Kolumne: OTon
Ich packe meinen Koffer…

Da geht noch was: Irgendwo im Koffer haben auch Bücher Platz. Foto: dpa (Foto: dpa)
Vermischtes
Gebenbach
01.12.2016
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... und packe ein: fünf Hosen, drei Paar Schuhe, Sportsachen, Laptop, eine zweite Handtasche und Dinge, von denen ich weiß, dass ich sie sowieso nicht brauche. Egal. Da ist noch eine Lücke zwischen Kulturbeutel und einem Handtuch-Set? Perfekt. Dann passt noch eine zweite Haarbürste rein.

„Willst du drei Wochen in den Urlaub?“, fragt eine Freundin, als ich den Koffer die Treppe hinaufschleppe. Nein, nur fünf Tage in eine andere Stadt. Was für mich keinen Unterschied macht, passieren kann in den paar Tagen genauso viel. Vielleicht gibt es im Hotel – obwohl es auf der Homepage steht – keinen Föhn, deshalb muss mein eigener mit. Oder es regnet, ein vorbeifahrendes Auto spritzt mich nass und ich brauche eine andere Hose. Und weil ich beim Essen manchmal ungeschickt bin, nehme ich lieber noch eine mit. Ersatz für den Ersatz.

Nur bringen Jeans nichts, wenn man keine passenden Schuhe dabei hat. Deshalb müssen zwei zusätzliche Paar mit. Wahrscheinlich ziehe ich die in den fünf Tagen sowieso nicht an. Aber ich könnte, wenn ich wollte. Nur will der Koffer nicht. Dass er zu voll ist, müsste ich daran merken, dass der Reißverschluss verdächtige Geräusche macht, wenn ich ihn zumache. Oder dass mir jemand dabei helfen muss. Oder ich zu schwitzen anfange. Aber ich denke nicht daran, irgendwas wieder auszupacken. Bisher habe ich meinen Koffer immer zu bekommen.

Schwierig wird’s sowieso erst, wenn es wieder nach Hause geht. Meine Klamotten sind dann immer voluminöser, die Schuhe größer und überhaupt der Koffer kleiner. Es hilft auch nichts, alles geschickt um ungetragene Jeans, Oberteile und noch volle Duschgel-Flaschen zu drapieren. Er geht einfach nicht zu. Wenn eine dreiviertel Stunde später immer noch zehn Zentimeter Luft zwischen Deckel und Koffer ist, gestehe ich mir ein: Das dritte Schuhpaar war zu viel. Ich schleiche los, um mir von jemandem eine Tüte zu leihen. Für die Schuhe. Nächstes Mal packe ich einfach selber eine ein. Irgendwo ist immer eine Lücke frei.

OTon Wir sind junge Mitarbeiter von Oberpfalz Medien. Im „OTon“ werden wir in losen Abständen über das berichten, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.
Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.
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