08.04.2018 - 16:52 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Mit Drehleiter und vollem Einsatz Malaktion für Meister Adebar

"Wohnungsangebote" hätte Meister Adebar im Erholungsort Friedenfels inzwischen genug. Doch dass die Ansiedlung von Störchen auf einer der drei Nisthilfen heuer noch gelingt, scheint fraglich.

Seit Jahren bemüht sich der Verein "Kulturlandschaft Südlicher Steinwald" um die Ansiedlung von Störchen in Friedenfels. Die Mitglieder (von links) Siegfried Steinkohl, Vorsitzender Matthias Schlicht und Schriftführer Robert Mertl schafften im Auto Nestutensilien herbei. Bild: bsc
von Bernhard SchultesProfil

Die Friedenfelser Storchenfreunde wollen nichts dem Zufall überlassen und hoffen, dass das ehrgeizige Ziel dennoch von Erfolg gekrönt wird. Kurzerhand staffierten sie am Freitag die Nisthilfe auf dem Brauereischlot mit Grassoden, Ästen und Moos aus. Auch die darunter liegenden Dächer wurden mit weißer, wasserfester Farbe bespritzt, um die Hinterlassenschaften von Störchen vorzutäuschen. Eine Nisthilfe, die schon einmal "in Betrieb" war, wird nämlich eher angenommen als eine, die noch nie bewohnt war, wissen Matthias Schlicht und Robert Mertl. Die beiden Vorstandsmitglieder des Vereins "Kulturlandschaft Südlicher Steinwald" (KuSS) bemühen sich mit weiteren Mitgliedern des Vereins seit Jahren um eine Ansiedlung von Störchen. In Zusammenarbeit mit dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) wurden im vergangenen Jahr hinter dem Frauenreuther Weiher drei Jungtiere in die Freiheit entlassen. Eine dauerhafte Ansiedelung und dass die Störche künftig im Erholungsort brüten und Junge großziehen schien wahrscheinlich. Die Eingewöhnung der Jungstörche sei nämlich sehr erfreulich verlaufen, erzählt der Schriftführer des Vereins "KuSS", Robert Mertl. "Täglich waren sie auf den Wiesen und Feldern in und um Friedenfels anzutreffen. Besonders die Feuchtwiesen rund um den Frauenreuther Weiher hatten es den stattlichen Tieren angetan." Mehrmals gesellten sich sogar weitere Jungtiere, die auf dem Durchzug waren, zu den Friedenfelser Störchen und suchten mit ihnen Nahrung. Die Nächte verbrachten die drei freigelassenen Störche zum großen Teil in Frauenreuth auf Häusern und Scheunen. "Deshalb entschlossen wir uns im letzten Jahr zur Errichtung eines weiteren Nestes in unmittelbarer Nähe zum Frauenreuther Weiher, zusätzlich zu den in den Vorjahren geschaffenen Nisthilfen im Ortskern von Friedenfels", so Robert Mertl.

Auch die damalige Aussage von LBV-Bezirksgeschäftsführer Dr. Philipp Wagner aus Bayreuth ("95 Prozent der Störche kehren im darauffolgenden Jahr an den Ort zurück, wo sie zum ersten Mal am Himmel ihre Runden drehten und in die Freiheit entlassen wurden") ließ und lässt die Mitglieder des Vereines KuSS hoffen. Robert Mertl und Vorsitzender Matthias Schlicht wissen aber auch von den Gefahren des ersten Flugs der Störche nach Afrika und zurück aus dem Winterquartier. Noch gehen sie davon aus, dass den Störchen nichts passiert ist und sie aufgrund einer Schlechtwetterfront etwas verspätet eintreffen.

"Wir haben vorgesorgt"

Robert Mertl: "Des Weiteren besteht die Möglichkeit, dass die in Friedenfels in Freiheit entlassenen Störche wie viele ihrer jungen Artgenossen ein ganzes Jahr in Afrika bleiben und erst im zweiten Sommer den Flug in ihr Sommerquartier nach Europa antreten. Egal wann immer sie auch kommen oder andere durchziehende Störche unser vorbereitetes Wohnungsangebot entdecken - wir haben vorgesorgt."

Voll des Lobs für die erneute Unterstützung zeigen sich am Ende der "Storchenaktion" am Freitag Matthias Schlicht und Robert Mertl. Neben den Mitgliedern danken sie den Friedenfelser Betrieben und besonders der Freiwilligen Feuerwehr Mitterteich. Harald Gebauer ist es nämlich zu verdanken, dass die Maßnahme zügig und ohne Verkehrsbehinderung durchgeführt werden konnte. Mit der Drehleiter befördert er die Storchenfreunde auf fast 30 Meter Höhe. Bürgersteige und eine halbe Fahrspur sind gesichert und abgesperrt. Vorher ist der Korb der Drehleiter mit den benötigten Utensilien beladen worden. Matthias Schlicht und Robert Mertl können diese dann in schwindelerregender Höhe sicher im Storchennest verbauen.

Farbspritzer

Bei der zweiten Auffahrt wird der Korb mit Schutzplanen ausgelegt, um bei der anschließenden "Farbaktion" keine Spuren an der Drehleiter zu hinterlassen. Robert Mertl und Siegfried Steinkohl verzieren das Dach der Brauerei mit großen weißen Farbspritzern. Klar, dass die "Wohnungs-Verschönerungsaktion" Aufsehen erregt. Auf der vielbefahrenen Ortsdurchfahrt stoppen fast alle Autofahrer und blicken der Drehleiter folgend zum Brauereischlot. Auch Spaziergänger begutachten die Aktion und wünschen den Mitgliedern des Vereins "Kulturlandschaft Südlicher Steinwald" viel Erfolg.

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