Die digitale Kristallkugel: Grafenwöhrer Internet-Start-up verspricht Vorhersagen zum Effekt ...
Wovon Werber träumen

Gründer Maximilian Böhm (rechts) mit seinem Projekt-Partner Jens Kürschner. Bild: wüw
Lokales
Grafenwöhr
09.08.2014
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Die amerikanischste Stadt der Oberpfalz hat nun auch ihr Silicon Valley. Es liegt in der Neuen Amberger Straße. Im Haus mit der Nummer 39 sitzt dort seit einigen Wochen die Placedise UG. Das Internet-Start-up verspricht ihren Kunden eine digitale Kristallkugel: Eine Software, die den Effekt von Product-Placement-Maßnahmen vorhersagt.

Der Kundenkreis für das Angebot ist übersichtlich, gibt Placedise-Gründer Maximilian Böhm zu. "Mit rund 30 Firmen" stehe er und sein Partner Jens Kürschner in Kontakt.

Dennoch sehen die Gründer der haftungsbeschränkten Unternehmensgesellschaft in ihrem Projekt Potenzial. "Es geht alleine in Deutschland um einen Umsatz von rund einer Milliarde Dollar im Jahr", sagt Böhm. Und der Markt entwickle sich gerade erst.

Kritik an "Wetten dass"

Tatsächlich regelt erst seit 2010 ein Gesetz das Geschäft mit dem Product Placement. Seither ist klar, unter welchen Bedingungen Firmen dafür zahlen können, dass ihre Produkte etwa in Fernsehshows oder -serien zu sehen sind. "Zuvor war diese Art zu werben, eine Grauzone", erklärt Böhm. Das ZDF musste etwa für ihre Praxis bei "Wetten, dass?" viel Kritik einstecken. Seit es die Regelung gibt, ist im Abspann vieler Sendungen der Hinweis "Unterstützt durch Produktplatzierungen" zu lesen.

Mit den Gesetzen wuchs das Interesse der Wirtschaft an dieser Werbeform und die Nachfrage nach einer Messmethode für ihren Erfolg. Hier kommt Placedise ins Spiel.

Die Software verspricht Aussagen zum Erfolg einer Produktplatzierung - und zwar im voraus. "Natürlich kann unsere Anwendung nicht vorhersagen, wie sich eine Werbemaßnahme konkret auf Umsatz oder Gewinn auswirkt. So ein Versprechen wäre unseriös", schränkt Böhm ein. Aber wenn ein Unternehmen einen gewünschten Werbeeffekt und die geplante Produkt-Platzierung vorgibt, dann könne die Software die Wahrscheinlichkeit berechnen, mit der der Effekt eintritt. Mögliche Ziele seien eine Umsatzsteigerung, ein Anstieg der Beliebtheitswerte oder der Bekanntheit einer Firma.

Diese Fähigkeit bescheinigt der Software eine Menge wissenschaftlicher Studien zum Thema. "Eine dieser Studien hat zum Beispiel untersucht, wie Menschen eine Bierflasche auf einem Tisch wahrnehmen und was sich ändert, wenn jemand aus der Flasche trinkt", erklärt Böhm. Über 500 solcher Untersuchungen habe sein Partner Jens Kürschner ausgewertet und in die Software implementiert. Getestet habe er die Anwendung an zurückliegenden Werbemaßnahmen. Tatsächlich seien die Effekte eingetreten, die Placedise für die bekannten Werbemaßnahmen vorhergesagt hat.

Über ein Jahr

Bis dies funktioniert hat, war eine Menge Arbeit nötig. Schon die Programmierarbeit habe über ein Jahr gedauert. Der Ursprung der Software reicht noch weiter zurück. Während seines Studienaufenthalts in den USA ist Film-Fan Kürschner auf das Thema aufmerksam geworden. Dort sei Product Placement schon länger üblich. In seiner Masterarbeit griff Kürschner das Thema auf. Als auch die deutsche Unterhaltungsbranche diese Art der Werbung entdeckte, habe er sich an die Programmierarbeit gemacht.

Vor einem halben Jahr stieß Böhm hinzu. "Unsere Charaktere ergänzen sich", sagt der zur Aufgabenverteilung. Während der Analytiker Kürschner sich mit Produktentwicklung und Marketing beschäftigt, kümmert sich Böhm um Finanzen und Vertrieb.

So verschieden die Veranlagungen, so einig sind sich beide bei ihren Zielen: "Wir wollen das Projekt voranbringen, ein schneller Verkauf ist nicht geplant." Der nächste Schritt sei, einen Investor zu finden. Die Firma verfüge über Stammkapital von nur 1600 Euro, an einem zusätzlichen Teilhaber führe kein Weg vorbei. Böhm ist zuversichtlich, schon bald einen Geldgeber zu finden. Das Produkt sei gut "und wir haben bewiesen, dass wir mit wenig Geld eine Menge auf die Beine stellen können".
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