21.02.2018 - 13:42 Uhr
Georgenberg

Interview mit Georgenbergs Altbürgermeister Albert Kick Ortskerne vernünftig gestalten

Viele Gemeinden haben seit Jahren Probleme mit leerstehenden Häusern und verwaisten Ortskernen. Die Lösungen erfordern von den Verantwortlichen viel Zeit und Geduld. Am Wochenende gibt es nun ein kommunalpolitisches Seminar zu dem Thema.

Diese Gebäude im Raum Georgenberg sind exzellente Beispiele für das Leerstands-Problem. Die Hammermühle ist eine der letzten Mühlen im Zottbachtal. Sie steht zwar unter Denkmalschutz, aber seit 30 Jahren nun auch schon leer. Das Bauwerk verfällt außerdem immer mehr, weil die Erben sich die Sanierung, die vermutlich mindestens 600 000 Euro kosten würde, nicht leisten können. Die Zuschüsse vom Landesamt für Denkmalpflege sind zu gering.
von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

Altbürgermeister Albert Kick leitet den Lehrgang der Hanns-Seidel-Stiftung. Auf die Problematik hat ihn der Waldthurner Rathauschef Josef Beimler aufmerksam gemacht, verrät er vor dem Interview mit Oberpfalz-Medien.

Warum stehen in so vielen Gemeinden so viele Häuser leer und wo gibt es besonders markante Fälle?

Albert Kick: Waldthurn, Pleystein und Eslarn sind in der Gegend markante Fälle, die ich kenne. Sie sind typische, kleinere Gemeinden mit einer geschlossenen Ortskern-Struktur, in denen Häuser oder Geschäfte leerstehen. Aber ihre Besitzer investieren oft nicht, sondern bauen stattdessen lieber auf der grünen Wiese ein neues Haus.

Wie können Gesellschaft und Politiker das Leerstandsproblem in den Griff kriegen?

Es müsste einfach mehr Geld geben. Eventuell, und das sage ich jetzt bewusst ganz vorsichtig, müsste auch der Denkmalschutz mit seinen strengen Vorschriften ein wenig zurückstehen.

Was ist Ihrer Meinung nach in Sachen Ortskern-Revitalisierung zu tun?

Es muss zumindest gelingen, leerstehende Häuser wieder einer Nutzung zuzuführen, als Wohngebäude, Geschäft oder andere Einrichtung. Wenn das jedoch nicht funktionieren sollte, dann sollte man - wenn möglich - abreißen und an der Stelle etwas Neues bauen.

Welche Konzepte und Lösungen gibt es?

Für die Dorferneuerung gibt es mehr Geld, hat mir Bürgermeister Beimler gesagt. Das wäre eventuell eine Lösung, oder auch der Städtebau. Darüber hinaus ist auch ein gewisses Gespür dafür nötig, was man dann macht und wie man es macht.

Welche Rolle spielt die demografische Entwicklung bei dem Thema?

Die Leute sterben, ihre Häuser stehen dann leer. Die jungen Leute gehen weg, besonders im ländlichen Raum müssen wir da aufpassen. Die Landkreise Neustadt und Tirschenreuth müssen versuchen, dieser Entwicklung entgegenzuwirken, und durch die Schaffung von Arbeitsplätzen junge Menschen hier halten.

Der Neubau von heute ist ein potenzieller Leerstand von morgen. Trotz aller Projekte, Maßnahmen und Expertenmeinungen in Sachen verwaister Ortskerne weisen viele Kommunen weiterhin fleißig Neubaugebiete aus. Warum?

Ich sehe das mit gemischten Gefühlen und will dazu eigentlich nichts weiter sagen. Nur soviel: Der Flächenverbrauch wird sicher ein heißes Eisen werden. Fläche ist nicht vermehrbar, man kann sie nur nutzen. Und ob die Altbausanierung in Ortskernen einmal wichtiger ist, müssen Gemeinderäte entscheiden. Hier muss aber auch ein Umdenken in der Bevölkerung einsetzen. Die Politik kann das allein nicht lösen, sie kann die Köpfe nicht verändern.

Welche Anreize muss der Staat geben, um die Renovierung eines Altbaus attraktiver zu machen?

Wie gesagt, mehr Geld. Wichtig ist auch eine bessere und vernünftige Beratung.

Es geht ja aber nicht nur um Leerstände oder Altbau-Sanierung. Baulücken in Zentren zu schließen, ist ebenfalls ein Weg, um Ortskerne wiederzubeleben. Wie stehen hier die Chancen und gibt es eventuell auch Probleme?

Wenn es eine gute Beratung gibt, dann können die Leute überzeugt werden, eine Baulücke zu schließen. Ein Problem ist aber: Oft kauft jemand einen Bauplatz und unternimmt dann nichts weiter. Damit ist in Sachen Baulücken niemandem geholfen.

Umdenken lernen, Überzeugungsarbeit leisten: Was ist hier die Hauptaufgabe in den kommenden Jahren?

Eine vernünftige Ortskerngestaltung ermöglichen. Das ist ja das Problem. In Georgenberg sind zum Beispiel alle leerstehenden Häuser verkauft und werden hergerichtet.

Leerstandsmanagement, Baulückenproblematik und Handlungsstrategien

Die Hanns-Seidel-Stiftung greift das Leerstands-Thema auf und veranstaltet am Samstag, 24. Februar, von 10 bis 16 Uhr im Hotel Igel in Baumgarten bei Püchersreuth ein kommunalpolitisches Tagesseminar. Das Thema lautet "Fit für die Kommunalpolitik - Ortskern-Revitalisierung". Referenten sind Landtagsabgeordneter Tobias Reiß und der beim Bayerischen Gemeindetag in München als Referatsleiter tätige Politologe Matthias Simon. Am Vormittag geht es um Leerstandsmanagement und Baulückenproblematik, am Nachmittag um Instrumente und gemeindliche Handlungsstrategien. In den Kosten von 10 Euro ist das Mittagessen enthalten. Seminarleiter ist der Georgenberger Altbürgermeister Albert Kick. Anmeldungen sind bei ihm unter der Telefonnummer 09658/315, unter der Faxnummer 09658/91116, oder per E-Mail an kick-georgenberg[at]gmx[dot]de immer noch möglich. (pi)

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Weitere Informationen:

www.hss.de

Hier muss ein Umdenken in der Bevölkerung einsetzen. Die Politik kann das allein nicht lösen, sie kann die Köpfe nicht verändern.Georgenbergs Altbürgermeister Albert Kick

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