08.02.2011 - 00:00 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Gläubige vertrauen auf die Fürbitte des heiligen Blasius - Das X-Symbol aus dem ... Segen mit den schräg gekreuzten Kerzen

von Autor LBOProfil

Viele Gläubige hatten sich zur Messfeier am "Fest der Darstellung des Herrn" in der Friedenskirche eingefunden, unter anderem die Erstkommunionkinder dieses Jahres mit ihren Eltern. Was besonders auffiel: Die Bänke der vorderen Hälfte des Gotteshauses waren dicht gefüllt, dort, wo sich ansonsten nur wenige "hintrauen". Grund: Nach dem Gottesdienst gab es den Blasiussegen. Und wer da weit hinten sitzt, muss ziemlich lange warten.

Das Internet weiß nichts

Nach dem Blasiussegen stellten sich manche Gläubige die Frage: Warum müssen die Kerzen schräg gehalten werden? Auf dem Nothelfergemälde in der Friedhofskirche hat der Maler dem Bischof Blasius zwei gerade gehaltene Kerzen in die Hand gegeben. Im Internet gab es dazu keine Information. Bücher von angesehenen Brauchtumsautoren konnten ebenfalls nicht helfen.

Man erkundigte sich bei einer hellwachen Grafenwöhrerin, Alter über 90: Zwei Kerzen, weil man ja zwei "Mandeln" hat und Mandelentzündung nichts Einfaches ist und die Legende von der Gräte im Hals eines Buben erzählt, dem Blasius geholfen hat.
Aus dem 12. Jahrhundert gibt es eine schriftliche Überlieferung, dass es ein weit verbreiteter Brauch war, in Krankheitsfällen, Kerzen zur Ehre des heiligen Blasius zu opfern, um durch seine Fürsprache Gottes Hilfe zu erlangen. Und wie es dazu kam? "Als die Witwe, deren Schwein Blasius aus dem Rachen eines Wolfes gerettet hatte, den inhaftierten Bischof im Kerker besuchte, brachte sie ihm vom geschlachteten Schweinchen Kopf samt Brot und Kerze.

Im Kunsthistorischen Museum, Wien, gibt es eine Statue des heiligen Blasius aus dem Jahre 1518. Was er da in der Linken hält, ist eine ungewöhnliche Kerze: eine Tortsche. Dies ist ein Lehnwort aus dem Lateinischen, abgeleitet vom Verb torquere = winden, drehen, martern. Im Mittelhochdeutschen Tortsche = gewundene Wachsfackel, eine Kerze, bestehend aus mehreren umeinander gedrehten dünneren Kerzen. Ein ähnliches Exemplar konnte die Verfasserin in den Achtziger Jahren noch in Regensburg erwerben. Nur die Seniorchefin konnte da noch helfen. Innerhalb einer Woche erhielt man das Unikat.

Das X im Christuszeichen

Was immer noch nicht geklärt ist, ist die Frage, warum die beiden Blasiuskerzen gekreuzt gehalten werden. Sie werden in der Literatur als Andreaskreuz bezeichnet, auch als X-Form. Bei den Blasiuskerzen wird den Gläubigen aber kein X für ein U vor das Gesicht gehalten, sondern ein Christuszeichen, welches einem immer wieder Hilfe und Trost geben möge. Ein Beispiel für diese Interpretation findet sich in Ravenna in San Vitale oder in San Clemente in Rom.

In San Vitale: Zwei Engel präsentieren eine leuchtende Scheibe, deren zwei vertikale Strahlen den Anfangsbuchstaben des Namens Jesus, die sich kreuzenden schrägen Strahlen die Anfangsbuchstaben des griechischen Wortes Christus zeigen (Abbildung in Frossard, Wenn Steine reden, Freiburg 1985, S. 91 - 93). Dieses Christusmonogramm geht zurück auf Konstantin den Großen, bestehend aus den griechischen Buchstaben "Chr", welches er im Jahre 312 in die Kaiserstandarte aufnehmen ließ. Bekannt ist ja sein Ausspruch: In diesem Zeichen wirst du siegen. Dieses Christusmonogramm entwickelte sich im Laufe der Zeit zum uns bekannteren IHS-Zeichen.
Den Blasiussegen wie wir ihn kennen, gibt es erst seit dem 17. Jahrhundert. (Berger, Pastoralliturgisches Handlexikon, Freiburg 2005).

Bekannte Blasiuskirchen finden sich in Sankt Blasien im Schwarzwald, in Regensburg (Priesterweihe von Weihbischof Reinhard Pappenberger), Fresken im Blasiusdom zu Braunschweig (13. Jahrhundert). Blasius ist Patron des Welfenhauses. Das Haupt des heiligen Blasius wird in Dubrovnik verehrt. Unübersehbar begrüßt seine Statue am Stadtmauertor die querenden Passanten.

Die Volksethymologie hat sich natürlich auch mit dem Namen Blasius beschäftigt: Die Männer der Blasinstrumente haben sich den Heiligen zum Patron erkoren. Und dann hat einmal ein Dreikäsehoch noch eine weitere Verbindung gefunden: Blasen und Wind brachte er zusammen und erkor den heiligen Blasius, den Nothelfer, zum Helfer bei Windpocken.

Unbegründeter Vorwurf

Wenn den Katholiken wieder einmal vorgehalten wird, dass sie eine(n) Heilige oder Heiligen anbeten würden: Dem ist nicht so. Für uns sind die Heiligen Mittler und Fürsprecher, was ja der Blasiussegenstext klar zum Ausdruck bringt, und zwar explizit im zweiten Teil des Segenswunsches, wenn der Priester zum Schluss den trinitatischen Segen gibt mit den Worten: Es segne dich Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist! Amen!

Es ist halt einfach so, dass der katholische Bayer etwas sehen und hören will, dass ihm immer wieder ein Licht aufgehen möge und er diesem dann folgen kann.

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