Vortrag bei Jahreshauptversammlung des Naturparks Steinwald
Moore auch Hochwasserschutz

Moore zählen zu den bedeutendsten Lebensräumen. Rund 10 000 Jahre lang konnten sie sich nach der letzten Eiszeit ungestört entwickeln, bevor der Mensch begann, sie zu entwässern. Für den interessanten Vortrag bei der Jahreshauptversammlung des Naturparks Steinwald dankte Vorsitzender Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg (links) Referent Michael Winterholler (rechts) mit einem Buch. Bild: bsc
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Friedenfels
11.04.2018
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Moore, wie hier bei Friedenfels, beherbergen zahlreiche, oft seltene Tier- und Pflanzenarten. Auch das heimische Rehwild fühlt sich da wohl. Bild: Grüner

Die Verantwortlichen des Naturparks Steinwald sind auf dem richtigen Weg. Michael Winterholler vom Bayerischen Landesamt für Umwelt ermutigt die Akteure um Vorsitzenden Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg, die Arbeit engagiert fortzuführen.

Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg und Geschäftsführer Ernst Tippmann freuten sich über den Besuch des fachkundigen Referenten in der Jahreshauptversammlung des Naturparks Steinwald. Im gut gefüllten Saal der "Schlossschänke" machte Michael Winterholler auch mit Blick auf den Naturpark Steinwald deutlich: "Mooren kommt eine wesentliche Bedeutung im Natur-, Klima-, Boden- und Gewässerschutz zu." Die Zusammenhänge beleuchtete der Referent ausführlich und ergänzte sie mit Beispielen gelungener Renaturierung im Steinwald.

Die Besucher erfuhren, dass Niedermoore durch nährstoffreiches Grundwasser gespeist werden, Hochmoore dagegen durch Regenwasser. Abgestorbene Pflanzenteile, insbesondere Torfmoose bilden im Laufe vieler Jahre die Torfschicht. Sie wächst pro Jahr um etwa einen Millimeter. In Bayern gibt es Moore mit einer Mächtigkeit von über zehn Metern, wusste der Referent. "Man kann sich leicht ausrechnen, wie lange die Natur daran gearbeitet hat. Weitaus weniger Zeit brauchte der Mensch, um zu zerstören, was sich seit der letzten Eiszeit vor gut 10 000 Jahren gebildet hatte." Zwischen dem 18. und 20. Jahrhundert wurden Moore in großem Stil entwässert. Um Torf für Gartenbau und Verbrennung zu gewinnen, aber vor allem um die Flächen land- und forstwirtschaftlich nutzen zu können. Lob zollte Winterholler dem Naturpark: "Wo es möglich ist, versucht der Naturpark Steinwald mit anderen Akteuren wie Staatsforst und Kommunen, die Entwicklung rückgängig zu machen. An den Lebensraum Moor haben sich viele Tier- und Pflanzenarten angepasst. Manche leben nur dort, viele sind erheblich bedroht, wie etwa die Arktische Smaragdlibelle. Moore haben jedoch auch eine ausgleichende Wirkung auf den Wasserhaushalt." Torfmoose seien in der Lage, ein Vielfaches ihres Gewichtes an Wasser aufzunehmen, erläuterte Winterholler und fuhr fort: "Je nach Zu- oder Abfluss quellen oder schrumpfen die Moore." Das kann Hochwasser ein wenig dämpfen, denn der natürliche Wasserrückhalt hilft, die Abflüsse bei Starkregen zu "vergleichmäßigen". Was den Klimaschutz betrifft, sei es so, dass die Entwässerung der Moore in Deutschland ähnlich hohe Treibhausgas-Emissionen verursache wie der Luftverkehr. Trockengelegte Moore setzten nicht nur Kohlendioxid frei, sondern auch Lachgas - mit erheblichen Auswirkungen auf die Klimaerwärmung. "Moore sind Kohlenstoffsenken", erklärte der Referent. Moorböden speichern Treibhausgase durch den Vorgang der Photosynthese beim Pflanzenwachstum. Die Rechnung ist relativ einfach: Ein Hektar renaturiertes Hochmoor kompensiert den jährlichen Kohlendioxid-Ausstoß von bis zu fünf Mittelklasse-Autos, so der Referent. "Wasser rauf und CO2 runter" könnte daher das Motto lauten für die Zukunft der Nutzung von Mooren. In der Renaturierungspraxis werden je nach Situation mit leichterem oder schwerem Gerät Entwässerungs-Gräben verschlossen. Das sieht zunächst wüst aus, wie im Vortrag bildlich zu sehen war, doch nach kurzer Zeit komme die Natur zurück. "Es dauert nicht lange, dann ist eine moortypische Pflanzendecke über die Baustelle gewachsen", berichtete Winterholler. Interessante Beispiele hatte er aus dem Rosenheimer Becken parat: Wenige Kilometer westlich von Raubling wurden auf über 100 Hektar die Entwässerung dicht gemacht und das Gelände modelliert. Auch auf bereits vorhandene seltene Tiere wurde Rücksicht genommen. Exkursionen in die Moorgebiete sind erwünscht und ein Infozentrum lädt dazu ein. Auch der eingeschlagene Weg des Naturparks sei der richtige, meinte der Experte und dankte für die Einladung. Vorsitzender Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg überreichte abschließend ein Geschenk und freute sich über die klaren Aussagen durch den Referenten vom Bayerischen Landesamt für Umwelt. (Ein weiterer Bericht über die Jahreshauptversammlung des Naturparks Steinwald folgt)

Moore haben eine ausgleichende Wirkung auf den Wasserhaushalt.Michael Winterholler
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