Störche mögen Friedenfelser Frösche

Zu den drei in Friedenfels in die Freiheit entlassenen Jungtieren gesellten sich in der vergangenen Woche drei "Durchzügler". Hinter dem Frauenreuther Weiher stapften sie gemeinsam die saftigen Wiesen nach Futter ab. Bild: bsc
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Friedenfels
31.05.2017
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Täglich sind Robert Mertl (Bild) und seine Storchenfreunde unterwegs und protokollieren Sichtungen der ausgewilderten Weißstörche. Bild: bsc

Schon seit Jahren ist es vielerorts ein Glücksfall, wenn Störche einen Horst "beziehen" und später der Nachwuchs schlüpft. Entsprechend groß ist die Freude in Friedenfels, wo kürzlich in die Freiheit entlassene Störche langsam heimisch werden.

(bsc) Früher gehörte Meister Adebar in vielen Gemeinden zum Ortsbild. Heute brauchen Weißstörche zur Ansiedlung vielfach die Unterstützung von Menschen. Seit Jahren bemühen sich einige Friedenfelser Storchenfreunde um eine Ansiedlung im Erholungsort. Nachdem vor rund fünf Wochen in Zusammenarbeit mit dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) drei Jungtiere im Ortsteil Frauenreuth in die Freiheit entlassen worden sind (wir berichteten), werden die Chancen immer größer, dass dieses Projekt von Erfolg gekrönt ist. Die drei Jungtiere sind nämlich täglich in der Nähe ihrer Auflassstelle anzutreffen.

Das Futter scheint hier grenzenlos zu sein, wie Beobachter berichten. Seit der Freilassung haben sich mehrere interessierte Storchenfreunde zusammengeschlossen und melden ihre Beobachtungen auf ihrem Weg zur Arbeit oder in der Freizeit an Robert Mertl. Diese Beobachtungen sollen im Juli bei einem zweiten Besuch des LBV-Bezirksgeschäftsführers Dr. Philipp Wagner aus Bayreuth bewertet werden. Anschließend sind weitere Maßnahmen zur endgültigen Ansiedlung vorgesehen.

Beim LBV-Bezirksgeschäftsführer war schon bei der Freilassung vor fünf Wochen großer Optimismus zu spüren. "95 Prozent der Störche kehren im darauffolgenden Jahr an den Ort zurück, wo sie zum ersten Mal am Himmel ihre Runden drehten und in die Freiheit entlassen wurden." Die Nächte verbringen die Störche derzeit auf Schuppen oder auf Bäumen in der Köhlerlohe. Gesehen wurden sie auch schon in den Ortsteilen Altenreuth und Bärnhöhe oder wenn sie mit ihren großen Schwingen am Himmel ihre Kreise zogen.

Bitte um Rücksicht

Robert Mertl, der sich seit vielen Jahren um eine Ansiedlung der Störche im Erholungsort bemüht und von seinen Freunden mittlerweile "Storchenvater" gerufen wird, bittet die Bevölkerung um Rücksichtnahme. So wünscht sich der engagierte Storchenfreund, dass Hundehalter beim Spazierengehen rund um den Frauenreuther Weiher ihre Lieblinge anleinen. Und auch Fotografen sollten vorerst einen respektablen Abstand beim Ablichten der Weißstörche einhalten. "Wenn erst einmal ein Nest gebaut wird, sind die Zugvögel bei Weitem nicht mehr so scheu und zu vertreiben", berichtet der engagierte Storchenfreund.

Gesellschaft bekommen

Eine besondere Freude erlebte Robert Mertl in der vergangenen Woche. Bei seinen täglichen Erkundungstouren zu den Weißstörchen traute er eines Morgens seinen Augen nicht. Zu den drei in Friedenfels entlassenen Jungtieren gesellten sich drei "Durchzügler". Hinter dem Frauenreuther Weiher stapften sie gemeinsam über saftige Wiesen - auf der Suche nach Futter. Nach drei Tagen zogen die unerwarteten Gäste dann auch wieder weiter, informiert Robert Mertl.

Viele Voraussetzungen für eine dauerhafte Ansiedelung sind mittlerweile geschaffen, meint Robert Mertl und hofft deshalb im nächsten Jahr auf eine gesunde Rückkehr "seiner Störche" aus dem Winterquartier, zudem sie erfahrungsgemäß im August aufbrechen. Nicht nur in den Sommermonaten sei das Leben der Störche in Gefahr, weiß Robert Mertl. Auch in den Überwinterungsgebieten und vor allem entlang der Zugrouten lauern zahlreiche Gefahren auf die großen Vögel. Stromfreileitungen werden für manche Vögel zur tödlichen Falle. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass die meisten verunglückten Störche an Stromleitungen und gefährlich konstruierten Masten verenden, so Mertl. Besonders häufig seien Jungstörche betroffen. "In manchen Gegenden wird heute sogar noch Jagd auf den Adebar gemacht." Eine besondere Gefahr stellten auch giftige Chemikalien dar. Vor allem in Afrika würden längst verbotene Pflanzenschutzmittel eingesetzt, um Schädlinge, wie zum Beispiel Wanderheuschrecken, zu bekämpfen. Störche sind bei der Wahl ihrer Nahrungsinsekten wenig wählerisch und fressen zuweilen Hunderte der vergifteten Heuschrecken, so Robert Mertl. Auch Dürreperioden in den Überwinterungsquartieren können das Leben der Störche bedrohen. "Sie finden dann dort kaum Nahrung und Wasser, das ihnen das Überleben sichert." Wissenschaftler hätten herausgefunden, dass schlechte Bedingungen im Winterquartier neben höheren Verlusten auch einen verspäteten Rückzug der Vögel in die Brutgebiete und einen verminderten Bruterfolg zur Folge hätten.

Weitere Biotope

Dass all diese Gefahren nicht eintreten, hoffen auch die anderen Friedenfelser Storchenfreunde und freuen sich auf eine Rückkehr im nächsten Frühjahr. Dann dürfte nämlich der Tisch für die Störche noch reichlicher gedeckt sein. Neben den bereits vorhandenen Nahrungsquellen und zahlreichen Feuchtwiesen errichtet Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg im Herbst noch weitere Biotope in günstiger Entfernung zur Auflassstelle und dem Horst auf dem Kamin der Schlossbrauerei.
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