt ein zum Sport. Auch in der kalten Jahreszeit gibt es draußen viel zu entdecken.

Weihnachten ist das Fest der Kinder - aber auch für alle Erwachsenen, die sich an ihre eigene Kindheit zurückerinnern oder zurücksehnen und für die, die sich wieder freuen und staunen können wie Kinder. Und wenn wir das Geschenk des Glaubens auspacken, unsere Herzen öffnen und tiefer in uns hineinschauen, dann können wir vielleicht beten: "Nun sei uns willkommen Jesus, auch in den Flüchtlingen."
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