12.08.2014 - 00:00 Uhr
GeorgenbergOberpfalz

Carmen und Siegfried Wittmann kämpfen seit über einem Jahr mit merkwürdigen Eon-Rechnungen Ehepaar steht unter Strom

Carmen und Siegfried Wittmann aus dem Georgenberger Ortsteil Waldheim trauten ihren Augen nicht, als ihnen im April eine geänderte Stromrechnung ins Haus flatterte. Statt eines Abschlags von etwa 55 Euro monatlich, den sie stets pünktlich überwiesen hatten, sollten sie künftig 658 Euro zahlen - für Erdgeschoss und Keller ihres Zweifamilienhauses.

Carmen und Siegfried Wittmann sind verzweifelt. Erst bekamen sie von der Eon eine Nachzahlungs-Aufforderung von fast 4000 Euro, nun sollen sie künftig über 600 Euro mehr Abschlag für Strom zahlen. Mittlerweile hat das Waldheimer Ehepaar einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Bild: tss
von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Denn bereits im Juli 2013 hatte das Ehepaar eine Nachzahlungs-Aufforderung von fast 4000 Euro erhalten - bis heute ohne Begründung von der Eon. Auf Anfragen hatte der Anbieter nicht reagiert und stattdessen nach mehreren Mahnungen mit der "Einstellung der Energieversorgung" am Mittwoch gedroht.

"Wir wissen nicht mehr, was wir tun sollen und wie es weitergeht. Das kostet viel Nerven", ist Carmen Wittmann verzweifelt. Am Montag haben die beiden Rechtsanwalt Maximilian Huber in Vohenstrauß eingeschaltet. Er hat unter anderem einen Brief an die Eon verfasst, da "es nicht plausibel ist, woher die Forderung kommt. Das ist vollkommen utopisch."

Ein Eon-Schreiben vom 9. April ist an Hohn und Zynismus kaum zu überbieten. "Wir korrigieren Ihre Jahresrechnung", heißt es darin. Und weiter: "Die mit Ihnen vereinbarten Konditionen hatten wir in Ihrer Rechnung leider nicht korrekt zugrunde gelegt. Bitte entschuldigen Sie. Wir haben dies nun berichtigt."

Stromzähler defekt

Zugrunde liegt offenbar ein Stromverbrauch von über 12 400 Kilowattstunden zwischen 11. Oktober 2012 und 17. September 2013. "Das kann nicht stimmen", sagen die Betroffenen. Im Erdgeschoss wohnt Siegfried Wittmanns pflegebedürftige Mutter, im ersten Stock das Ehepaar. "Selbst wenn wir alle elektrischen Geräte im Haus laufen lassen würden, kämen wir nicht auf so einen Verbrauch." Zu allem Überfluss ging Anfang 2014 der Stromzähler im Erdgeschoss kaputt. Ein Monteur des Bayernwerks erzeugte beim Austausch auch noch einen Kurzschluss, der das Messgerät komplett zerstörte. Sämtliche Daten gingen verloren. Nach einiger Konversation war für das Bayernwerk der Fall aber erledigt, berichtet Wittmann. "Seit der Namensänderung in Bayernwerk ist der Wurm drin", ergänzt seine Frau.

"Wie das Bayernwerk als Netzbetreiber den Zählerstand ermittelt hat, der für die Forderungen ausschlaggebend ist, entzieht sich unserer Kenntnis", erklärt Verena Huber von der Eon-Pressestelle in München. Da der Zähler im November 2011 schon einmal gewechselt worden war, gab es für 2012 anscheinend keine Rechnung. Nach diesem Austausch hat das Gerät aber "offenbar nur den Hochtarif aufgezeichnet", räumt Bayernwerk-Pressesprecher Maximilian Zängl ein.

Drei neue Rechnungen

Nach einer sogenannten Defektumrechnung hat das Bayernwerk Ende Mai 2014 der Eon dann die korrekten Zahlen übermittelt. Nun bekommt das Ehepaar Wittmann drei neue Rechnungen für Oktober 2011 bis Oktober 2013 über insgesamt rund 2154 Euro Nachzahlung. "Da können wir dann auch eine Ratenzahlung vereinbaren. Die 658 Euro Abschlag haben sich jedenfalls erledigt, auch der Strom wird nicht abgestellt", versichert Huber.

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