31.12.2011 - 00:00 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Der "Stern über Bethlehem" - Ein modernes Weihnachtslied und interessante Fingerzeige in ... "Zeig uns, führ uns, leuchte uns!"

von Autor LBOProfil

Als Einstimmung auf die Christmette in der Friedenskirche trug der Lektor den Text des Liedes "Stern über Bethlehem" vor. Texter und Komponist war Alfred Hans Zoller. Die Entstehungsgeschichte dieses Liedes ist interessant.

Nach einer Tagung der Evangelischen Akademie Tutzing im Jahre 1960 gab es vier Preisausschreiben für neue religiöse Lieder. Das Lied "Stern über Bethlehem" entstand anlässlich der dritten Ausschreibung im Jahre 1964. Der Preisträger von 1961 schrieb: "Die Tutzinger Wettbewerbsbedingungen . . . verlangten Lieder mit geistlichem Text, die musikalische Mittel des Jazz und der Unterhaltungsmusik aufnehmen und den heutigen Menschen, gerade auch den jungen Menschen ansprechen" (Rößler, Liedermacher im Gesangbuch, Stuttgart 2001, S. 985).

Von Abraham überliefert die Bibel, dass seine Nachkommen zahlreich sein sollen wie die Sterne am Himmel. Dies war Frohbotschaft und Heilsverheißung für die Menschheit schlechthin; denn in Abraham sollten gesegnet sein alle Völker der Erde.

Doppeldeutig

Einen kleinen sechszackigen Stern aus Sandstein gibt es über dem Portal der Friedhofskirche von Grafenwöhr. Klein ist dieser. Aber er war der zehnjährigen Jasmin eine Frage wert. Die Antwort war: "Dieser Stern kann als Abendstern gedeutet werden, da er sich an der Westseite des Gotteshauses befindet - ein Bild für das Sterben. Aber die Blickrichtung des Betrachters geht auch nach Osten, in Richtung des Morgensterns."

Dieser Stern befindet sich oberhalb des spätromanischen Christushauptes. Vielleicht stammt der Stern auch wie dieses aus der 1593 abgebrochenen Ursulakirche im Norden von Grafenwöhr. War er dort eine gotische Fensterrose im Kleinen? "Als plastischer Außenschmuck an Gotteshäusern . . . sprechen die Sterne davon, dass Christus die Mitte und der Herr der Zeiten ist" (Forster/Becker, Neues Lexikon der christlichen Symbole, S. 372).

Alfred Hans Zoller, 1928 bis 2006, geboren in Neu-Ulm, verstorben in Reutti bei Neu-Ulm, war Komponist, Jazz-Pianist, Kantor und Organist. Er komponierte zahlreiche "Neue Geistliche Lieder".
Das Lied "Stern über Bethlehem" findet sich im Evangelischen Gesangbuch, auch im Diözesanteil des "Gotteslobes" zu Limburg und Würzburg. Am 28. Dezember 2011 erklang bei der Aussendung der 2500 Sternsinger im Mainzer Dom ebenfalls die Melodie dieses Liedes. Man geht wohl nicht fehl mit der Annahme, dass es ins neue Gotteslob aufgenommen wird.

Im Zollerschen Weihnachtslied wird der Stern personifiziert und zwar in imperativischer Form: "Zeig uns, führ uns, leuchte uns!" In der biblischen Überlieferung steht das Kind im Mittelpunkt, in dem Lied ist es der Stern.

Himmelsphänomen

Einen symbolischen Aspekt kann man dem in Deutschland beobachteten "Himmelsphänomen an Heiligabend" (dpa) wohl nicht absprechen, wenn auch die Wissenschaft in dem "Stern von Bethlehem" prosaisch von einem Sojusraketenteil spricht und der Polizeisprecher von Schweinfurt, Peter Göller, schmunzelnd feststellt: "Der Stern von Bethlehem hat sich nach Schweinfurt verirrt."

Bahn brechende Leuchtspur


Da kommt doch glatt der Sonnentanz von 1917 in den Sinn. Und man geht wohl kaum fehl, wenn man äußert, dass in 50 oder 100 Jahren das Raketenteil vergessen sein wird und "der Stern von Bethlehem" des Jahres 2011 sich in Legendenbüchern findet. Auf jeden Fall war es eine Sternstunde für die Schöpfung als das Christuskind zur Erde kam als Bahn brechende Leuchtspur.

Es gibt aber nicht nur den Stern, der die Magier nach Bethlehem führte, sondern auch eine Pflanze mit dem Namen "Stern von Bethlehem", botanisch Ornithogalum umbellatum, im Englischen "Star of Bethlehem", im Französischen "Dame de onze heures", die Dame der elften Stunde, weil sich diese Blüten nur bei Sonnenschein um die Mittagszeit öffnen und die Temperatur etwa 15 Grad Celsius erreicht.

Es gibt zwei Arten des Ornithogalum, die europäische und jene von Südafrika. Die europäischen Arten sind verhältnismäßig klein und fallen vor allem während der Blütezeit ins Auge. Diese Pflanze wächst in Europa, in Kleinasien, in Nordafrika, innerhalb Europas spontan in trockenen Wiesen, Weinbergen, Feldern und an Wegrändern, wo sie sich in humosem, drainiertem Erdreich gern vermehren.

Für den Kirchenschmuck gibt es einige größere Sorten des Milchsterns ganzjährig im Blumengeschäft.

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