Das "eDorf" soll 2018 in Echtzeitbetrieb gehen
„Tante Emma“ wird mobil

Viele Hände machen schnell ein Ende: Damit es schneller geht, legt auch ein Bürgermeister beim Einräumen der Lebensmittelregale schon mal Hand an. Dankbar nehmen Natascha Drlicek (links) und Melanie Rudhoff Wolfgang Brauns Angebot zur Mithilfe an. Bild: wro
Vermischtes
Fuchsmühl
20.12.2016
1310
0
 
Dreh- und Angelpunkt des künftigen eDorfes wird das Fuchsmühler Markthaus unweit der Wallfahrtskirche sein. Bild: wro

Supermärkte mit lukrativen Angeboten, Bäcker um die Ecke oder ein Metzger des Vertrauens - auf dem flachen Land meist Fehlanzeige. Das "eDorf" soll nun Abhilfe schaffen. Und wie?

"Künftig fahren wir mit einem mobilen Dorfladen hinaus aufs Land." Bürgermeister Wolfgang Braun meint damit das neue, vom Freistaat Bayern gefördert Projekt, das in strukturschwachen Regionen eingesetzt werden soll. Dieses nordbayerische Zukunftsmodell sieht den Fuchsmühler Dorfladen als Dreh- und Angelpunkt. Mit Hilfe neuartiger Informations- und Kommunikationstechnologien soll die Attraktivität ländlicher Regionen nachhaltig gesteigert werden.

"Die Gemeinden im Landkreis spüren den demografischen Wandel ganz besonders." Um dem Problem entgegenzuwirken, haben sich bereits vor zwölf Jahren 15 Gemeinden zur "Steinwald-Allianz" zusammengeschlossen. Von Beginn an unterstützt auch vom Amt für ländliche Entwicklung. Wolfgang Braun beschreibt die Öko-Modellregion Steinwald als ein Großprojekt. "Im Netzwerk von rund 50 Biobetrieben arbeiten derzeit 12 landwirtschaftliche Direktvermarkter, ergänzt durch 6 Bioläden." Als einen bereits umgesetzten Schritt bezeichnet er die regionale Rindfleischvermarktung und die Etablierung des Regionalproduktes "Bio-Burger."

Das "eDorf" steckt zwar noch in den Kinderschuhen, soll so rasch wie möglich umgesetzt werden. "2018 wollen wir mit dem ,Echtzeitbetrieb' loslegen", wagt Braun einen kurzen Ausblick. "Als Zusatzangebot kann ich mir neben der Versorgung mit Lebensmitteln später auch einmal ein ergänzendes Angebot an Gesundheitsprodukten wie zum Beispiel Medikamenten vorstellen." Dass ältere Leute, mit den wichtigen Dingen gut versorgt, vielleicht auch länger zu Hause in ihrer vertrauten Umgebung leben können, erfüllt ihn mit Zufriedenheit. Dass dem Markthaus und dem Dorfladen als künftige Schaltzentrale und wichtigen Umschlagplatz eine besondere Bedeutung zukommen wird, sogar mit besonderem Stolz.

Digitale Plattform

Herzstück bei der Koordination und Steuerung eines noch zu schaffenden "mobilen Bauernmarktes" aber ist eine digitale Plattform, die jedoch noch entwickelt werden muss. "Innovativ ist auch die angestrebte Vernetzung mit mindestens einem Geldinstitut." Ein wichtiges Ziel sei es auch, dort die Möglichkeiten zum Ein- und Auszahlen von Bargeld zu schaffen. Die von den Geldinstituten bereits gewonnenen Erfahrungen sollen dort mit einfließen und auf die Bedürfnisse der Allianz-Gemeinden angepasst werden.

Freilich seien auch gewisse Risiken zu erwarten. "Zunächst muss das Interesse der Bevölkerung gestärkt, die Akzeptanz geweckt werden." Erst während der Aufbau- bzw. der Versuchsphase werde sich zeigen, ob das Modell auch wirtschaftlich arbeiten, ob man die Kundenwünsche auch befriedigen könne. Abwarten müsse man auch die Frage, ob entsprechende Werbepartner gewonnen werden können.

Trotz aller Vorbehalte: Braun wertet das 150 000 Euro teure und mit 70 Prozent geförderte "eDorf" als eine Chance. "Diese wollen und müssen wir auch nutzen", Braun verweist dabei auch auf die Steinwald-Gemeinden, die den Stein gemeinsam ins Rollen gebracht haben. Ausblickend baue man dabei auch auf die Unterstützung der Bevölkerung: "Das kann dann schon funktionieren."

Mobiler DorfladenDas (noch anzuschaffende) Fahrzeug fährt an fünf Tagen in der Woche unterschiedliche Touren in der Steinwald-Allianz, hält zu festen Zeitpunkten an insgesamt rund 50 Verkaufsstellen in Ortsteilen ohne eigene Versorgungsstruktur. Im Fahrzeug befinden sich ein Grundsortiment an Waren des täglichen Bedarfs, dazu bereits auch vorbereitete Kisten mit Waren, die über eine App (eine Art digitaler Warenkorb) von Kunden Tage zuvor angefordert werden können. Die Bestellungen müssen bis zum Vortag (bis 9 Uhr) eingegangen sein. Als Start-Up sollen interessierten Bürgern 50 einfach zu programmierende Endgeräte (Tabletts) zur Verfügung gestellt werden. Auch eine telefonische Bestellung ist möglich. Angefahren werden nicht nur die Produzenten landwirtschaftlicher Erzeugnisse, sondern auch angeschlossene Direktvermarkter. (wro)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.