Vom Stall zum Gotteshaus

Der Posaunenchor unter der Leitung von Werner Klüher sorgte bei der Feier des Jubiläums für festliche Musik. Bild: roh
Vermischtes
Friedenfels
12.12.2016
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Nadine Schneider (rechts), Pfarrerin der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Thumsenreuth/Friedenfels, bei der Begrüßungsrede. Links Dekan Dr. Wenrich Slenczka und rechts daneben Klaus Keyser, der erste Pfarrer der Schlosskapelle. Sie gestalteten den Festgottesdienst mit. Bild: roh

30 Jahre Schlosskapelle: "Ich war der erste Pfarrer, der an diesem Lesepult stand", erinnerte der frühere Pfarrer Klaus Keyser nun beim Jubiläum. "Draußen hat es heftig geschneit. Trotzdem war die Kirche, wie heute, überfüllt. So sollte es immer sein."

Die evangelische Schlosskapelle steht unmittelbar neben der katholischen Kirche. Seit 30 Jahren ist sie feste Gottesdienststätte der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Thumsenreuth/Friedenfels. Über diesen glücklichen Umstand nach zuvor 35-jähriger "Durststrecke" zeigten sich alle Redner bei der Jubiläumsfeier hoch erfreut. Die Intrade "Tochter Zion freue dich", gespielt vom evangelischen Posaunenchor Thumsenreuth unter Leitung von Werner Klüher, kündigte den Einzug der Geistlichkeit an. "Ich freue mich, dass Sie mit uns zusammen feiern", sagte Pfarrerin Nadine Schneider. Die Schlosskapelle Friedenfels bereichere seit 30 Jahren die Gemeinde Friedenfels und die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Thumsenreuth/Friedenfels. Pfarrerin Nadine Schneider begrüßte alle, die die Schlosskapelle, in der am Samstag kein Platz frei blieb, "mit Leben und Glauben füllen". An der Feier nahmen auch Helga Freifrau von Gemmingen-Hornberg, Albrecht Freiherr von Gemmingen-Hornberg, Dekan Wenrich Slenczka, das Pfarrerehepaar Gertrud und Klaus Göpfert, der katholische Ruhestandsgeistliche Siegfried Wölfel, Monika Seidel und Manuela Schürlein vom katholischen Pfarrgemeinderat, der Friedenfelser Bürgermeister Gottfried Härtl, Uli Roth (Bürgermeister von Krummennaab), die Kirchenvorstände von Thumsenreuth und Krummennaab sowie Altbürgermeister Otmar Zeitler teil, der vor 30 Jahren seitens der Gemeinde geholfen hat, die Schlosskapelle zu verwirklichen.

Barockaltar

Dekan Dr. Wenrich Slenczka zeigte als ranghöchster Vertreter der evangelischen Kirche in seiner Einstimmung die Verbindung des Baus dieser Kapelle mit dem Weihnachtsthema der Bibel auf. Auch in Friedenfels sei nach dem Ausbau ein Stall zu einer Kirche geworden, wie damals in Bethlehem. Auffallendstes und wertvollstes Attribut ist bis heute der Barockaltar von 1724. Der sakrale Hauptraum lebt hauptsächlich von dem elegant ausgeprägten und heutzutage seltenen dreifachen Kreuztonnengewölbe, sogenannten Böhmischen Kappen. "Gott kommt in unsere Mitte, in die Schlosskapelle, um uns zu verzeihen. Er ist trotz unserer Sünden gnädig", so der Dekan. "Wem haben wir diesen schönen Umstand, diesen religiösen Mittelpunkt zu verdanken?", fragte am Ende die Pfarrerin der Kirchengemeinde, Nadine Schneider. "Liebe Helga Freifrau von Gemmingen-Hornberg, wir sind stolz, dass Sie und Ihr verstorbener Ehemann Wolf-Dieter Freiherr von Gemmingen-Hornberg vor 30 Jahren die Initiative ergriffen und den Stall in diese wohlklingende und schöne Kapelle umgebaut haben. Dafür und für alles, wie Umbaukosten, Orgel, Glockenturm mit Glocke, das Sie uns in den vergangenen 30 Jahren an Unterstützung haben zukommen lassen, sind wir Ihnen sehr dankbar." Ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk sei die Verlängerung des Mietvertrags gewesen.

Ökumene leben

Helga Freifrau von Gemmingen-Hornberg erinnerte in ihrer Rede an viele schöne Gottesdienste. "Zum anschließenden Empfang lade ich Sie herzlich ein." Glückwünsche zum Jubiläum überbrachte auch Bürgermeister Gottfried Härtl. Er griff das Thema Einheit der beiden Konfessionen auf. "Wir erleben, dass uns viel verbindet und nur noch wenig trennt." Härtl übergab ein Geschenk und wünschte viele engagierte Mitchristen. "Organist Helmut Steiner, der seit fast 60 Jahren den Dienst an der Orgel versieht, ist heute leider verhindert", bedauerte Nadine Pfarrerin Schneider. Ruhestandspfarrer Siegfried Wölfel vertrat die katholische Kirchengemeinde Friedenfels. Er freute sich über das Wiedersehen mit seinem evangelischen Kollegen Göpfert und Dekan Slenczka, mit denen er in Weiden schöne ökumenische Gottesdienste gefeiert habe. Im Einklang mit dem Papst bat er: "Betet, dass die Herde eins wird." Er beschwor die Einheit der Kirchen.

930 Gottesdienste"Tut mir auf, die schöne Pforte": Die festliche Atmosphäre für den Gottesdienst schuf der evangelische Posaunenchor mit feierlicher, aber auch freudiger Kirchenmusik. Christine Schlenk aus Mitterteich begleitete die singenden Gläubigen an der Orgel bis zum Segen. Ute Wildenauer las das Evangelium. Das Glaubensbekenntnis wurde mit dem Lied "Die Himmel erzählen die Ehre Gottes" betont. Der frühere Pfarrer Klaus Keyser hielt die Festpredigt. Er dankte noch einmal der Familie von Gemmingen-Hornberg für die großartige Unterstützung. Keyser untermauerte in seinem Rückblick die Bedeutung der Kapelle für das aktive kirchliche Leben: 930 Gottesdienste haben verschiedene Pfarrer gehalten. "Das ist eine gewaltige Anzahl." Pfarrer kämen und gingen, die Kirchengemeinde bleibe. "Gott sorgt dafür!" Mit Verweis auf die Bibel sagte Keyser: "Jesus gestern, heute und in Ewigkeit. Gottes Mathematik ist anders als die Prognosen von Menschen. Negativtrends können wir umkehren." Für 2017 empfahl er, dem Glauben Nahrung zu geben, die Bibel einmal ganz zu lesen. Dazu seien täglich nur dreieinhalb Seiten notwendig. (roh)
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