18.04.2018 - 16:40 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Meister Adebar in Friedenfels Hurra, der Storch ist wieder da

Er ist spät dran, aber noch nicht zu spät. Vorausgesetzt, es findet sich ein Weibchen, das mit dem frisch in Friedenfels gelandeten Storch für Nachwuchs sorgt.

Das von den Mitgliedern des Vereins Kulturlandschaft südlicher Steinwald vorbereitete Nest gefiel Meister Adebar noch nicht ganz. Unmittelbar nach dem Eintreffen auf dem Brauereischlot gestaltete der Weißstorch den Nestboden neu. Bild: bsc
von Bernhard SchultesProfil

Große Freude bei den Storchenfreunden in Friedenfels: Am Dienstag bezog ein Tier das Nest auf dem Brauereischlot. Für Robert Mertl und Matthias Schlicht vom Verein Kulturlandschaft Südlicher Steinwald war dies der lang ersehnte Augenblick, der für viele Mühen entschädigte. Zusammen mit weiteren Mitgliedern des Vereins hatten sie sich seit Jahren um eine erfolgreiche Ansiedelung des Glücksbringers im Erholungsort bemüht.

Erst vor einer Woche war das vorbereitete Nest auf dem Brauereischlot in 30 Metern Höhe nochmals richtig in Szene gesetzt worden. Grassoden, Äste und Moos wurden mit der Drehleiter nach oben befördert. Die Vereinsmitglieder statteten die Brutstätte damit noch wohnlicher aus. Auch die darunter liegenden Dächer wurden mit weißer, wasserfester Farbe bespritzt, um die Hinterlassenschaften von Störchen vorzutäuschen. Eine Nisthilfe, die schon einmal "in Betrieb" war, wird nämlich eher angenommen als eine, die noch nie bewohnt war, wussten Matthias Schlicht und Robert Mertl.

Ob der Vogel einer der drei Jungstörche ist, die im vergangenen Frühjahr am Frauenreuther Weiher in die Freiheit entlassen wurden - einer verbrachte auch gleich den Sommer in Friedenfels - ist noch nicht geklärt. Robert Mertl, der sich nach der Nachricht über das Eintreffen des Weißstorchs sofort auf den Weg zum Storchennest machte, konnte trotz langer Beobachtung keinen Ring an dem Storch erkennen. Die drei Jungtiere, die 2017 aus ihren Nestern gefallen waren und von der Auffangstation Lindenhof hochgepäppelt wurden, tragen eine entsprechende Kennzeichnung.

Unmittelbar nach der Landung auf dem stillgelegten Brauereikamin brachte der Weißstorch die vorbereiteten Äste und Grassoden in eine andere Lage und fühlte sich gleich sichtlich wohl im neuen Quartier. Besonders bestaunten auch vorbeikommende Spaziergänger das anschließend beginnende Balzritual. Dabei legte der Storch seinen Kopf immer wieder weit nach hinten und klapperte laut mit dem Schnabel. Die Storchenfreunde werteten dies so, dass sich der Großvogel schon nach kurzer Zeit sehr heimisch fühlte und ein Weibchen anlocken will.

Auch nach dem Verlassen des Nestes, als der Storch zur Futtersuche in die umliegenden Feuchtgebiete startete, konnten die Beobachter noch keinen Ring ausmachen. Dass Adebar erst am 17. April auf dem Brauereischlot landete, obwohl in anderen Orten schon mit dem Brüten begonnen wurde, ist für die Storchenfreunde kein Problem. "Besonders Jungstörche treten oft verspätet ihren Rückflug aus Afrika an, auch eine Schlechtwetterfront könnte Schuld an der Verspätung gewesen sein", wusste Robert Mertl. Auch die weitere Entwicklung sieht der Storchenexperte realistisch. "In der Regel kehren Männchen und Weibchen nicht gemeinsam zurück, sondern das Männchen etwas früher. Die nächsten Tage werden es zeigen, ob das Eheglück vollkommen wird und dann mit der Familienplanung begonnen werden kann." Dabei hat der Storch die Qual der Wahl, welchen Horst er bezieht: Auch das von Helfern vorbereitete Nest beim Frauenreuther Weiher, etwas mehr als einen Kilometer Luftlinie entfernt, inspizierte der Vogel am Mittwoch.

Wie in Friedenfels wartet auch in Waldershof ein Storch auf das passende Weibchen. Der Horst auf dem alten Kamin beim Sägewerk Schug ist bereit. Interesse besteht: Beobachter haben beispielsweise am 6. April gleich vier Exemplare in Waldershof gesichtet. In Kemnath wurden ebenso wie in Immenreuth schon jeweils zwei Exemplare gesichtet. Auch in Tirschenreuth und Waldsassen stehen die Zeichen für die Familienplanung in den Storchenhorsten gut.

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