Raiffeisenbank in der Gemeinde Georgenberg nach 120 Jahren Geschichte
Bankgeschäfte in der Küche

Die Geschäftsstelle der Raiffeisenbank Neustadt-Vohenstrauß im Georgenberger Rathaus ist am Freitag zum letzten Mal geöffnet. Auch Bürgermeister Johann Maurer bedauert die Schließung. Bild: pi
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Georgenberg
29.12.2016
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Eine Ära geht zu Ende: Die Raiffeisenbank Neustadt-Vohenstrauß schließt am Freitag ihre Geschäftsstelle im Georgenberger Rathaus.

(pi) "Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen", betonen die Direktoren Karl Völkl (Vorsitzender des Vorstands), Robert Stahl und Werner Bäumler. Sie weisen aber darauf hin, "dass die Raiffeisenbank ihre Geschäftsstelle in Pleystein komplett ausgebaut und modernisiert hat, um dort auch den Georgenberger Kunden an fünf Tagen pro Woche eine zeitgemäße und hochwertige Erledigung ihrer Bankgeschäfte zu ermöglichen".

120 Jahre waren es im Juli dieses Jahres, seit die Raiffeisenbank im Ortsteil Neuenhammer ein fester Bestandteil war. Die Gründungsversammlung mit 28 Männern fand auf Initiative des damaligen Lehrers Anton Simson am 19. Juli 1896 im Gasthaus Gmeiner, dem heutigen "Hammerwirt", statt. "Darlehenskassenverein Neuenhammer und Umgebung e.G.m.u.H." lautete die Bezeichnung.

Die ersten Vorstandsmitglieder waren Albert Weig als Vorsitzender, Johann Frischholz als dessen Stellvertreter sowie Johann Gmeiner, Josef Prem und Karl Pöllmann. Im Aufsichtsrat vertreten waren Joseph Herrmann (Vorsitzender), Johann Götz (Stellvertreter), Johann Plödt, Georg Herold, Andreas Prem, Johann Waldhier, Johann Völkl, Joseph Altenöder und Gregor Gößl. Als Rechner führte Anton Simson bis 1923 die Geschäfte. Nach Georg Hartwich (1923 bis 1925) war bis 1976 die Familie Schmidt untrennbar mit der Raiffeisenbank verbunden: Alfred Schmidt (1925 bis 1954) und anschließend sein Sohn Rudolf Schmidt (bis 1976).

Kleine Zahlstelle in Böhmen

Die Bankgeschäfte wurden am Anfang im Wohnzimmer oder in der Küche der Familie Schmid meistens am Sonntag nach dem Gottesdienst erledigt. 1929 bezog die Bank die ein Jahr zuvor genehmigte Lagerhalle. Da in Neuenhammer kein Gleisanschluss vorhanden war, mussten die Waren mit dem Pferdefuhrwerk vom Bahnhof in Pleystein abgeholt werden. Während des Zweiten Weltkriegs handelte die Genossenschaft auch teilweise mit den Landwirten aus den angrenzenden Ortschaften im benachbarten Böhmen.

So wird erzählt, dass auf der böhmischen Seite von Waldheim eine kleine Zahlstelle eingerichtet war. Dazu war die Institution neben Dreschmaschinen schon mit einem Bulldog "25-er Lanz" und mit einer von einem Benzinmotor ausgestatteten Dreschmaschine ausgestattet. Für die Arbeiten mit den Geräten war überwiegend der langjährige Vorstand, Aufsichtsrat und Mitarbeiter Johann Frischholz, zuständig.

Um 1940 ging der Neubau des Stadels einschließlich der Viehwaage zwischen dem Lagerhaus und Feuerwehrhaus über die Bühne. Für die Errichtung eines eigenen Bankgebäudes erwarb die Raiffeisenkasse 1953 ein Grundstück. Der Beschluss für den Bank- und Lagerhausbau erfolgte in der Generalversammlung am 3. Januar 1954. Bereits ein Jahr später übergab der damalige Bayerische Raiffeisen-Verbandspräsident Michael Horlacher das neue Haus seiner Bestimmung.

Darin wickelten die Mitarbeiter sowohl die Geldgeschäfte als auch den Handel mit Dünger, Futtermitteln, Getreide und Brennstoffen ab. 1966 nahm die Bank den Baustoffhandel dazu. Aufgrund der guten Entwicklung beschlossen die Verantwortlichen 1979 den Um- und Erweiterungsbau, der am 19. September 1980 fertig war.

Eine Institution

In Georgenberg selbst erfolgte der "Startschuss" 1968, zuerst noch unter der selbstständigen Raiffeisenbank Neuenhammer in einer Zahlstelle und späteren Geschäftsstelle im Wohnhaus der Familie Holfelder. Auch hier entwickelte sich die Bank positiv, so dass die Räume nicht mehr ausreichten. Im Rahmen des Um- und Erweiterungsbau des Rathauses fand das Geldhaus ein zeitgemäßes neues Domizil, dessen Einweihung am 29. Juni 1990 war.

Als "Raiffeisenbank-Institution" gilt Max Baierl. Der Pleysteiner führte rund 30 Jahre die Geschäfte in den Zweigstellen Georgenberg und Neuenhammer - das Gebäude wurde nach der Schließung 2006 verkauft - und genießt inzwischen den Ruhestand. In seine Fußstapfen war Matthias Plödt getreten.
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