11.01.2018 - 12:06 Uhr
GebenbachOberpfalz

Kolumne: OTon Mode-Sünde oder Must-Have? 

Gucci setzt im neuen Jahr auf Bauchtaschen, Prada auf Comic-Print und Saint Laurent auf Radlerhosen. Manches kommt eben nie aus der Mode – genauso wie Unpünktlichkeit.

Bild: Arno Burgi/dpa
von Marion Espach Kontakt Profil

Während modische Trends Gott sei Dank irgendwann wieder verschwinden, hält sich letzteres hartnäckig. Ein Trend, dem ich mich manchmal auch gerne hingeben würde. Einerseits, weil es anscheinend angesagt ist, keine Zeit zu haben. Andererseits, um meine eigene Zeit anders zu verbringen, als immer auf andere zu warten. Zähle ich alle Wartezeiten meines Lebens zusammen, könnte ich bestimmt … Nein, eigentlich will ich gar nicht wissen, wie viele Stunden ich damit verschwendet habe.

Bei Verabredungen bin ich so gut wie immer als Erste da. Sogar dann, wenn ich selber zu spät dran bin. Und jedes Mal frage ich mich, warum ich mich überhaupt beeilt habe. Es kostet nur Nerven und Handy-Akku – irgendwie muss ich die Zeit ja totschlagen – auf andere zu warten. Kommt meine Verabredung endlich mit einem „Sorry, ich hab’s nicht eher geschafft“ um die Ecke gerauscht, sind oft meine Füße abgefroren oder meine Frisur vom Wind zerzaust. Und meistens habe ich auch noch ein schlechtes Gewissen.

Schaut es jetzt aus, als hätte ich nichts zu tun? Als ob mir langweilig wäre, weil ich pünktlich bin? Wirkt das so, als hätte ich zu viel Zeit? Fragen, die ich mir jedes Mal stelle, wenn ich pünktlich da bin. Klar, jeder kommt mal zu spät. Ein paar Minuten sind in Ordnung, manchmal auch zehn Minuten. Eine Verabredung aber eine halbe Stunde vor die eigentlich gewünschte Uhrzeit zu legen, damit derjenige wenigstens einigermaßen zeitig da ist, nervt. Wie aber jemand – wie kürzlich – zu spät zu seinem eigenen Geburtstag kommen kann, verstehe ich wirklich nicht.

Jedes Mal nehme ich mir vor, in Zukunft auch zu spät zu kommen – was ich nie schaffe. Nicht, weil ich zu Hause sitze und dem Moment einer Verabredung entgegenfiebere. Aber ich weiß, wie nervig es ist, warten zu müssen. Unpünktlichkeit liegt mir eben nicht. Ein Trend, den niemand braucht. Dann doch lieber Radlerhose und Bauchtasche.

OTon

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. Im „OTon“ werden wir in losen Abständen über das berichten, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen. Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.

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