13.04.2012 - 00:00 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Wer traut sich noch? - Kreuzfahrten sind nach wie vor beliebt bei Reisenden Urlaub auf dem Schiff

"Das ist also das Schiff, von dem es heißt, es sei unsinkbar." - "Es ist unsinkbar! Gott selbst könnte dieses Schiff nicht versenken." Die Titanic - Das "unsinkbare" Schiff und trotzdem waren die Kräfte der Natur stärker. Schiffsunglücke, wie das der Titanic und der Costa Concordia zeigen, wie gefährlich solche Reisen sein können. Dennoch sind Kreuzfahrten beliebt wie eh und je.

von Anne Wiesnet Kontakt Profil

"Ich hatte eine Kreuzfahrt auf der Costa Concordia gebucht, leider passierte dann das Unglück des Meeresriesen", erzählt Bernd Hutzler, ein leidenschaftlicher Reisender. "Das hat mich aber nicht davon abgehalten, Urlaub auf einem Schiff zu machen." Die Reise hätte am 15. Februar 2012 mit der Costa Concordia beginnen sollen. Nicht vorherzusehen war, dass das Schiff bereits am 13. Januar vor der italienischen Insel Giglio auf Grund laufen sollte. Hutzler buchte kurzerhand die Reise auf das Schwesterschiff der Concordia - die Costa Serena - um. "Bedenken hatte ich keine, weil es ja ein Versagen des Kapitäns und nicht der Technik war", meint Hutzler. Beim Winterdienst hatte er über das Radio von dem Unglück erfahren. Tröpfchenweise sickerten die Informationen durch, bis schließlich rund eine Stunde später der Name des Unglücksdampfers bekannt gegeben wurde.

Höchste Sicherheitsstufe

Auf der elftägigen Reise Hutzlers auf der Costa Serena führte die Besatzung zwei Rettungsübungen durch. Jede dauerte rund eine Stunde. Das Kreuzfahrtschiff machte Zwischenstopps, deswegen war die zweite Rettungsübung erst am fünften Tag. Die neu Zugestiegenen konnten sich dann auch gleich mit den Sicherheitsvorkehrungen vertraut machen. Die Besatzung verteilte sogar Rettungskarten, auf denen noch einmal alle Anweisungen gesammelt waren. "Man merkt schon, dass die Sicherheitsmaßnahmen verschärft worden sind. Die Übungen waren bei den anderen Fahrten wesentlich kürzer", erklärt Hutzler.
Als Grund, warum so viele Menschen bei dem Unglück der Costa Concordia sterben mussten, vermutet Hutzler die Bauweise des Schiffs. Die Größe und Unübersichtlichkeit könnten ausschlaggebend dafür gewesen sein. Nach mehreren Tagen habe man sich erst an Bord zurecht finden können. Wegbeschreibungen wären zwar vorhanden gewesen, jedoch zu ungenau. "Bedenken hatte ich aber keine, dass nochmal ein Unglück passiert", betont Hutzler.

Sonja Roth, Reiseverkehrskauffrau im Reisebüro Reise Welt, konnte nach dem Unglück der Costa Concordia einen kurzzeitigen Rückgang der Nachfrage nach Kreuzfahrtreisen beobachten. "Ungefähr drei bis vier Wochen nach dem Schiffsunglück war eine Flaute drin", erzählt Roth, "Jetzt fragen die Kunden zwar intensiver nach den Sicherheitsmaßnahmen auf den Schiffen und der Ausbildung der Besatzung, aber abgesprungen ist uns noch keiner."

Mit dem Schiff um die Welt

Bei einer Kreuzfahrt dabei zu sein, war schon immer der Traum von Melanie Thurn. Nächste Woche fährt sie mit dem Schiff von Ägypten aus, über Jordanien nach Israel. Die Reise soll insgesamt eine Woche dauern. "Vor der Kreuzfahrt habe ich keine Angst. Im Vergleich zu Autounfällen passiert auf einem Schiff weniger", weiß die Versicherungsfachfrau bei Allianz Stümpfl. Ihre Tochter Madeleine Thurn macht sich hingegen schon Sorgen um ihre Eltern. "Mama muss mir jeden Tag mindestens eine Email oder SMS schicken", beteuert die Studentin.

"Kreuzfahrten wecken bei den Menschen gemischte Gefühle", erzählt Roth, "Das Unglück der Concordia war oft Gesprächsthema". Besonders ältere Damen würden die Reiseplanung noch einmal überdenken, oder bereits gebuchte Reisen gleich stornieren. Die meisten Reisenden lassen sich jedoch von ihrem Kreuzfahrt-Urlaub nicht abbringen.

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