25.08.2014 - 00:00 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Michaels-Werk neue Heimat für zehn minderjährige Flüchtlinge - Deutsche Sprache am wichtigsten "Ich möchte lernen und arbeiten"

Ohne Eltern um die halbe Welt auf der Flucht. Die Flucht von zehn jungen Afrikanern endete vorerst in Grafenwöhr. Als minderjährige Flüchtlinge genießen sie Asylrecht. Bei ihrer Integration soll König Fußball eine wichtige Rolle spielen.

von Autor EDOProfil

Fast 10 000 Kilometer legten die zehn Jungen in den vergangenen Monaten zurück. Sie ließen Familie und Besitz zurück, ihre Reise führte durch heiße Wüsten oder in brüchigen Booten übers Mittelmeer. Man könne sich die Strapazen gar nicht vorstellen, sagt ein Betreuer. Die zehn 15- bis 17-Jährigen stammen aus Somalia, Eritrea, Äthiopien und von der Elfenbeinküste. In den nächsten Monaten wird Grafenwöhr ihre Heimat sein.

Von Rosenheim brachte sie ein Kleinbus zum St. Michaels-Werk. Dort begrüßt sie Sozialpädagoge Reinhardt Thumbeck. Danach bezogen sie mit ihren wenigen Sachen ihre Zimmer im Internat. Von den schlimmen Erfahrungen auf der Flucht, ist den jungen Afrikanern wenig anzumerken.

Nachdem die Polizei die Jungen vor vier Monaten aufgegriffen hatte, kamen sie zunächst in einem Rosenheimer Flüchtlingsheim unter. Dort stand zunächst ein sogenanntes "Clearing-Verfahren" an. Dabei ging es darum, die Identität aber auch den gesundheitlicher Zustand festzustellen. Weil die zehn Jungen noch nicht 18 sind, genießen sie als "unbegleitete minderjährige Flüchtlinge" (UMF) uneingeschränktes Asylrecht, so Thumbeck.

Der 15-jährige Ali erwartete die neuen Mitbewohner bereits im Flur, er lebt seit einem Jahr in Deutschland. Im vergangenen Schuljahr besuchte er bereits die Max-Reger-Mittelschule in Weiden. In zwei Jahren will er seinen Quali machen. Ali kommt aus Afghanistan und ist zunächst mit seiner Familie in den Iran geflüchtet. "Dort hat es mir nicht gefallen", sagt er. Deshalb habe er sich alleine über die Türkei, Griechenland, den Balkan und Italien auf den Weg gemacht, bis er schließlich in Weiden gelandet sei. "Ich möchte hier lernen und arbeiten", sagt der Junge in erstaunlich gutem Deutsch.

Auch Abdullah (17) und Omar (16) haben schon ein paar deutsche Begriffe aufgeschnappt. Die beiden Neuankömmlinge stammen aus der somalischen Hauptstadt Mogadischu. Mittlerweile haben sie sich etwas eingewöhnt, neue Freunde gefunden. Die Hauptsache ist im Moment, Deutsch zu lernen. Ansonsten unterscheiden sie sich gar nicht so sehr von deutschen Teenagern: Sie gehen gerne raus und freuen sich aufs Wochenende: "Da schauen wir immer Fußball", sagt Omar, der für den FC Bayern München schwärmt. Hier ist die Integration also schon gelungen.

Schwieriger ist es da schon mit der deutschen Küche: "So viel Fleisch und Milchprodukte sind wir nicht gewohnt." Lieblingsspeisen sind daher eher Kartoffeln, Obst und Gemüse. Mit dem Döner haben sie sich aber schon angefreundet. Um sich besser zurechtzufinden, fiebern sie einem Deutschkurs entgegen. Den werden sie wohl im nächsten Schuljahr ebenfalls an der Max-Reger-Mittelschule in Weiden belegen.

Dann sind zehn weitere Jugendliche dabei. Die kommen Anfang September nach Grafenwöhr. Reinhardt Thumbeck findet, dies sein ein deutliches Signal der Bundesregierung Verantwortung für jugendliche Flüchtlinge zu übernehmen. Bereits Erfahrungen mit unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen hat Manuel Kühn in Weiden gesammelt. Er zählt zu den zehn Betreuern. "Wichtig ist, von Anfang an Deutsch mit ihnen zu sprechen, damit sie sich gleich an die Sprache gewöhnen, auch wenn die Kommunikation zunächst zäh verläuft."

"Auf täglich neue Herausforderungen" stellt sich Betreuerin Saskia Schoberth ein. Die begeisterte Fußballerin hat jedoch eine Idee, die Integration zu beschleunigen. Sie ist gerade dabei, eine Kooperation mit ihrem Heimatverein, dem SV Kulmain, zu organisieren. Dort sollen die Jugendlichen am Training teilnehmen können, vielleicht sogar einen Spielerpass erhalten. Auch an weiteren Angeboten arbeiten die Betreuer, etwa einen Schwimmkurs. Weil die Flüchtlinge den Regierungsbezirk nur auf Antrag verlassen dürfen bringe dies viel bürokratischen Aufwand mit sich.

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