06.09.2014 - 00:00 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Auf zur Schneckenjagd: Das ist auch eine Art des Frühsports im Garten Ekelbatzen auf dem Bio-Gemüse

Diese wertvolle Lebenszeit! Mit wie viel schönen Dingen könnte man sie füllen. Weg ist sie, unwiederbringlich dahin. Vertan, vergeudet für Schnecken.

Die Tigerschnecke: Mit ihrem "Tarnfarbenanzug" könnte man meinen, sie gehöre zu einer militärischen Einheit. Sie fühlte sich lange zwischen Salatköpfen wohl. Bilder: az
von Autor AZProfil

Diese gefräßigen Ekelbatzen. Sie scheinen einfach nicht beherrschbar. Man möchte meinen, die täglichen Suchaktionen müssten mal "Früchte" tragen. Doch, sie wollen einfach nicht weniger werden. Immer weniger dagegen werden Salate und Co. Das verführerisch duftende Basilikum etwa schmeckt diesen schleimigen Kriechtieren besonders gut.

Richtige Wut kommt auf beim ermüdenden Kampf gegen die Schädlinge. Dabei sind sie so langsam - und doch stets schneller als der Mensch. Ihre Eigenart - langsam kommt man auch ans Ziel - greift voll! Nachts, wenn alles schläft, dann sind sie aktiv, ziehen los. Genießen ist angesagt. Morgens dann die Bescherung. So früh aufgestanden und doch zu spät.

"Krieger" im Tarnanzug

Weitaus schlimmer als die "Häuselschnecken" sind die nackerten, deren Farbe variieren kann von hell- über mittel- bis dunkelbraun. Es "beidelt einen richtig ab", beim Anblick der g'scheckerten, die mit der Tarnfarbe. Tigerschnecken heißen sie offiziell. Obwohl jene Sorte (etwas) weniger Schäden anrichten soll wie eben die Nackt- oder Wegschnecken.

Die Frage aller Fragen lautet: "Wie wird man ihrer Herr, wie geht man mit ihnen um?" All die gutgemeinten Ratschläge von "Ertränken in Bierfallen" und, und, und. Unwirksam. Eines ist klar. Sie müssen weg. Doch, schnell muss es gehen, leiden sollen und dürfen sie nicht. Schnecken sind schließlich auch Kreaturen.
Wir fragten einmal einen Priester mit einem ansehnlichen Pfarrgarten (es war nicht der Grafenwöhrer!) über seine spezielle Methode, die Schneckenplage einzudämmen. Er zuckte die Schultern und meinte lakonisch: "Null Toleranz. Und sie dürfen nicht zum Denken kommen." Seine Handbewegung erinnerte irgendwie an ein Fallbeil.

Bilanz: 64, 34, 25...

Fest steht. Hundertprozentiges Bio-Wirtschaften in Gärten sozusagen mit "Wiesenanschluss", kann mit einer Schneckeninvasion schon mühselig sein. Und mitunter ist man kurz davor zu kapitulieren: An einem Tag in der Früh 64 tote Schnecken, an einem anderen 34. Jetzt, wo es etwas langsamer geht mit der Vermehrung immerhin noch 25. Ich mag nicht mehr!

Aber, dann schiebt man den Gedanken aufzugeben trotzdem wieder weit von sich. Eigener Bio-Salat, Gemüse und Gewürze sind den Einsatz schließlich doch wert. Bei dieser Einsicht angekommen, macht die Resignation zuweilen dem Galgenhumor Platz: Schneckensuche ist eben auch eine Art Frühsport.

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