18.10.2017 - 20:10 Uhr
FuchsmühlOberpfalz

Werner Schmidbauer mit Überraschungsgast im "Gwäxhaus" Solo-Tour zu zweit

Eine der spannendsten Fragen ist für Werner Schmidbauer, ob er auch ohne seinen kongenialen Partner Martin Kälberer die Säle und Hallen füllen kann. In Güttern schafft er das ganz locker.

Liedermacher Werner Schmidbauer (rechts) holte beim Solo-Auftritt im "Gwäxhaus" zu einigen Stücken seinen Sohn Valentin mit auf die Bühne.
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Güttern. Schon zum vierten Mal steht Werner Schmidbauer an diesem Sonntagabend im "Gwäxhaus" der Gärtnerei Schinner auf der Bühne. Die Besucher kommen auch diesmal in Scharen. Rund 350 sind es am Ende, die das Programm "Bei mir" sehen wollen. Organisator und Gärtnereichef Hans-Joachim Schinner, der für den Auftritt sein Gewächshaus räumen ließ, strahlt über das ganze Gesicht.

Dies ist eines der ersten Konzerte von Schmidbauer ohne seinen kongenialen Soundzauberer. 22 Jahre waren sie gemeinsam unterwegs, um dann auf dem Höhepunkt ihres Schaffens eine Auszeit zu nehmen. "Das hatten wir immer so vor", verrät Schmidbauer. Wenige Stunden vor dem Konzert saß er in Nürnberg mit Martin Kälberer beim Mittagessen beisammen. Das ergab sich so, weil zufällig beide am gleichen Abend einen Auftritt in der Oberpfalz hatten: Schmidbauer in Güttern und Kälberer im "Leeren Beutel" in Regensburg. "Manchmal schaue ich noch nach rechts und denke mir, wo ist Martin Kälberer?", gesteht Schmidbauer.

Doch ganz solo ist der Liedermacher auch diesmal nicht unterwegs. Der junge Mann, der noch in der Pause am "Standl" die CDs verkauft hat, taucht im zweiten Teil des Programms als Überraschungsgast auf der Bühne auf und greift zur zweiten Gitarre. Es ist Schmidbauers Sohn Valentin, der mittlerweile in Berlin lebt, wie der Papa Liedermacher ist, den Vater auf der Tournee begleitet und auch einige Stücke solo zum Besten gibt.

Nicht nur deswegen ist das neue Programm von Werner Schmidbauer ungemein persönlich eingefärbt. Schmidbauer hat nach einem Jahr selbst verordneter Bühnenauszeit und einer ausgedehnten Reise durch Südeuropa nun Lieder im Gepäck, die er lange nicht mehr oder gar noch nie live auf der Bühne gesungen hat, weil sie ihm zu persönlich erschienen oder irgendwie nie gepasst haben. Oder weil sie ihm einfach aus dem Sinn geraten waren. Kann schon mal passieren, schließlich sind im Laufe der Jahre etwa 130 Songs zusammengekommen.

Da ist zum Beispiel das für die Tochter komponierte Lied "Anna sing" oder die Hymne für den Vater "Dei Liacht". Schmidbauer singt von der "allerersten Freundin" und seiner ersten Frau. Natürlich gibt es auch bekannte Titel wie "Momentn-sammler", die Hymne auf Freiheitskämpfer Nelson Mandela (eine der Zugaben) sowie die "Zeit der Deppen", ein Song, der nach dem Attentat vom 11. September 2001 entstanden ist und durch Wahlergebnisse wie dem von Donald Trump plötzlich wieder ungeahnte Aktualität hat. Werner Schmidbauer hat den Song mit seinem Sohn Valentin überarbeitet und neu aufgelegt.

Schmidbauer würzt seine Lieder in bester Blues-Musiker-Tradition mit vielen Geschichten und Erzählungen. Da sind die barfuß geführten Männergespräche im knöcheltiefen Wasser der Mangfall beim Song "Aufgebn werd am Schluss" oder die von Pippo Pollina während einer Fleischpflanzerl-Kochpause im Tonstudio auf Brezenpapier gekritzelte Zusatzstrophe für "Des Lebn". Oder die Story vom Besuch bei den "nackerten und wamperten Saunagästen" in Bad Wiessee, der zum fluchtartigen Verlassen der Sauna und zum Song "Mei, geht's uns heit wieder schlecht" geführt hat.

In jeder Minute des über zweistündigen Konzerts wird deutlich, dass Schmidbauer die ungewöhnliche Location in dem kleinen Ortsteil von Fuchsmühl mag: "Hier ist es genauso menschlich wie professionell", lobt Schmidbauer das Team. Da nimmt er gerne in Kauf, dass sich in der Gewächshaus-Atmosphäre die Gitarren schneller als sonst verstimmen und er ständig nachjustieren muss. "Ich seh' schon die Überschriften in der Zeitung: ein ,stimmungsvoller' Abend", nimmt der Songwriter das gelassen.

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