Pfarrgemeinderatswahlen
Katholiken haben die Wahl

Von den Modalitäten wie der Urne, den Stimmzetteln oder dem Auszählungsverfahren her unterscheidet sich eine Pfarrgemeinderatswahl nicht groß von einer politischen Wahl. Bild: Peter Kneffel/dpa
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Grafenwiesen
15.02.2018
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Katholische Christen dürfen am Sonntag, 25. Februar, ihre Vertreter in den Pfarreien wählen - die Mitglieder des Pfarrgemeinderates. Die Kandidatenlisten stehen schon, sie sind aber nicht überall in der gewünschten Weise voll geworden.

Grafenwöhr/Pressath. (esc/ll) Laut Wahlordnung des Bistums Regensburg beträgt die Zahl der direkt zu wählenden Mitglieder des Pfarrgemeinderates bei bis zu 1000 wahlberechtigten Katholiken mindestens 6 und höchstens 10, bei 1001 bis zu 3000 wahlberechtigten Katholiken mindestens 10, höchstens 12, ab 3001 wahlberechtigten Katholiken und in Pfarreiengemeinschaften mindestens 12, höchstens 20. Die Wahlordnung des Erzbistums Bamberg gibt vor, dass in Pfarreien bis zu 1000 Gemeindeangehörigen 6 Mitglieder des Pfarrgemeinderats zu wählen sind. Bei bis zu 3000 sind es 9 zu Wählende, bei bis zu 6000 12 und in größeren Gemeinden 15 Räte.

Die Kandidatenliste soll laut Wahlordnung "wenigstens eineinhalb Mal so viele Kandidaten enthalten, wie zu wählen sind. Wurden weniger Kandidaten vorgeschlagen, ergänzt der Wahlausschuss möglichst auf diese Zahl". Die Urnenwahl ist am Samstag/Sonntag, 24./25. Februar. Briefwahl ist ebenfalls möglich.

Zu wenige Kandidaten

In Neuzirkendorf, das zum Erzbistum Bamberg gehört, gibt es dabei eine Besonderheit: Da sich weniger Kandidaten zur Verfügung gestellt haben, als Mitglieder ins Gremium zu wählen sind, muss die Wahl nach dem "Verfahren bei zu geringer Kandidatenzahl" erfolgen. Das heißt laut Wahlordnung des Erzbistums Bamberg: "Gewählt ist, wer mindestens so viele Stimmen auf sich vereinigen kann, wie 50 Prozent der Zahl der abgegebenen gültigen Stimmzettel plus eine Stimme betragen." Ergänzend gilt: "Erhält ein Kandidat nicht die nötigen Stimmen, so bleibt der Sitz während einer Wahlperiode vakant."

Auch in Eschenbach haben sich weniger Katholiken bereit erklärt, für den Pfarrgemeinderat zu kandidieren als Plätze zu besetzen sind. Sieben Mitglieder ließen sich auf die Liste setzen. In einem solchen Fall, laufe es dann auf eine "Bestätigungswahl" heraus - "das heißt, wenn nur 7 anstatt 22 potenzielle Pfarrgemeinderatsmitglieder sich zur Wahl stellen, können diese - angefangen mit einer Stimme - per Wahl bestätigt werden", wie Stefan Ahrens von der Bischöflichen Presse- und Medienabteilung des Bistums Regensburg auf Nachfrage erklärt. Und weiter: "Sollte sich in einer Pfarrei bzw. Pfarreiengemeinschaft kein einziger Kandidat finden, wird im Jahr darauf ein erneuter Anlauf gemacht."

In Grafenwöhr "haben wir gerade so viele Kandidaten, wie es Plätze gibt", erklärt Pfarrer Bernhard Müller, nämlich zwölf. Aus Erfahrung weiß er, dass die Bereitschaft, ein Ehrenamt zu übernehmen, allgemein nachgelassen hat. "Die Leute sind zwar bereit, zu helfen", weiß der Geistliche. "Sie wollen aber kein Amt mehr übernehmen." Woran das liegt, kann sich der Grafenwöhrer Pfarrer allerdings auch nicht erklären. In Kirchenthumbach stehen für die 12 Plätze 16 Kandidaten zur Wahl.

In der Pfarreiengemeinschaft Pressath-Burkhardsreuth-Schwarzenbach wählen die drei Pfarrgemeinden jeweils ein eigenes Gremium. Das hat sich laut der Pressather Pfarrgemeinderatssprecherin Renate Kneidl so bewährt. Es sei schwierig, alles auf einen Nenner zu bringen, wenn für die Pfarreiengemeinschaft ein gemeinsames Gremium gewählt werden würde. Die Zusammenarbeit zwischen den drei Pfarreien bzw. Gremien "funktioniert einwandfrei", es gebe keine Reibereien. "Mir gefällt das Amt", sagt die Pressatherin. Seit vier Amtsperioden ist sie im Pfarrgemeinderat vertreten, drei davon fungiert sie schon als Sprecherin.

"Chemie stimmt"

Dass es nicht leicht ist, genügend Leute für die Liste zusammen zu bekommen, weiß auch sie. "Bei der letzten Wahl war es schwierig. Ein Ehrenamt bringt viele Verpflichtungen mit sich, viele wollen sich nicht binden", vermutet Kneidl. "Deswegen waren wir positiv überrascht, dass wir heuer viele neue Kandidaten haben." 19 Bewerber stehen für die 15 Pfarrgemeinderatsplätze zur Wahl. "Mir gefällt das Amt, ich bin gerne für die Leute da", sagt die Pfarrgemeinderatssprecherin. Sie ist auch Lektorin und Kommunionhelferin: "Ich bin da hinein gewachsen". Im Gremium habe sie "immer gute Leute gehabt", betont sie. Und: "Das A und O ist der Chef", sagt sie mit Blick auf die gute Zusammenarbeit mit Pfarrer Edmund Prechtl.

Martin Graser ist seit 2014 Mitglied im Pressather Gremium. Die Hauptaufgabe des Pfarrgemeinderates sei es, den Pfarrer in der Seelsorge zu beraten und zu unterstützen. Er selbst ist Leiter des Öffentlichkeitsausschusses, ihm obliegt die Organisation von Festen. "Wir sind ein rühriges Team", erklärt Graser, "das funktioniert sehr gut." Auch bei der Aufstellung der Kandidaten habe es keine Probleme gegeben. Bunt gemischt sei die Bewerberschar: vom 18- bis zum 74-Jährigen quer durch alle Berufssparten. Und er bestätigt Pfarrgemeinderatssprecherin Kneidl: "Die Chemie passt zwischen Pfarrgemeinderat und Pfarrer." Hintergrund

50 Jahre im Auftrag des Herrn

Ein Ergebnis des II. Vatikanischen Konzils (1962-1965) waren die Pfarrgemeinderäte. Das Dekret über das Laienapostolat regte in den Gemeinden beratende Gremien an, die in den Bistümern dann eingeführt wurden. Der Pfarrgemeinderat setzt sich aus gewählten, berufenen und amtlichen Mitgliedern zusammen. Zu Letzteren gehören neben dem Pfarrer die weiteren Geistlichen und pastorale Mitarbeiter.

Der Rat hat die Aufgabe, in allen Fragen, die das Gemeindeleben betreffen, beratend oder beschließend mitzuwirken. Dabei sollen die Gewählten laut Vorgabe in besonderer Weise Verantwortung für das Ganze übernehmen: Sie sagen zu pastoralen Themen und Entwicklungen ihre Meinung, führen die Dienste der Einzelnen wie auch der Gruppen zusammen und "entdecken und fordern die verschiedenen Charismen, die bei den Gläubigen vorhanden sind. Ferner fragen sie nach den aktuellen Herausforderungen für die Pfarrgemeinde in der Gesellschaft."

"Das Apostolat der Laien ist Teilnahme an der Heilssendung der Kirche selbst. Dazu werden alle vom Herrn selbst durch Taufe und Firmung bestellt." So hat das II. Vatikanische Konzil die Zielsetzung beschrieben. Dabei haben nach seiner Weisung Priester und Laien auf ihre je eigene Weise Anteil am großen Auftrag. "Denn das Apostolat der Laien, das in deren christlicher Berufung selbst seinen Ursprung hat, kann in der Kirche niemals fehlen. Wie spontan und fruchtbar dieses Wirken in der Frühzeit der Kirche war, zeigt klar die Heilige Schrift selbst", befand das Konzil.

Mindestalter: 14 und 16 Jahre

Wahlberechtigt sind alle Katholiken, die am 25. Februar das 14. Lebensjahr vollendet haben. Katholiken unter 14 sind wahlberechtigt, wenn sie die Firmung empfangen haben. Die Kandidaten müssen mindestens 16 Jahre alt und gefirmt sein. (ath)
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