12.07.2017 - 19:14 Uhr
FuchsmühlOberpfalz

Bergungstrupp greift Reporter an - Regierung: Spedition für Havarie verantwortlich Schwere Transporter-Jungs [Aktualisierung]

Damit hatte unser Berichterstatter nicht gerechnet: Als Werner Robl die zwei havarierten Schwertransporter bei Fuchsmühl fotografieren will, stürmen drei schwere Jungs auf ihn zu. "Szenen wie in Hamburg", fällt ihm ein.

Seit Freitagnacht blockieren die herrenlosen Schwertransporter die Straße: Die Freiwillige Feuerwehr Fuchsmühl kann erst am Sonntag eine Umleitung einrichten. Bild: Robl
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Das große Rätselraten geht weiter. Auch fünf Tage nach der schwerwiegenden Panne einer Spedition aus Baden-Württemberg - spezialisiert auf Schwer- und Sondertransporte wie Reaktorteile - kann niemand Auskunft geben, warum der Konvoi einen Abschnitt der A93 bei Mitterteich umfahren wollte. Die zwei 5,20 Meter breiten, 34,5 Meter langen und etwa 200 Tonnen schweren Ungetüme verließen in Fuchsmühl die Staatsstraße - trotz Verbotsschilder für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen. Auch der Genehmigungsbescheid gibt keine Auskunft über die Gründe für die ungewöhnliche Route.

Da weder die betroffenen Gemeinden noch das Landratsamt über die Streckenführung informiert waren, versuchte die Regierung der Oberpfalz Licht ins Dunkel der Route zu bekommen. Aber auch Pressesprecher Markus Roth musste eingestehen, dass man noch keine "gesicherten Erkenntnisse" habe. Fest steht indes: Nachdem am Dienstag ein Bergungsfahrzeug mit Kennzeichen aus Baden-Württemberg die Schwertransporter aus ihrer misslichen Lage bei der Mitterharlohmühle befreite, wurde der Konvoi zuletzt am Mittwochnachmittag auf der Autobahnraststelle Waldnaabtal gesichtet.

Richtung Tschechien

Die unwirsche Info aus der Unternehmenszentrale: "Es geht Richtung Tschechien." Wohin genau und was man geladen habe, gehe keinem etwas an. Die Informationspolitik der Firma entspricht zwar nicht gerade der Selbstbeschreibung auf der eigenen Homepage - "steht für eine offene und kooperative Presse- und Öffentlichkeitsarbeit" - dafür aber dem Verhalten der mutmaßlichen Mitarbeiter vor Ort. Als Reporter Robl am Dienstag vor 18 Uhr bei der mittlerweile gesperrten Straße eintrifft und die Kamera zückt, begrüßt ihn ein Empfangskomitee der etwas anderen Art: "Drei Männer in Arbeitskleidung offenbar von der Firma kommen auf mich zu, schreien aggressiv rum."

Robl verzieht sich ins Auto, verriegelt es: "Ein Bergungsfahrzeug nähert sich von hinten, blockiert mich Stoßstange an Stoßstange - ein kräftiger Mann drischt vorne aufs Auto ein." Robls Frau sei "kaasweiß" geworden: "Fahr' weg", habe sie ihn gebeten. Der Berichterstatter lässt den Motor an, gibt im Leerlauf Gas. "Das Aufheulen hat den Typen vorne erschreckt, er ist einen Meter zurückgewichen." Robl nützt den Überraschungsmoment, ergreift die Flucht.

Aggression und Blockade scheint Teil der Firmenkultur der Spedition zu sein. Schon zuvor hatte der Fuchsmühler versucht, Informationen einzuholen: "Recht viel mehr als geschriene Drohungen war nicht zu rauszubekommen." Konfrontiert mit den Vorwürfen des freien Journalisten ging das Unternehmen auf Tauchstation. Immerhin ist das verstörende Verhalten des Bergungsteams nicht das einzige Vergehen, zu dem man sich äußern sollte.

Gefahrenpotenzial

"Nach der Straßenverkehrsordnung ist immer abzusichern, wenn es ein Gefahrenpotenzial gibt", erklärt Markus Ulrich, 2. Kommandant der Fuchsmühler Feuerwehr, "das war an dieser unübersichtlichen Stelle gegeben". Die zwei Monstertrucks hatten die Straße seit der Nacht auf Samstag komplett versperrt. "Es gab kein Warndreieck", moniert Ulrich."

Als die Feuerwehr am Sonntagnachmittag, 14.41 Uhr, über die Einsatzleitzentrale Weiden alarmiert wurde, stand der ungesicherte Konvoi schon den zweiten Tag. "Wir haben eine Straßensperre errichtet und den Bauhof mit einer Umleitung beauftragt."

Ortsbegehung

Bei einer Ortsbegehung am Mittwoch äußerte sich auch Bürgermeister Wolfgang Braun: Die Kosten für den Feuerwehr- und den Wochenend-Einsatz seiner Mitarbeiter und den Aufwand des gemeindlichen Bauhofs werde man der Spedition in Rechnung stellen. Den Zustand der kleinen Brücke, die einer der 200-Tonner überquert hatte, könne man noch nicht bewerten.

Aktualisierung: Regierung hält Spedition für verantwortlich

Eine kleine Abweichung vom Standardverfahren räumt die Regierung der Oberpfalz im Fall der zwei bei Fuchsmühl gestrandeten Schwertransporter ein: Nachdem die Spedition aus Baden-Württemberg eine Transporterlaubnis bei der Stadt Friedrichshafen beantragte habe – inklusive Pechbrunner Weg in Fuchsmühl – und die Regierung der Oberpfalz dazu gehört worden sei, habe diese „im weiteren Verfahren zwar die Autobahndirektionen und die Staatlichen Bauämter, nicht aber das für die Gemeindestraße zuständige Landratsamt Tirschenreuth angehört“. Dennoch seien alle für die Verkehrssicherheit notwendigen Auflagen erfüllt.
„Es ist nicht Zweck der Erlaubnis, für den Unternehmer eine Strecke auszuwählen, die er dann bedenkenlos benutzen kann.“ Pressesprecher Markus Roth betont, dass in den zugestellten Bescheiden die gesetzliche Pflicht stehe, selbst zu prüfen, ob die Strecke für den Transport geeignet ist. „Bei 7500 Anhörungen im Jahr ist das ein Massengeschäft“, sagt Roth. „Aber so etwas ist noch nie vorgekommen. Weshalb das Unternehmen die für 200 Tonnen schwere Transporter völlig ungeeignete Strecke gewählt hat, bleibt weiter unklar. Die Spedition hüllt sich in Schweigen.

Ein Bergungsfahrzeug nähert sich von hinten, blockiert mich Stoßstange an Stoßstange - ein kräftiger Mann drischt vorne aufs Auto ein.Berichterstatter Werner Robl

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