15.10.2017 - 20:00 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Stephanie Walberer spezialisiert sich auf Resin-Technik Wenn Kunst süchtig macht

Stephanie Walberer muss flink sein, wenn sie malt. Die Künstlerin hat nur 45 Minuten Zeit, dann ist die Mixtur aus Farbe, Resin und Härter auf Leinwand, Brotzeitbrettl oder Glastür schon getrocknet. Für langes Philosophieren vor den Kunstwerken bleibt da keine Zeit.

Drei Schichten Resin, Edelsteine und Swarovskisteine hat Stephanie Walberer auf dieser Leinwand verarbeitet. Durch Resin-Kunst, die in Deutschland nur wenige beherrschen, gibt die ehemalige Grafenwöhrerin dem Bild Tiefenwirkung. Bilder: exb (2)
von Anne Spitaler Kontakt Profil

Grafenwöhr/Starnberg. Es gibt sie in rund oder eckig, groß oder klein, knallbunt oder in gedeckten Farben, mit Swarovskisteinen verziert oder auch nicht. Die Kunstwerke der Grafenwöhrerin Stephanie Walberer, die heute in Starnberg lebt, sind aber vor allem eins: selten. Art-Resin heißt die "Wunderwaffe" der 31-Jährigen. Walberer gehört zu den sehr wenigen Künstlern in Deutschland, die mit dieser Technik Leinwände und Co. bearbeiten.

Und diese Technik sieht so aus: Walberer rührt Resin - ein spezielles Kunstharz - mit Farbe und Härter an. Jede Farbe bekommt dabei einen eigenen Becher. Und dann muss es schnell gehen. 45 Minuten hat die Künstlerin ab da Zeit, auf der weißen Leinwand oder dem gemaserten Brotzeitbrettl mit dem noch flüssigem Farbgemisch abstrakte Muster mit Tiefenwirkung entstehen zu lassen. "Du kippst die Leinwand in unterschiedliche Richtungen, so kriegst du die Effekte", erklärt Walberer. Auch wenn das zunächst einfach klingt, die 31-Jährige weiß: "Es gehört viel Erfahrung dazu. Man kann nicht alle Farben mischen. Man muss wissen, wie welche Farbe reagiert." Beigebracht hat sich die Starnbergerin alles selbst, Kurse zu Resin-Kunst in Deutschland gab es nicht.

Pingeliges Arbeiten

Um am Ende schöne Effekte zu haben, braucht es neben Schnelligkeit, Know-how über Farben auch ein gutes Vorstellungsvermögen. Auf Walberers Kunstwerke sind also keine Zufallsmuster zu sehen. Sie weiß genau, wie sie Ästhetik schaffen kann, und dafür ist viel Vorbereitung nötig. Bevor Walberer mit einem neuen Kunstwerk startet, prüft sie, ob die Leinwand waagrecht liegt, sonst läuft die Farbe davon. Abdeckung für den Boden, Heißluftföhn, Rührstäbchen, Handschuhe und Haargummi gehören ebenfalls zum Equipment. "Es ist ein sehr pingeliges Arbeiten." Walberer rechnet vorher auch genau aus, wie viel Resin sie für ihr Bild benötigt. Zehn Liter von dem Kunstharz verbraucht sie in vier Wochen.

Beim Kippen von schweren Tischplatten, die sie ebenfalls bemalt, hilft oft ihr Freund. Ist das wasserfeste Kunstwerk schließlich fertig, kommt es in einen "Reinraum". Dafür hat Walberer extra eine Konstruktion mit Folien gebaut. "Es dürfen keine Flusen oder Haare auf das Bild fallen. Das siehst du sofort", sagt sie. Deshalb auch der Haargummi. Einmal plumpste der 31-Jährigen der Zopf auf das Bild, ein Besuch beim Friseur war unumgänglich und das Bild nicht mehr zu gebrauchen.

24 Stunden muss das Werk dann ruhen, bevor es der Käufer aufhängen kann. Bis zu 6000 Euro können ihre Bilder kosten. Wie am Fließband erschafft Walberer mittlerweile die Kunstwerke. Das Medium Resin hat sie vor rund drei Jahren für sich entdeckt, künstlerisch tätig ist sie aber schon seit sieben Jahren. Damals habe sie einfach mal Pinsel und eine Leinwand gekauft und ausprobiert - Buddhas zählten zu den ersten Motiven. "Ich habe für mich angefangen zu malen. Es heißt ja oft, Malen ist wie eine Therapie", erzählt die 31-Jährige.

In Amerika schon Trend

Zunächst malte sie mit Acrylfarbe, später griff sie zudem zu Resin. Diese Kunsttechnik sei in Amerika und Australien momentan Trend, "in Deutschland kennt es noch kaum jemand", berichtet sie. Um diese Lücke zu füllen, gibt die Starnbergerin, deren Mutter in Pirk wohnt und bei der sie ihre Werke auch schon im Geschäft präsentieren durfte, mittlerweile auch Ausstellungen in München und Resin-Kurse. "Die Teilnehmer kommen aus London, Italien, der Slowakei, ganz Deutschland", berichtet sie stolz.

"Ich bin Resin-süchtig", beschreibt sich Walberer schmunzelnd. Ihr nächstes Ziel ist es, eine Hotellobby mit eigenen Werken auszustatten. Sich komplett der Kunst verschreiben will Walberer aber nicht. "Ich arbeite Teilzeit in einem Büro, der Nachmittag gehört der Kunst. Es ist Luxus, dass ich das momentan machen kann." Sobald das Hobby aber zum Beruf werde, sei immer der Druck da, Neues machen zu müssen.

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Weitere Informationen:

www.resin-art.de

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