Bundeswehr-Einsatz in Litauen
Oberviechtacher für kalten Frieden gerüstet

Ein Panzer nebelt  auf dem Truppenübungsplatz in Grafenwöhr  seine Umgebung zum Sichtschutz ein. (Foto: dpa)
Politik
Grafenwöhr
14.12.2016
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Der Kommandeur der Panzerbrigade 12 aus Amberg, Oberst Jörg See (links), und der Kommandeur des Panzergrenadierbataillons 122 aus Oberviechtach (Kreis Schwandorf), Oberstleutnant Christoph Huber, unterhalten sich während einer Übungspause. Bild: paa
Grafenwöhr: Truppenübungsplatz |

Die Oberviechtacher Panzergrenadiere sind Pioniere. Sie gehen als erster Bundeswehrverband für sechs Monate nach Litauen. In Grafenwöhr zeigen sie, dass sie gerüstetet sind.

Grafenwöhr/Oberviechtach. Auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr (Kreis Neustadt/WN) war es in den vergangenen Tagen kalt, zum Teil bitterkalt. Zeitweilig zeigte das Thermometer weniger als minus zehn Grad. So bekommen die Panzergrenadiere aus Oberviechtach (Kreis Schwandorf), die seit mehr als einer Woche üben, einen Vorgeschmack auf das, was sie in Litauen erwartet. Ab Januar wird ein großer Teil des Panzergrenadierbataillons 122 nach Rukla verlegt.

Dort in der litauischen Garnison stellen sie für sechs Monate die Führung und mit 300 Soldaten den Kern einer "Battlegroup", einer 1000 Mann starken Kampfgruppe der Nato. Unterstützt werden die Deutschen von Niederländern, Belgiern und Norwegern. Beim Warschauer Gipfel im Sommer hat die Nato die Aufstellung dieser Verbände beschlossen.

Führung in Litauen

In Litauen übernimmt Deutschland die Rolle der Führungsnation, in Lettland Kanada, in Estland Großbritannien und in Polen die USA. Insgesamt 4000 Soldaten, verteilt auf vier Länder. Ihr Auftrag: Abschreckung. Ein möglicher Gegner soll wissen, dass ein Angriff auf ein Mitglied der Nato ein Angriff auf alle ist. "Ich denke, dass die Nato hier ein starkes Zeichen innerhalb der Bündnissolidarität zeigt", sagt Oberstleutnant Christoph Huber, Kommandeur der Panzergrenadierbataillons 122, am Mittwoch. Er spricht von einer großen Aufgabe und einer große Ehre für ihn und seine Männer. Und erzählt begeistert von der multinationalen Zusammenarbeit. Diese Begeisterung habe auch seine Soldaten erfasst.

Huber ist, wie die meisten Soldaten aus seinem Verband, erst nach Ende des Kalten Krieges in die Bundeswehr eingetreten. In den vergangen Jahren standen Landes- und Bündnisverteidigung nicht an erster Stelle, sondern die Auslandseinsätze. Seit der Ukraine-Krise und der Annexion der Krim durch Russland im Frühjahr 2014 hat sich das geändert. Seither zeigt die Nato an ihrer Ostgrenze Flagge.

Die Bundeswehr ist dabei der zweitgrößte Truppensteller nach der US-Armee. Zuletzt war das Artilleriebataillon 131 in Litauen. In diesen Tagen kommen die letzten Soldaten nach Weiden zurück. Sie hatten an der Übung "Iron Sword 2016" teilgenommen. Noch sind die Panzergrenadiere in der Oberpfalz. An diesem Mittwoch üben sie auf der Schießbahn 118 auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr das, was ihr Auftrag ist: das hochintensive Gefecht der verbundenen Kräfte, wie dies die Bundeswehr bezeichnet. Dabei versuchen die Panzergrenadiere, einen Gegner aufzuhalten und zu zerstören. An ihrer Seite: Kampfpanzer vom Typ "Leopard II" vom Panzerbataillon 104 aus Pfreimd (Kreis Schwandorf) und Pioniere aus Bogen, sowie Artillerie und bei Bedarf Hubschrauber.

Manches wird simuliert. Dennoch zieht Pulverdampf über Schießbahn. Die Panzergrenadiere schießen scharf: mit der 20-Millimeter-Kanone des Marders, ihren Sturm- und Maschinengewehren und mit Panzerabwehrraketen, darunter auch mit der Milan - jener Panzerabwehrwaffe, die Deutschland in großer Stückzahl an die Peschmerga im Nordirak geliefert hat. Zumindest in Grafenwöhr ist es wieder wärmer geworden, der Frost ist gewichen, es ist neblig.

Besser als Afghanistan

Wenn die Oberviechtacher im Januar ihre rund 120 Container mit Ausrüstung und die rund 200 Fahrzeuge, darunter 20 Marder und sechs Leopard, nach Litauen senden, herrscht dort Winter. Und ein kalter Frieden - so würden es die Litauer empfinden, berichtet ein Soldat, der bereits dort war. Es gelte die Litauer zu bestärken, sagt ein anderer. Darin sehe er den Sinn des sechsmonatigen Einsatzes. Und fügt er hinzu: "Litauen ist besser als Afghanistan. Dort wird nicht auf uns geschossen."

Enhanced Forward PresenceNächstes Jahr startet die Nato-Operation "Enhanced Forward Presence (Erweiterte vorgeschobene Präsenz)". Damit wird die Zahl von Nato-Truppen in Polen und den drei baltischen Staaten deutlich erhöht. Künftig sollen je 1000 Soldaten in Polen, Litauen, Estland und Lettland zur Abschreckung eines Gegners üben. Sie werden alle sechs Monate ausgetauscht, um nicht gegen den Nato-Russland-Vertrag zu verstoßen. Bisher war es in den vier Ländern je eine Kompanie. Der Einsatz begann als Reaktion auf die Krim-Annexion im Jahr 2014 durch Russland. (paa)

Oberviechtacher Panzergrenadiere auf dem Weg nach Litauen

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Ali Zant aus Weiden in der Oberpfalz | 15.12.2016 | 12:21  
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