02.04.2018 - 20:00 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Glanzvolles Karfreitags-Konzert der Pressather Chorgemeinschaft St. Georg Berührend schön

"Musik kann zum Nachdenken anregen und uns innerlich bereichern": Was Pfarrer Bernhard Müller in seiner Begrüßung noch in den Konjunktiv setzt, versteht sich bei der Pressather Chorgemeinschaft St. Georg von selbst.

von Holger Stiegler (STG)Profil

Seit über 25 Jahren bereichern die Sänger aus Pressath unter der Leitung von Richard Waldmann den Karfreitag musikalisch. Mit Teilen aus der "Mass of the Children" von John Rutter gelang der Chorgemeinschaft St. Georg ein absoluter Glanzpunkt.

Über Rutter lässt sich bekanntlich hervorragend streiten: Die einen lieben diesen Stilmix mit Elementen der traditionellen Kirchen- und der amerikanischer Unterhaltungsmusik, andere stellen sich die Frage, ob die Kompositionen gelegentlich ins Kitschige abdriften. Eine Aufführung gleicht deswegen nicht selten einer Gratwanderung, denn wer genauer hinhört, merkt auch, dass sich hinter der Leichtigkeit der Melodien eine enorme Komplexität verbirgt, die erst einmal gesanglich und instrumental umgesetzt werden muss.

Der Waldmann-Chor verfügt bereits über jahrelange "Rutter"-Erfahrung, so dass die Musik zum Karfreitag schwebend daherkam und die Hörer mitnahm in den melodischen Himmel des Komponisten. Allen Aufführenden waren die Begeisterung und der nötige Respekt anzumerken: Mit der gewohnten Leidenschaft schwang Richard Waldmann den imaginären Taktstock und spornte Stimmen genauso wie Instrumentalisten - unter anderem Pianist Benjamin Schallwig und Organist Werner Stehbach - zu Höchstleistungen an. Gerade auch das Wechselspiel zwischen Kinder- und Erwachsenenchor machte einen besonderen Reiz dieser Teil-Aufführung der Rutter-Messe aus.

Bereits zu Beginn des Konzertes hatte es "Eli, Eli!" geheißen: Durchdringend und ergreifend klangen diese Rufe. Die Stimmen erfüllten mit diesen verzweifelten Schreien die Grafenwöhrer Friedenskirche. Es waren die letzten Worte Jesu, die er am Kreuz rief: "Mein Gott, warum hast Du mich verlassen?" Besonders eindrucksvoll ließ der Chor diese Szene nachempfinden mit dem Chorsatz des ungarischen Komponisten Georgius Bárdos.

Nicht weniger eindrucksvoll geriet die Darbietung von vier Stücken aus dem "Stabat Mater" des zeitgenössischen Komponisten Karl Jenkins - ethnische Klänge verschiedenster Kulturkreise inklusive. Auch die Texte erschienen mehrsprachig, darunter auf Aramäisch, der Sprache Jesu. Der Chor und allen voran Solo-Sopranistin Uschi Steppert spannten einen Bogen zwischen der Antike und der Moderne, ja zwischen Morgen- und Abendland.

Dem Ensemble gelang es, mit der Komposition ohne Umwege direkt das Herz zu berühren und das Bild vom Leid einer gequälten trauernden Mutter vor dem geistigen Auge erscheinen zu lassen. Zum Abschluss gab es langen Applaus für ein Konzert, das einfach "berührend schön" war.

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.