18.01.2018 - 14:48 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Luchs- und Wolfsberater treffen sich in Friedenfels "Fee" fühlt sich wohl im Steinwald

Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg ist Waldbesitzer, passionierter Jäger und leidenschaftlicher Naturschützer. Am heutigen Abend spricht er um 19 Uhr in der "Schloßschänke" vor Luchs- und Wolfberatern über die Erfahrungen mit der 2016 ausgesetzten Luchsin "Fee" im Steinwald.

"Fee" meidet den Kontakt mit den Menschen. Nur Fotofallen und wenige Spuren belegen ihre Existenz. Bild: exb
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Die Jahrestagung des Arbeitskreises Luchs Nordbayern befasst sich an diesem Abend in der Hauptsache mit dem Luchs und ein wenig mit dem Wolf. Dazu begrüßt AK-Vorsitzender, Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg, diesmal Urs Breitenmoser aus der Schweiz, den Luchs-Experten schlechthin. Er spricht zum Thema "Der Luchs in der Kulturlandschaft Mitteleuropas". Über "Aktuelles zu Luchs und Wolf in Bayern" referiert Manfred Wölfl vom Landesamt für Umwelt (LfU).

Gastgeber von Gemmingen-Hornberg selbst spricht zum Thema "Über ein Jahr mit der Luchsin ,Fee' im Steinwald". Im August 2016 wurde im Steinwald die verwaise Luchsin in die Freiheit entlassen. Aus Sicht der Waldbesitzer und Jäger habe sich das Tier geradezu vorbildlich verhalten, so von Gemmingen-Hornberg. "Die Luchsin lebt so unauffällig, dass wir sie gar nicht bemerken. Seit Oktober 2016 hat sie niemand mehr gesehen." Auch die Rehe hätten ihr Verhalten nicht groß geändert, was auch die Staatsförster bestätigen. "Wichtig ist einfach, dass es genug Rehe gibt."

Tausende Fotos

Anfangs sei das Tier, das sein Sendehalsband gleich nach dem Aussetzen verloren hat, vom LfU flächendeckend mit 26 sogenannten Fotofallen beobachtet worden. Nach einigen Monaten seien zehn Kameras wieder abgebaut worden. Auch im Wald der Bayerischen Staatsforsten und bei der Güterverwaltung in Friedenfels waren Kameras installiert. Es seien Tausende Fotos entstanden. Darauf sei die Luchsin sehr oft zu sehen. Ebenfalls seien auch Rot-, Schwarz-, Muffel-, Sika- und Rehwild sowie Füchse, Dachse, Wild- und Hauskatzen und Hasen abgelichtet. Anhand der Fotobeweise lägen die äußeren Nachweise etwa sechs Kilometer auseinander. Die Luchsin nutze rein rechnerisch ein Streifgebiet von etwa 50 Quadratkilometern - ein wesentlich kleineres Gebiet als das der Luchse aus dem Bayerischen Wald.

Im Bereich von zwei gefundenen gerissenen Beutetieren wurden ebenfalls Fotofallen installiert. Sie bewiesen, dass die Luchsin selbst Beute machen kann, diese unter Ästen verstecke und sie in wenigen Tagen vollständig auffrisst. Eine Anfang Januar 2017 im Schnee gefundene Urinmarkierung werde als beginnendes Territorialverhalten gedeutet.

Die Suche nach einem Geschlechtspartner war während der Fortpflanzungszeit im März 2017 noch nicht zu beobachten. In der diesjährigen Paarungszeit könne es aber sein, dass "Fee" größere Suchbewegungen unternehme, um einen Partner zu finden. Dabei könne sie womöglich auch den Steinwald verlassen. Der Baron zieht folgendes Resumee: "Voraussetzung für das Wohlbefinden von großen Beutegreifern ist die ziemlich banale Tatsache, dass der Mensch die Anwesenheit dieser Tiere akzeptiert und dass es genug Beutetiere gibt."

Politik in der Pflicht

Ein reiches, gebildetes Kulturland wie Deutschland sollte sich - eben als Zeichen dieser Kultur - sogenannte Großraubtiere einfach leisten wollen. Zwangsläufig werden dabei auch Konflikte entstehen. Aber die sind lösbar. Der Baron sieht da vor allem die Politik in der Pflicht. Wer Luchs sage, müsse auch Reh sagen. Sogenannte waldbauliche Argumente, möglichst viele Rehe totschießen, nur dann wächst der Wald, zeigten nur die Engstirnigkeit und Fantasielosigkeit ihrer Urheber. Waldbaulich gäbe es viele Möglichkeiten, für die notwendige Verjüngung zu sorgen.

Ein reiches, gebildetes Kulturland wie Deutschland sollte sich Großraubtiere einfach leisten wollen.Baron von Gemmingen-Hornberg
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