01.12.2017 - 20:10 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Christkinder berichten von ihren Aufgaben Zwischen Freude und Nervosität

Die Oma, der Schulleiter oder die Freundin sind schuld, dass dieser Advent für drei Mädchen besonders aufregend ist: Carlotta, Johanna und Annalena stellen die Christkinder von Grafenwöhr, Kemnath und Kirchenthumbach dar. Sie erklären, was ein Christkind mitbringen muss.

Annalena Schmitt, Carlotta Sieber und Johanna Meiler (von links) posieren vor einem Christbaum.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Grafenwöhr/Kirchenthumbach/Kemnath. Für Johanna Meiler ist es "eine große Ehre", das Christkind in Kemnath darzustellen. Schon sechs Auftritte im Advent stehen in ihrem Kalender, der erste war schon beim Candlelight-Shopping am Freitag. Von ihren Aufgaben als Christkinder berichten neben der 15-jährigen Johanna auch Annalena Schmitt (14) aus Kirchenthumbach und Carlotta Sieber (10) aus Grafenwöhr.

Was konkret in der Vorweihnachtszeit auf die Christkinder zukommt, wissen sie noch nicht genau. Was bisher klar ist: Die drei Mädchen treten bei den Weihnachtsmärkten in ihren Heimatorten auf. Diese dauern ein oder zwei Tage. Bei der Eröffnung spricht jede einen Prolog, den sie vorher auswendig lernen muss. Annalenas Rede erinnert stark an die des Nürnberger Christkindls - ist aber an einigen Stellen auf Kirchenthumbach gemünzt. Genauso ist es bei Johanna. In ihrem Prolog heißt es zum Beispiel: "Dieser Markt bleibt immer jung, solange es Kemnath gibt und die Erinnerung." Nach der Eröffnung werden die Christkinder über die Märkte schlendern, Fotos mit Kindern machen und Geschenke verteilen. Außerdem besuchen sie Weihnachtsfeiern von Vereinen oder in Seniorenheimen und begleiten den Bürgermeister zu Terminen.

Krone, Flügel, Schleppe

Vor der Eröffnung der Weihnachtsmärkte sind Johanna, Carlotta und Annalena nervös. "Ich denke, dass da alle auf mich gucken werden", sagt Carlotta. Annalena freut sich, dass sie vier Engel an ihrer Seite hat und nicht alleine vor dem Publikum stehen wird. Auch Johanna wird von Helferinnen begleitet.

Um die Auftritte gut zu meistern, sollte ein Christkind leicht "Texte auswendig lernen", findet Johanna, und "sich trauen, einen Text auswendig vor Publikum aufzusagen", sagt Carlotta. "Es sollte gut auf Menschen zu gehen können", ergänzt Annalena. "Das kann halt nicht jeder machen", meint Johanna. Bei all den Terminen, dem Lernstress und der Nervosität, sieht Elke Meiler einen positiven Nebeneffekt: Das Engagement der Mädchen komme später bei Bewerbungen gut an, findet sie.

Wie die Christkinder auf Kinder reagieren, die ihnen einen Wunschzettel zustecken, behaupten, dass ihnen nur der Weihnachtsmann Geschenke bringe, oder fragen, warum das Christkind aber von einem Mädchen dargestellt wird, wenn Jesus doch ein Junge war, können die drei Mädchen noch nicht sagen. Dazu fehlt ihnen noch die Erfahrung.

Ihren eigenen Wunschzettel hat die zehnjährige Carlotta schon vorbereitet. Die Reiterin, die noch selbst ans Christkind glaubt, wünscht sich unter anderem den Film "Ostwind 3" und Pferde-Spielsachen. Einen solchen Brief gibt es bei Annalena nicht mehr. "Ich sage das Jahr über, was ich vielleicht möchte. Oder die Verwandtschaft fragt mich direkt." Johanna werde meistens von ihren Eltern aufgefordert, einen zu schreiben, erzählt sie und lacht.

Als die Christkinder in ihre Kostüme schlüpfen, strahlen sie. Annalenas Kleid ist mit weißer Spitze verziert, darüber trägt sie einen goldenen Umhang. Zum Anziehen braucht sie etwas Hilfe von ihrer Mama Karin. Alleine kann sie den Gürtel am Rücken kaum schließen. Johannas Kostüm hat eine goldene Schleppe und Engelsflügel. Carlotta trägt eine weiße Kutte mit goldenen Streifen an der Seite. Der Vorteil ihres Kostüms: Es ist weit genug, um eine Winterjacke darunter zu tragen. Die Mädels wollen sich zudem mit Strumpfhosen, Leggins, Skiunterwäsche und weißen Reiterhosen warm halten. Auf dem Kopf tragen alle drei eine goldene Krone.

Haare flechten

Blonde Haare zu haben, sei für ein Christkind kein Muss. Dennoch haben Johanna, Annalena und Carlotta die passende Haarfarbe und können auf eine Perücke verzichten. Trotzdem wollen die Mädchen bei ihren Auftritten fesch sein. Damit die Haare so schön gewellt sind wie bei ihrem Vorbild, dem Nürnberger Christkind, wird die 15-jährige Realschülerin sie am Abend zuvor in sechs Zöpfe flechten. "Wir haben schon alles ausprobiert", berichtet Mama Elke. Vom Afro-Look nach unzählig vielen Zöpfen bis zu leicht gewellten Haaren war schon alles dabei.

Annalena hat frisur-technisch schon Erfahrung als Faschingsprinzessin. Doch was zuvor mit dem Lockenstab in Form gedreht gut aussah, wollte vor dem Besuch bei Oberpfalz-Medien nicht recht gelingen: Die blonde Mähne ist kaum gelockt. Zufrieden scheint die 14-jährige Gymnasiastin nicht zu sein. Carlotta lässt gleich Profis ran und will sich vom Friseur stylen lassen.

Viele Fahrdienste

Nicht nur die Christkinder sind in der Adventszeit eingespannter als sonst. Auch ihre Mütter sind im Stress. "Ab dem 11. Dezember gibt es keinen Tag mehr, an dem wir zuhause sind", sagt Annalenas Mama Karin Schmitt. "Für mich wird es stressig", die Kirchenthumbacherin denkt vor allem an die Fahrdienste. Dem stimmt auch Simone Sieber zu. Denn ihre Tochter ist nicht nur Christkind, sondern spielt auch bei zwei Krippenspielen mit, übernahm die Hauptrolle in einem Musical und erhält Trompetenunterricht. Da hat es Elke Meiler etwas leichter, weil Johanna zu den meisten Terminen zu Fuß gelangt. Besonders Karin Schmitt freut sich auf Heiligabend und auf das Ende der Christkind-Saison: "Am 24. Dezember ist es dann wieder gut."

So wird man Christkind

Zu ihrer besonderen Aufgabe im Advent fanden die drei Mädchen auf ganz unterschiedliche Wege: Für den Job „Christkind von Kemnath“ hat sich Realschülerin Johanna Meiler auf eine Stellenanzeige per E-Mail beworben. Eine Freundin hatte sie darauf aufmerksam gemacht und gemeint: „Du kannst doch gut sprechen.“ Johanna findet auch, ein Christkind müsse Mut haben und sich zutrauen, einen Text vor Publikum aufzusagen.

In Kirchenthumbach hat die Vorsitzende des Handwerker- und Gewerbevereins, Sandra Friedl, die 14-jährige Annalena Schmitt angesprochen und gefragt, ob sie diese Aufgabe heuer übernehmen wolle.

Der Schulleiter der Grund- und Hauptschule Grafenwöhr, Thomas Schmidt, hatte Carlotta Sieber vor einiger Zeit gefragt, ob sie nicht in die Rolle des Christkinds schlüpfen möchte. Nach einem Tag Bedenkzeit stand für die 10-Jährige fest: Sie will die Rolle haben. Das Besondere: Die Viertklässlerin gibt zu, sie glaube selbst noch ein bisschen ans Christkind. Anders als in Kemnath und Kirchenthumbach ist das Christkind in Grafenwöhr etwa 10 Jahre alt und besucht die 4. oder 5. Klasse.

Ich denke, dass da alle auf mich gucken werden.Carlotta Sieber, Christkind von Grafenwöhr

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