07.04.2012 - 00:00 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Grafenwöhrer Ministranten pflegen alten Brauch, wenn die Kirchenglocken schweigen In aller Herrgottsfrüh zum Ratschen

"Bevor der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen", hatte Jesus seinem Apostel Petrus angekündigt. So früh wie Petrus, nämlich mit dem Hahnenschrei, waren am Karfreitag auch einige Grafenwöhrer Ministranten in der Stadt unterwegs. Sie zogen mit ihren Ratschen durch die Straßen. Denn zum Gedenken an den Tod Christi am Kreuz schweigen bis zum Ostersonntag die Kirchenglocken.

von Anne Wiesnet Kontakt Profil

In aller Herrgottsfrüh trafen sich die älteren Ministranten vor dem Jugendheim. Dort nahmen sie Ratschen und Holzklappern entgegen.

"Das Ratschen ist eine altbewährte Tradition", weiß Kaplan Matthias Zölch. Die Klappern ersetzen bis zur Osternacht den Klang der Glocken, die sonst um 6 Uhr, um 12 Uhr und am Abend zum "Engel des Herrn", dem Angelusgebet, läuten.

Grabesruhe Jesu

Während der Grabesruhe Jesu nämlich "fliegen" die Kirchenglocken nach Rom. Deshalb erinnern die Ratschen die Katholiken an die Gebetszeiten und am Karfreitagnachmittag an den Beginn der Passionsliturgie.

Am Freitag in der Früh waren nur die Ältesten der 85 Grafenwöhrer Ministranten im Einsatz. Sie teilten sich in Gruppen auf und fuhren mit Autos in die verschiedenen Wohngebiete der Stadt. Vor bestimmten Häusern und an einigen Plätzen machten sie Station, um zu ratschen. Am Mittag waren dann auch viele jüngere Ministranten dabei.

Während ihres Zuges durch die Straßen erhalten sie von manchen Anwohnern auch eine kleine Belohnung für ihr ganzjähriges Engagement. Seit jeher dürfen die Altardiener den Erlös der Sammelaktion für sich behalten.

Weckdienst am Bett

Heute können die Lausbuben Gottes meistens Geld oder Süßigkeiten ergattern. Früher waren es überwiegend Eier. Daher kommt auch der Begriff "Eierklatschen". "Eier kriegen wir nicht mehr, aber dafür springen schon mal Süßigkeiten für uns raus", freute sich Johannes Stauber. Der Ministrant erinnert sich daran, dass die "Ratscher" ab und zu einen Langschläfer wecken durften. "Da kommt es schon vor, dass einen eine Mutter ins Haus lässt, damit wir einen Freund direkt am Bett überraschen", schmunzelt Stauber. Das sei aber doch sehr selten, betonte er.

"Etwa zwei Stunden sind wir früh mit dem Auto unterwegs", erzählt André Wächter. Er und seine Kollegen kehren nach der ersten Tour mit den Ratschen zum deftigen Frühstück im Pfarramt ein, natürlich ohne Wurst.

Am Nachmittag um 14.45 Uhr waren dann am Kirchenvorplatz wieder alle dabei und riefen mit ihren Ratschen die Gläubigen zur Feier vom Leiden und Sterben Jesu mit Kreuzverehrung, die um 15 Uhr begann.

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