Georgenberger Landwirt und Altbürgermeister Albert Kick blickt zurück
Milchbauer von Herzen

Mit dem Georgenberger Altbürgermeister Albert Kick kann man über Gott, die Welt und nicht zuletzt die Landwirtschaft sprechen. Bild: ck
Wirtschaft
Georgenberg
02.12.2016
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Als junger Mann erlebte Albert Kick Kampfabstimmungen, wenn es um die Nachfolge von Vereinsvorsitzenden ging. Diese Zeiten sind längst vorbei. Der 69-jährige Faislbacher kann von Glück reden, wenn er nach 35 Jahren als Ortsobmann des Bayerischen Bauernverbands eine junge Person findet, die in seine Fußstapfen tritt.

Der Blick zurück fällt dem Altbürgermeister und engagierten Landwirt nicht schwer. Unterhält man sich mit ihm über die Landwirtschaft, legt er sehr sachlich die Daten und Fakten der vergangenen 50 Jahre auf den Tisch. In seinen Worten schwingen aber auch Wehmut und Stolz mit: "Ich bin Landwirt geworden, weil der Hof halt da war und ich ihn übernehmen musste. Aber ich war von Herzen Milchbauer."

Wie in vielen anderen Bereichen trieben marktwirtschaftliche Kräfte die Landwirtschaft seit den 60-er Jahren rasant voran. Größer, schneller, effizienter lautete die Devise, der Tausende Höfe in den vergangenen Jahrzehnten zum Opfer fielen. Kick hat dazu eine klare Meinung: "Ich bedauere den Strukturwandel, kritisiere ihn aber nicht." Zur Versammlung seines BBV-Ortsverbandes in Neuenhammer, in der er vor kurzem sein Amt in die Hände des 21-jährigen Thomas Loy gab, kamen von über 70 Mitgliedern gerade mal 8. Auf den Bauernverband sieht der ehemalige Kreisrat harte Zeiten zukommen: "Wenn die Leute einmal die Vorteile, die sie durch den Verband haben, verlieren, wird ein enormer Mitgliederschwund einsetzen."

"Vor 50 Jahren lernte ich auf der Landvolkshochschule, dass 20 Hektar und 15 Kühe für den Vollerwerb reichen. Das hat aber bereits 1968 schon nicht mehr gegolten. Der Mansholt-Plan sah vor, dass man mindestens 30 Hektar und 25 Kühe brauche. Das hat damals einen Riesenwirbel gegeben im Bauernverband und in den Zuchtverbänden. Alle waren dagegen und haben diesen Plan zerlegt", erzählt Kick. "Umgesetzt wurde er schon, allerdings in viel größeren Dimensionen."

Der Anfang vom Ende

Ab den 70-er Jahren standen die Bauern vor der Entscheidung, entweder zu expandieren oder sich nebenbei eine Arbeit zu suchen. "Meistens hieß das dann: Die Frau macht den Hof, der Mann geht in die Arbeit und hilft abends in der Landwirtschaft." Mit der Milchkontingentierung 1984 durften die Erzeuger dann nicht mehr so große Mengen abliefern. "Das war für viele der Anfang vom Ende", meint der Faislbacher.

Vor fünf Jahren horchte Kick auf, als bei einem Landwirtschaftsseminar verkündet wurde, nur wer 100 Hektar Land und 100 Kühe besitze, könne überleben. "Die Landwirte in Nord- und Ostdeutschland haben uns bei diesen Zahlen ausgelacht. Dort haben die bäuerlichen Betriebe mittlerweile 350 Hektar." Immer mehr Kühe liefern immer größere Milchmengen. Die Tiere sind auf Hochleistung getrimmt. Es gebe Kühe mit Spitzenwerten von 12 000 Litern. Der Stalldurchschnitt liege bei 8500 Litern. Auch die Betriebsgrößen ufern aus. Bei Neumarkt stehe ein Monstrum von einem Stall, der fast 600 Kühen Platz bietet. Kick: "Da kann man doch nicht mehr von einem bäuerlichen Betrieb sprechen."

Seine Sachlichkeit verliert der engagierte Mann kurzzeitig, wenn man ihn auf den BDM (Bundesverband Deutscher Milchviehhalter) anspricht, von dem er sich weit mehr versprochen hatte. Der Verband habe sich zum Beispiel mit dem Haberfeldtreiben gegen den damaligen BBV-Präsidenten Gerd Sonnleitner komplett daneben benommen. "Wir haben wieder einen niedrigen Milchpreis. Und vom BDM hört man nichts. Die haben rein gar nichts erreicht." Die Lebensmittelketten würden den Preis bestimmen, "aber denen mache ich keinen Vorwurf."

Der 69-Jährige schätzt, dass bis zum Jahr 2025 rund um Georgenberg nur mehr ein Vollerwerbslandwirt übrig bleiben werde. "Alle anderen machen es dann im Zuerwerb", so seine Prognose. Probleme werden seiner Meinung nach ab 2020 auch diejenigen Betriebe bekommen, die auf den Bioenergie-Zug aufgesprungen sind. Sollte die staatliche Förderung eines Tages wegfallen, werde für die Biogas-Bauern die Luft dünn werden.

Kick suchte für sich als Landwirt das Heil im Zuerwerb durch eine freiberufliche Tätigkeit. Als Ortswaisenrat und Mitglied im Jugendwohlfahrtsausschuss des Landkreises kam im Juni 1975 der Jugendamtsleiter auf ihn zu, er möge die Vormundschaft für einen Erwachsenen übernehmen. Erst 1996 entstand aus diesem Ehrenamt seine berufliche Tätigkeit als Betreuer, die er bis heute ausübt. Er regelt die Amtsgeschäfte von alten oder psychisch kranken Menschen. Aber auch auf diesem Feld will Kick kürzertreten.

Mehr Zeit für Heimatpflege

Mehr Zeit hat er dann für seine große Leidenschaft. Als Heimatpfleger des Oberpfälzer Waldvereins ist er ein Hüter der Historie des Grenzlandes. Auf seinen Geschichtswanderungen im Nachbarland kommt den Teilnehmern Kicks Liebe zu Zahlen, Daten und Fakten zugute. Die Verbundenheit zur Heimat und zur Natur wird sich der Landwirt auch im beruflichen Ruhestand bewahren.

Mansholt-PlanDer Mansholt-Plan war ein Konzept für die Gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, das der damalige Agrarkommissar und Vizepräsident der Kommission Sicco Mansholt im Jahr 1968 präsentierte. Der Plan sah umfassende Rationalisierungsmaßnahmen in der europäischen Landwirtschaft, die Bildung größerer Wirtschaftseinheiten und die schrittweise Einstellung sämtlicher Subventionen vor. Heftige Widerstände seitens der europäischen Regierungen und der Bauernverbände führten dazu, dass der Mansholt-Plan in seiner ursprünglichen Form nicht umgesetzt wurde.

Allerdings kann der Mansholt-Plan als Vorläufer späterer Reformmaßnahmen (zum Beispiel Agenda 2000) verstanden werden, die ebenfalls darauf abzielten, das marktwirtschaftliche Element in der europäischen Agrarpolitik zu stärken.
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