Ehemaliger Feuerwehrkommandant sorgt sich um Brandschutz
Kämpfer für Stützpunktwehr

Rupert Herrmann wohnt im Georgenberger Ortsteil Faislbach. An seinem Gartenhäuschen hat er eine Behelfsausrüstung installiert, im Brandfall kann er schnell helfen. Statt fünf einzelner Feuerwehren schwebt ihm für die Gemeinde eine Stützpunktwehr vor, dafür betreibt er Überzeugungsarbeit. Bild: tss
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Georgenberg
11.04.2018
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Gemeinden sind gesetzlich zu Brandschutz und technischer Hilfeleistung verpflichtet. Vielerorts gibt es jedoch mehrere Feuerwehren, aber die Zahl der Aktiven sinkt. Das Thema beschäftigt den ehemaligen Georgenberger Kommandanten Rupert Herrmann schon seit Jahren.

Am Beispiel der Grenzgemeinde, die sich seit der Gebietsreform 1971 fünf Feuerwehren leistet, verdeutlicht der 66-Jährige seine Ideen. "Ich will nicht kritisieren, sondern Fehler eingestehen und zu mehr Zusammenhalt anregen", betont er. Bisher hat jede der fünf Feuerwehren ihr eigenes Gerätehaus und ihre eigenen Einsatzfahrzeuge. 2014 wurde in Georgenberg das Feuerwehrhaus für 100 000 Euro generalsaniert. In Brünst soll heuer für 350 000 Euro ein neues Gebäude gebaut werden, die Neudorfer wollen an ihres anbauen. Die drei Ortsteile liegen nur einen bis drei Kilometer voneinander entfernt.

"Zusätzliche Investitionen in weitere Feuerwehrhäuser und dergleichen sind in Zukunft ein purer Wahnsinn", findet Herrmann. Er war von 1980 bis 1998 Kommandant. Anfang der 1980er Jahre gab es in jeder Wehr etwa 40 Aktive, heute sind es ungefähr nur noch die Hälfte. Bei Einsätzen tagsüber schätzt er, dass wegen Berufstätigkeit auswärts oder wechselnder Schichtarbeit "keine unserer fünf Ortsfeuerwehren eine Mindesteinsatzstärke erreicht" und höchstens jeweils zwei bis drei Personen ausrücken könnten.

Laut Feuerwehrgesetz ist die Kommune für Aufstellung, Ausrüstung und Unterhaltung der gemeindlichen Feuerwehren zuständig, erklärt Herrmann. "Aber die Ortsfeuerwehren steuerten, bedingt durch ihre Feuerwehrvereine mit ihren indirekt gewählten Feuerwehr-Gemeinderäten, den bisherigen sehr teuren und auch bedenklichen, fast unwirksamen Brandschutz in Georgenberg", findet er.

"Daher blieb bisher eigentlich nichts anderes übrig, als alles, was die Wehren sich gewünscht hatten, einfach zu bezahlen. Zu meinem eigenen Bedauern muss ich auch zugeben: Zu solchen eigenartigen gemeinschaftlichen Machenschaften habe auch ich mich in der Vergangenheit mit hinreißen lassen. Vor etwa 20 Jahren versuchte ich, etwas gegenzusteuern, dies ist mir leider nicht gelungen. Deshalb sollten die Verantwortlichen mit allen Feuerwehrbeteiligten eine kommunale oder auch eine interkommunale Zusammenarbeit anstreben."

Leistungsfähig sein

Herrmann schwebt eine Stützpunktwehr für den gesamten Gemeindebereich Georgenberg vor. "Das würde, wenn man das in Angriff nimmt, bestimmt einige Jahre dauern. Aber dann hätten wir auch eine schlagkräftigere Truppe. Wir müssen leistungsfähig sein, personell und gerätetechnisch", findet er.

Weiterer Vorteil dieses Konzepts sei es, Kosten zu sparen. Das Geld könnte dann anderweitig investiert werden, zum Beispiel in moderne Ausrüstung oder vorbeugenden Brandschutz. Allerdings brenne es sowieso nicht mehr so oft wie früher, Einsatzschwerpunkte seien heutzutage vermehrt Unfälle.

Hilfsfrist ein Knackpunkt

Ein weiterer Knackpunkt ist die verbindlich festgesetzte Hilfsfrist von zehn Minuten, innerhalb der die Einsatzkräfte vor Ort sein müssen. "Aber beim besten Willen, bei uns auf dem Land kann diese Frist überhaupt nicht eingehalten werden", weiß Herrmann. Daher sollte noch in jedem ehemaligen Feuerwehr-Standort eine Brandschutzgruppe erhalten bleiben und mit einer Behelfsausrüstung einsatzfähig bleiben, schlägt der 66-Jährige vor.

Analog der Helfer vor Ort könnten solche Trupps "Feuerwehrhelfer vor Ort" heißen. Dazu könnten auch rüstige Rentner gehören. Die könnten, vorausgesetzt bei den 150 Hydranten im Gemeindebereich wären entsprechende Löschvorrichtungen installiert, bis zum Eintreffen der Feuerwehrleute Schlimmeres verhindern.

Unabhängig davon sollten die Feuerwehrvereine in ihrer bisherigen Form erhalten bleiben, betont er. Denn die sind wichtig für die Nachwuchsarbeit. Allerdings müssen die Verantwortlichen den Jugendlichen ein attraktives Programm bieten. "Man muss die Jugend herausfordern, Jugendliche müssen wieder stolz sein, in der Feuerwehr zu sein." Von Kindergruppen, wie es sie seit kurzem auch in Pleystein gibt, hält Herrmann jedoch nicht viel. "Das haben Leute eingefädelt, die von der Praxis keine Ahnung haben. Mehr als Feuerwehrunterricht darf man ja dann nicht machen. Und wenn es keine Veranstaltungen für sie gibt, dann springen die Kinder wieder ab."

Mit seinem Anliegen hat sich Herrmann an Bürger, Gemeinderäte, Bürgermeister Johann Maurer, Verwaltung, Landratsamt, die Regierung der Oberpfalz und den Landesfeuerwehrverband gewendet. "Alle Stellen haben mich bisher abgewiesen und auch nicht beachtet." Infokasten

Zusätzliche Investitionen in weitere Feuerwehrhäuser und dergleichen sind in Zukunft ein purer Wahnsinn.Rupert Herrmann


Das sagen Bürgermeister und Landratsamt"Wenn ich die Geburtenzahlen ansehe, dann geht es bergab mit den Aktiven", sagt Georgenbergs Bürgermeister Johann Maurer. Daher wollten die Feuerwehren Neuenhammer und Georgenberg schon fusionieren. Das Landratsamt hatte jedoch ein Veto eingelegt, weil die Hilfsfrist von zehn Minuten für bestimmte Ortsteile dann nicht mehr gewährleistet gewesen wäre, erklärt der Rathauschef. Eine Stützpunktwehr, wie sie Rupert Herrmann vorschlägt, ist für Maurer "problematisch, weil alle ihren Stolz haben". Immerhin absolvieren die Neuenhammerer regelmäßig Übungen mit den Georgenbergern. Außerdem helfen die Wehren aus Waldthurn und Pleystein in vielen Fällen. Und eine Helfer-vor-Ort-Truppe sei "Sache der Feuerwehr-Oberen". An diesem Donnerstag besucht der Gemeinderat die Integrierte Leitstelle in Weiden, eventuell ergeben sich daraus neue Aspekte. "Für das Feuerwehrwesen ist nicht das Landratsamt, sondern die Gemeinde zuständig", verweist Pressesprecherin Claudia Prößl auf Artikel 1 des Bayerischen Feuerwehrgesetzes. "Trotzdem haben wir versucht, zu vermitteln, und es haben in den letzten drei bis vier Jahren immer wieder Gespräche mit Herrn Herrmann im Landratsamt stattgefunden." Landrat Andreas Meier sei in dieser Sache schon vor längerer Zeit in Georgenberg bei einem Runden Tisch mit Bürgermeister Maurer und Feuerwehr gewesen. Außerdem habe es mehrere Gespräche zwischen der Gemeinde, dem Rathauschef, den örtlichen Feuerwehren sowie Kreisbrandrat Richard Meier mit Herrmann gegeben, informiert Prößl. Der 66-Jährige sei "aber immer noch nicht zufrieden" gewesen und habe sich mit sehr umfangreichen E-Mails und Schreiben auch an die Regierung der Oberpfalz und den Landesfeuerwehrverband gewendet. Die Regierung habe Herrmann ebenfalls an die zuständige Kommune verwiesen. Reaktionen vom Landesfeuerwehrverband sind dem Landratsamt nicht bekannt. (tss)


Ich will nicht kritisieren, sondern Fehler eingestehen und zu mehr Zusammenhalt anregen.Rupert Herrmann
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