26.11.2017 - 17:18 Uhr
FuchsmühlOberpfalz

Gleichgewicht zwischen Ökonomie und Ökologie das Ziel Esskastanien im Steinwald

Die Stadt Augsburg ist mit 7800 Hektar einer der größten kommunalen Waldbesitzer in Bayern. Zu ihren Forstrevieren gehören auch neun Quadratkilometer des Steinwaldes und die Bewirtschaftung des Erbendorfer Stadtwaldes. Fest im Blick haben die Verantwortlichen das Gleichgewicht zwischen Ökonomie und Ökologie.

Im Baumbestand von Revierförster Eckhard Deutschländer befinden sich auch wertvolle Exoten. Unter anderem pflanzt er Esskastanien. Bild: sdr
von Sofie DreßlerProfil

Fuchsmühl/Erbendorf. In einem kompakten Block zieht sich der Hauptbestand von Güttern bis Herzogöd. Der Grund für die ungewöhnlichen Eigentumsverhältnisse: Der Reichsfiskus unter Adolf Hitler kaufte 1937 für rund 600 000 Reichsmark zunächst 93 Hektar des Deuringer Waldes in der Nähe der Stadt Augsburg. Auf dem Gebiet entstand ein Truppenübungsplatz. Das Schlossgut Fuchsmühl fand sich als geeigneter Ersatz. "Der Reichsfiskus setzte Freiherrn von Zoller das Messer auf die Brust. Der verschuldete Baron musste sein Gebiet abgeben. Die Augsburger machten mit den 905 Hektar ein Schnäppchen. Für die Ablöse erwirtschafteten sie fast das Zehnfache der ursprünglichen Waldfläche. Die vorhandene Rechtholzbelastung lösten die Augsburger geschickt mit landwirtschaftlicher Fläche bei den Fuchsmühler Bauern ab. Bis dahin war es den örtlichen Einwohnern erlaubt, 1550 Ster Holz pro Jahr aus dem Wald zu holen", weiß Förster Eckhard Deutschländer. Vor Ort kümmert er sich um das Revier. Mit seiner Familie bewohnt er das zugehörige Forsthaus. Zwei Waldarbeiter greifen ihm bei seiner Arbeit unter die Arme. Bei der Pflege setzt er vor allem auf Nachhaltigkeit und ein Gleichgewicht zwischen Ökonomie und Ökologie. Lukrativ sei dabei immer noch die Fichte. Sie lasse sich gut an die Bauindustrie verkaufen. Doch dabei gibt es ein Problem: "Die Fichte verreckt uns. Sie ist windwurfgefährdet und der Borkenkäfer rasiert viele Holzbestände weg", gibt Deutschländer Einblick in seine Arbeit. Auch der Klimawandel sei ein wichtiges Thema. "Die Schwankungen der Durchschnittstemperaturen um ein paar Grad im Jahr sind weniger ein Problem. Die Bäume packen die kurzen Phasen von extremen Witterungen nicht", weiß der Experte. Als Förster müsse er langfristig über 120 bis 160 Jahre denken. Fehler, die er jetzt mache, könnten nicht wie in der Landwirtschaft im nächsten Jahr korrigiert werden, sondern würden sich viele Jahrzehnte später auswirken. Deshalb hat er seine persönliche "Fruchtfolge" genau im Blick. Auch Exoten aus dem Mittelmeerraum finden sich in seinen Beständen im Steinwald.

Viele einheimische Baumarten seien durch eingeschleppte Pilze und Schädlinge aus dem Ausland in Gefahr. Die Esche werde derzeit vom "Japanischen falschen Stängelbecher" in ganz Deutschland ausradiert. "Baumarten aus den südlichen Klimazonen können mit den stärker werdenden Hitzeperioden im Sommer umgehen und sind wirtschaftlich wertvoll." Das "Urwaldsystem Buche" alleine lasse sich leider nur schlecht verkaufen. "Ein vielfältiger Mix mit einer Beteiligung von wertschöpfenden Baumarten" sei deshalb sein Ziel.

Walderlebnispfad

Den Lebensraum Wald macht Deutschländer auch für die örtliche Bevölkerung als Kulturgut attraktiv. Auf dem Walderlebnispfad erklären liebevoll gestaltete Stationen Alt und Jung das Ökosystem Wald. Ein Spaziergang bei sonnigem Wetter bietet den Waldbesuchern viele neue Eindrücke in die heimische Artenvielfalt. Mit offenen Augen lassen sich dabei auch Edelkastanien zwischen den bekannten Gehölzen finden. "So sehen die Maronen aus, die viele auf dem Weihnachtsmarkt so gerne essen", erklärt der Förster.

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