02.05.2018 - 20:00 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Literatour mit Geoparkranger durch Grafenwöhr Dichtung on Tour

Passen Paläontologie und Prosa zusammen? "Geradezu vortrefflich", meinten wohl Dichter und Denker vergangener Jahrtausende. Davon konnten sich die Teilnehmer einer ganz besonderen geologischen Stadtführung durch Grafenwöhr überzeugen.

Fossilien aus Grafenwöhr erzählen von der Fauna vor 240 Millionen Jahren. Bild: myd
von Doris MayerProfil

Mit dem Gedicht "Die Maienblumen blühen" von Wilhelm Wolf, rezitiert von Geoparkranger Raimund Röttenbacher, startete die Geotour "So klagte der Ichthyosaurus - eine LiteraTour zu Dichtung und (geologischen) Tatsachen" in Grafenwöhr. In anschaulicher und unterhaltsamer Weise erfuhren die Teilnehmer, wie das Oberpfälzer Hügelland mit seinen Besonderheiten entstanden ist.

Mit einem Gedicht zu "Sandstein" des Hamburgers Barthold Heinrich Brockes (1680-1747), der der Epoche der frühen deutschen Aufklärung zugeordnet ist, kam Röttenbachers Ehefrau Christina erstmals zum Einsatz. Sämtliche Gebäude des Marktplatzes vom Rathaus bis zur Maria Himmelfahrtskirche sind aus Sandstein erbaut, erklärte ihr Mann ergänzend. Viele interessante Details hatte er auch rund um die Felsenkeller am Annaberg im Repertoire. Am Schönberg, mit Blick auf die Sandsteinquader der Bühne, erklärte der Referent die Bedeutung des Geländes bis 1920 und die Entstehung der Bühne mit Festplatz im Anschluss. Noch viel weiter in der Geschichte zurückgehen musste er, um genau zu erläutern, welche Faktoren in der Zeit von 250 bis 235 Millionen Jahren notwendig waren, um aus Fels Sandstein entstehen zu lassen.

In dem Zitat "Der Stein ist das impressionistische Tagebuch des Wetters" wurde auf die Bedeutung des Klimas bei der Entstehung von Sandstein hingewiesen. Röttenbacher hatte einige heimische Fossilien im Gepäck, die Eindrücke der Fauna vergangener Zeiten zeigten.

Die Teilnehmer staunten auch, als sie erfuhren, dass die Oberpfalz zu dieser Zeit in der Nähe des Äquators und zudem am Meer lag. Stolz erläuterte er, dass die für die Region typische Schichtung aus Muschelkalk und Buntsandstein als "Grafenwöhrer Formation" in die geologischen Bücher eingehen wird.

Dazu wurden viele Fragen beantwortet: Wie zeigt sich die Besonderheit in der Struktur von Muschelkalk und Buntsandstein? Wie, wann und warum entstanden Hohlwege? Warum sind Vulkane in unserer Region nun doch keine stillen Vulkane? Wie hieß der Annaberg vor 1770? Welche Fledermäuse sind bei uns heimisch, und wo haben sie ihre Rückzugsorte? Diese und viele weitere Fragen wurden geklärt bei der Geotour rund um Grafenwöhr. Immer wieder konnten die Teilnehmer auch literarischen Texten lauschen, die Christine Röttenbacher vortrug. Dazu kam der überwältigende Eindruck der gerade aufblühenden Natur und das Verweilen an besonders schönen Stellen des Weges.

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.