Literarische Geopark-Tour
Gestein trifft Gedicht

Acht Touren hat Raimund Röttenbacher abgespeichert - in seinem Kopf, aber auch im Computer. Bild: wüw
Kultur
Grafenwöhr
21.04.2017
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Der Geopark erwacht aus dem Winterschlaf - die Geopark-Touren laufen wieder an. Für eine besondere sorgt schon am Sonntag Geopark-Ranger Raimund Röttenbacher: eine "Litera-Tour".

Der frühere Stadtbaumeister hat acht Geopark-Touren im Angebot. Seine Saison eröffnet er am Sonntag mit der wohl ungewöhnlichsten: "So klagte der Ichthyosaurus - eine Litera-Tour zu Dichtung und (geologischen) Tatsachen". Röttenbacher bietet seinen Gästen dabei ein großes Programm: Gedichte, Gesang zur Gitarre, eine Brotzeit - und natürlich viel Information zur Erdgeschichte. Der 77-Jährige betreibt so großen Aufwand, dass er für sein Programm Unterstützung benötigt: "Es ist die einzige Tour, bei der auch meine Frau eine Rolle spielt", erklärt er.

Zwölf Stationen


Christina Röttenbacher habe sogar einen Crashkurs fürs Rezitieren gemacht, sagt er über seine Frau. Denn an jeder der zwölf Stationen wird den Besuchern passende Dichtkunst geboten: Stifter, Schiller, Goethe, aber auch Jules Verne, die Altisländische Sagensammlung Edda. Und Justus Friedrich Zehelein. Letzterer war Schriftsteller, Komponist, Radierer und Justizamtmann. Dieses Amt übte er auch in Neustadt am Kulm aus, wo er 1802 starb. Welcher Autor würde besser passen, wenn Röttenbacher auf den Rauhen Kulm eingeht? Bei seinen Ausführungen wird der studierte Bauingenieur aber nicht in Neustadt, sondern nahe am Schönberg bei Grafenwöhr stehen. Dort auf dem Stadtplatz beginnt dann die Tour, die dann grob über und um den Schönberg führt.

Obwohl sich Röttenbacher für diese Tour besonders ins Zeug legt, sie ist doch sein Sorgenkind. Die Zahl der Besucher bleibt meist im einstelligen Bereich. Zum Vergleich: Bei der Tour am Eschenbacher Rußweiher waren schon mal über 50 Interessierte dabei - beinahe schon zu viel. "Am liebsten ist es mir, wenn so 15 bis 20 Leute dabei sind." Am besten funktionieren die Touren, die starken Naturbezug haben, hat Röttenbacher in seinen vier Jahren als Geopark-Ranger festgestellt. Auch für ihn selbst ist die Verbindung mehrerer Aspekte besonders interessant. "Ich möchte zeigen, wie die Geologie Natur und Kultur beeinflusst."

Bisher alle begeistert


Genau das macht auch die Litera-Tour am Sonntag. Vorkenntnisse sind nicht nötig, auch ein Nicht-Germanist kann mit den Gedichten etwas anfangen, verspricht der Geopark-Ranger. "Es war bisher noch keiner dabei, dem es nicht gefallen hätte." Besonders gelte das am Sonntag für Grafenwöhrer. "Das kenn ich doch schon alles", hört er häufiger von Leuten, die die Touren am Heimatort nicht besuchen wollen. "Wenn sie dann doch kommen, heißt es fast immer: Ja, das habe ich nicht gewusst." Deshalb lade er besonders die Grafenwöhrer ein. Am Sonntag, 23. April, geht es um 14 Uhr auf dem Marktplatz los, zweieinhalb Stunden später endet die Tour dort auch wieder - übrigens mit einer gesungenen Erklärung, was es denn mit dem "Ichthyosaurus" im Titel dieser Geopark-Tour auf sich hat.

Geopark: Einmaliges Angebot
Ein Jahr dauert die Ausbildung zum Geopark-Ranger. Raimund Röttenbacher hat vor vier Jahren immer wieder seine Wochenenden dafür investiert. „Die Geologie hat mich schon immer interessiert“, sagt der Ingenieur im Ruhestand dazu. Der frühere Geschäftsstellenleiter der Stadt Grafenwöhr, Willi Keck, habe dann zu ihm gesagt: „Das wäre doch was für dich.“ Er sollte Recht behalten.
Bei den Touren zeige sich, dass Laien geologische Zusammenhänge besser und einfacher erklären können als Fachmänner. Wobei Laie für Röttenbacher inzwischen das falsche Wort ist, denn die Ausbildung sei sehr fundiert gewesen. Neben fachlichen Aspekten ging es dabei vor allem um Pädagogik und Wissensvermittlung. Am Ende musste er eine Geopark-Führung planen und unter Prüfungsbedingungen abhalten. Heute hat Röttenbacher acht Touren im Programm, drei in Grafenwöhr und je eine zwischen Pressath und Grafenwöhr, in Pechhof bei Schwarzenbach, in Pressath, in Eschenbach und in Atzmannsberg. Die Termine gibt es im Programmheft, auf das Röttenbacher stolz ist: „35 Geopark-Ranger bieten 250 Touren. Das gibt es in keinem anderen Geopark.“ Die Infos gibt es natürlich auch im Internet.

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