22.04.2018 - 20:00 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Kriminalstatistik 2017 für Stadt Grafenwöhr Die Statistik täuscht

Die Kriminalstatistik für das Jahr 2017 holt Vertreter der Polizeiinspektion (PI) Eschenbach, des Ordnungsamtes Grafenwöhr sowie Bürgermeister Edgar Knobloch an einen Tisch. Wie ist es um die Zahl der Straftaten in der Stadt bestellt?

Vertreter der Polizeiinspektion Eschenbach und des Ordnungsamts analysieren mit Bürgermeister Edgar Knobloch (Mitte) die Kriminalstatistik für das Jahr 2017. Bild: SNE
von Stefan NeidlProfil

Die Teilnehmer analysierten gemeinsam die Kriminalitätsstatistik 2017. Eine mittelfristige Tendenz ließ sich nicht erkennen.

Polizeihauptkommissar Werner Stopfer, der Leiter der Dienststelle Eschenbach, ist verantwortlich für etwa 27 000 Einwohner. Hinzu kommt eine stark schwankende Zahl von 15 000 bis 25 000 US-Amerikanern und anderen trainierenden Soldaten, die nicht in den Einwohnermeldedaten erfasst sind. Unter ihnen kommt es, genau wie in allen Bevölkerungsschichten, zu Straftaten. Somit ist der Zuständigkeitsbereich der Eschenbacher Polizisten tatsächlich mit einer Stadt wie Weiden vergleichbar.

Für Grafenwöhr bedeutet dies, dass 6000 bis 12 000 Menschen mehr in das Ressort fallen, als die Einwohnerzahlen verraten. Das führt dazu, dass pro 1000 Bürger 49 Straftaten entstehen - im Vergleich zum Gesamtaufgabenbereich der PI Eschenbach (30 Straftaten), des Landkreises Neustadt/WN (35) und der Oberpfalz (43) ein hoher Wert. Die genaue Zahl der Einwohner ist jedoch nicht zu bemessen, da die schwankende Zahl der Amerikaner nicht erfasst ist und so die pro Kopf-Rate nur in Bezug auf die gemeldeten Einwohner bemessen wird.

Weitere Lüge

Während Grafenwöhr nur 25,87 Prozent der Einwohner des Dienstbereiches umfasst, geschehen 41,77 Prozent aller Vergehen dort - doch auch hier lügt wegen der nicht erfassten Nutzer des Truppenübungsplatzes die Statistik. Zudem stellt der Bereich der Alten Amberger Straße mit ihren vielen Kneipen einen alkoholbedingten Kriminalitätsschwerpunkt dar.

Im Zeitraum von 2013 bis 2017 schwanken die Zahlen enorm - kein ungewöhnlicher Prozess, erklärte Stopfer. Während 2016 mit 877 Gesamtfällen einen hohen Wert aufwies, sank die Zahl im vergangenen Jahr auf 719. Die Aufklärungsquote war mit rund 69 Prozent konstant. Rohheitsdelikte wie Raub und Körperverletzung verringerten sich von 232 auf 184. Bei Diebstählen und Ladendiebstählen hatte die Inspektion statt 169 nur noch 130 Fälle zu bearbeiten. Wohnungseinbrüche mit Diebstahl sind für die Opfer psychisch besonders belastend. Erfreulicherweise wurden hier nur noch 8 statt 18 angezeigt. Fahrzeugdiebstähle oder Diebstähle aus dem Fahrzeug fielen von 37 auf 27.

Bayernweites Phänomen

Der Trend lässt sich auch im Bereich der Sachbeschädigung verfolgen. Anstelle der 116 Anzeigen gab es nur noch 96. Auffällig war der Bereich der Betrugsdelikte: Zwar wurden nur noch 70 statt 82 Fälle gemeldet, aber Waren und Kreditbetrügereien verdoppelten sich fast von 18 auf 35 Vorfälle. Kein spezielles Phänomen, sondern bayernweit zu erkennen, wie Stopfer versicherte. Konstant blieb die Computerkriminalität bei 15 Fällen. Rauschgiftdelikte nahmen von 109 auf 71 ab. Hierbei handelt es sich hauptsächlich um den Besitz unerlaubter Drogen. Nur elf Fälle waren dem Handel zuzuordnen. Stopfer räumte ein, dass die rückläufigen Zahlen einer erschwerten Ermittlungsarbeit geschuldet sein können.

Der durchaus erfreuliche Rückgang der Straftaten ist jedoch auch einem hohem Basisjahr 2016 geschuldet, in dem überdurchschnittlich viel gemeldet wurde. (Weiterer Bericht folgt)

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