15-Jähriger greift nach den Sternen
Startklar für ferne Galaxien

"Ich will nicht cool sein", sagt Max Pretzl. Lieber würde der 15-Jährige einen neuen Kometen entdecken. Mit dem Teleskop und der selbst gebauten Sternwarte hinterm Haus hat er dafür bald beste Voraussetzungen. Bilder: Bugl (3)
Vermischtes
Gleiritsch
29.09.2017
727
0
 
Mutter Sandra Zinkl staunt über den Wissensvorsprung von Sohn Max: "Manches muss er mir dreimal erklären."

Nächtelang schaut Max Pretzl in den Himmel. Nicht einmal dann, wenn es zweistellige Minusgrade hat und der Tee in der Thermoskanne längst kalt ist, verlässt er seinen Platz am Teleskop. Jetzt erfüllt sich der 15-Jährige einen Traum, der das Sterngucken ein weniger komfortabler macht.

-Bernhof. Mit 15 Jahren ist der Schüler aus Bernhof (Gemeinde Gleiritsch) vermutlich bald der jüngste Besitzer einer privaten Sternwarte. Gleich hinter dem Haus seiner Familie stehen seit Juli die Fundamente für das Gebäude, in das der begeisterte Hobby-Astronom viel Geld und Arbeit investiert. Hier soll sein Teleskop einen festen Platz bekommen - vor allem aber ein Dach, das man ganz schnell beiseite schieben kann. Die Balken-Konstruktion steht bereits, vor einer Woche war Richtfest. Im Schuppen nebenan lagern die Bretter für die Verschalung, daneben das Trapezblech fürs Dach.

"Glücklicherweise haben wir viele handwerklich Begabte in der Familie", erzählt der Jugendliche und strahlt, wenn er die 3 mal 3,5 Meter große Pflasterfläche im Rasen umrundet. "Die Kollegen von den großen Sternwarten beneiden mich um den guten Himmel hier", weiß der junge Mann. Anders als in städtischer Umgebung hält sich hier auf dem Dorf die Lichtverschmutzung in Grenzen.

Preis bei "Jugend forscht"

Knapp vier Jahre ist es her, dass Max Pretzl sein erstes Teleskop bekommen hat. Seither zieht es ihn in jeder freien Minute zu dem Instrument, mit dem er Krater für Krater auf dem Mond bestaunt, Planeten verfolgt oder die Aktivität von Sonnenflecken analysiert. Letzteres hat ihm im vergangenen Jahr bei "Jugend forscht" den Sonderpreis des Lions-Clubs eingebracht.

Doch seinen Enthusiasmus fürs Weltall teilt nicht jeder. "In der Klasse bin ich mit diesem Hobby nicht gerade der beliebteste", räumt der Schüler des Oberviechtacher Ortenburg-Gymnasiums ein. Anders sehen das die Lehrer. "Die sind begeistert über ein freiwilliges Referat zum Thema Astronomie." "Einen Großteil seiner Freizeit verbringt er hinter dem Objektiv", ergänzt seine Mutter Sandra Zinkl. "Er hatte schon als kleiner Bub einen Blick für Naturphänomene", berichtet sie. "Wenn wir beim Skifahren oben auf dem Berg standen, wollte er vor der Abfahrt das Panorama genießen."

"Sternwarten-Kasse"

Angefangen hat alles mit einem Planeten-Puzzle, das als Mobile noch immer im Zimmer des 15-Jährigen hängt. Seither haben die Himmelskörper ihre Anziehungskraft auf den jungen Forscher erst so richtig entfaltet, auf das erste Teleskop folgte ein neueres Modell, das sich auch über Computer steuern lässt. "Das geht schneller, man will ja auch ein wenig Luxus haben", sagt der Hobby-Astronom. An Weihnachten hat er extra eine "Sternwarten-Kasse" eröffnet, in die seither Geldgeschenke und das komplette Taschengeld fließen.

Ist beim Blick auf die immer gleichen Planeten auf Dauer nicht Langweile vorprogrammiert? Max Pretzl schüttelt den Kopf: "Zu jeder Jahreszeit gibt es etwas anderes. Momentan sieht man die Ringe des Saturn mit ein paar Monden, zum Beispiel den Titan, das ist der größte und hellste." Außerdem gebe es jedes Jahr andere Phänomene zu bestaunen. Nur im Spezialgebiet "Sonne" herrscht augenblicklich "wenig Aktivität". "Das ist so ein Zyklus, der sich über elf Jahre erstreckt, momentan ist da nur ein Minimum an Bewegung", weiß der Fachmann. Klar kennt er auch die Gefahr, die so ein Blick in die Sonne birgt. "Ohne Sonnenfilter kann man beim Blick durchs Teleskop innerhalb von zwei Sekunden blind sein, das brennt ein richtiges Loch in die Netzhaut."

Vollmond als "Feind"

Mit der Ausrüstung im Okular-Koffer kann Max Pretzl 400 Mal so gut sehen wie das menschliche Auge. "Maximal ginge das 800-Fache, aber das ist dann schon verschwommen", erläutert der Hobby-Astronom. Nur bei wolkigem Himmel hilft gar nichts. Und noch eine Konstellation mögen Sterngucker überhaupt nicht. "Der Vollmond ist unser Feind, der ist viel zu hell", stellt der 15-Jährige klar, der sich so richtig wohl fühlt, wenn er mit den älteren Kollegen in der Dieterskirchener Sternwarte diskutieren kann. Im Juli erst hat Max an der Sternwarte in München ein Praktikum absolviert und zum Thema Sternentstehung selbst eine Fachtagung gestaltet, im Mai war er bei "Airbus" in Manching. Urlaub macht er mit seiner Familie im "Sternendorf" im Südtiroler Eggental. Mit Hilfe der Patentante ist er aber auch schon bis Cape Canaveral vorgedrungen.

"Jeder leistet einen Beitrag dazu, damit er sein Hobby leben darf", berichtet die Mutter. Wenn es nach Max Pretzl geht, wird aus dem Faible bald ein Beruf. Sein Ziel: Luft- und Raumfahrttechnik studieren. Sein Berufswunsch: Astronaut. Dafür hat er nicht nur in die Sterne geschaut, sondern auch schon 1000 Flugstunden auf dem Simulator hinter sich.

Tipps für SternguckerFür Max Pretzl kommt jetzt erst die beste Zeit für den Blick auf die Sterne. "Im Winter ist der Himmel am klarsten", weiß er und hat dafür auch die wissenschaftliche Erklärung parat: "Im Sommer ist der Boden warm, diese warme Luft steigt dann auf. Das bewirkt, dass horizontnahe Objekte funkeln, weil das Licht bricht, sie sind dann nur verzerrt zu sehen." Wer dagegen senkrecht nach oben schaut, kann einen genaueren Blick erhaschen. Der ideale Zeitpunkt ist für den jungen Experten um Mitternacht, "wenn der Himmel ausgekühlt ist". Außerdem: je größer das Teleskop, desto besser. "Bei einem größeren Durchmesser kann mehr Licht einfallen, da kann man dann auch dunkle Gasnebel sehen, die weit weg sind." Aktuell gut zu beobachten ist laut Max Pretzl die Venus, und zwar ab etwa 4 Uhr morgens, und zwar im Osten. Und noch einen Tipp hat der 15-Jährige für Sterngucker auf Lager: "Warm anziehen und viel Zeit mitbringen." (bl)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.