06.03.2018 - 16:56 Uhr
Grafenwöhr

Militärische Übung "Dynamic Front 18" in Grafenwöhr Feuer frei

"Wir schätzen die Transparenz und Offenheit der US-Armee und nehmen die Möglichkeit der Information gerne an", lautet das Fazit der beiden Bürgermeister Edgar Knobloch (Grafenwöhr) und Hans-Martin Schertl (Vilseck). Nun wissen die Besucher des "Leadersday", warum es auch die nächsten Tage auf dem Truppenübungsplatz so laut wird.

Beim "Leadersday" erfahren Kommunalpolitiker und Behördenvertreter, wie die Arbeit der Feuerleitstellen aussieht. Bild: mor
von Autor MORProfil

Grafenwöhr/Vilseck. Das Ausbildungskommando der 7. US-Armee (7th ATC) hatte während der Artillerie-Übung "Dynamic Front 18" zum "Leadersday" eingeladen und klärte auf, warum es derzeit im und um das Übungsareal besonderes laut ist. Neben den örtlichen Vertretern wie Bürgermeister Edgar Knobloch (Grafenwöhr) und Hans-Martin Schertl (Vilseck) wurde eine Delegation von Kommunalpolitikern aus dem Kreis Ansbach eingefahren und per Chinook (Transporthubschrauber) "ausgeflogen".

Noch bis Samstag, 10. März, übt die Artillerie im Zuge der Großübung "Dynamic Front 18" intensiv. 3700 Teilnehmer aus 26 Nato- und Partnernationen nehmen daran teil. Fünf Nationen, darunter auch die Bundeswehr aus Weiden, lassen in diesen Tagen 94 Haubitzen und Artilleriegeschütze "sprechen". Der Chef des Stabes, Oberst Clark Lindner, informierte im Hauptquartier am Wasserturm die Bürgermeister, Kommunalpolitiker und Behördenvertreter über die Strukturen des Ausbildungskommandos. Vorgestellt wurden für die Vertreter des Ansbacher Raums die Übungsmöglichkeiten der Plätze Grafenwöhr und Hohenfels.

Lindner erläuterte auch die Einrichtungen des Simulation-Centers sowie die Kommunikationswege mit den multinationalen Partnern und Übungszentren. "Wir versuchen, Ihnen aufzuzeigen, wie wichtig solche Übungen sind und warum es laut wird", erklärte Oberst Lindner. Der kommandierende General des 7th ATC, Brigadegeneral Antonio A. Aguto, hob die Freundschaft mit den Standort- und Anrainergemeinden in Bayern heraus. Er bekräftigte: "Wir können es nur mit ihrer Unterstützung und ihrem Verständnis tun".

Die "Dynamic Front 18" habe - gemessen an Beteiligung, Soldaten, Geschützen und Munition - die dreifache Größe der letztjährigen Übung. Nato-Artillerieverbände und unterstützende Einheiten üben die Streitkräfte übergreifende, taktische Feuerunterstützung und überprüfen ihre Interoperabilität in einem multinationalen Umfeld. Die Zusammenarbeit bei der Ziel-Identifizierung bis hin zum Abfeuern eines Geschützes wurde den Kommunalpolitikern in der Feuerstellung bei Vilseck demonstriert. Die Fire-Schwadron des 2. US-Kavallerieregiments aus Vilseck zeigte den Ablauf an der gezogenen US-Artillerie Tripple-Seven. Erläutert wurden die Munitionssorten der 155-Millimeter-Artillerie-Granate. Die Wirkung der Munition bekamen Gäste auf der Beobachtungsstelle auf dem Schwarzenberg aus sicherer Entfernung vorgeführt. Vorgeschobene Beobachter verschiedener Nationen, darunter Frankreich, Deutschland, Italien, die Türkei, Spanien, Polen und die USA, lenkten dort mit Feuerleit-Systemen in den Gefechtsständen den Flug der Geschosse.

Noch bis Samstag wird aus allen Rohren geschossen. "Dynamic Front 18" soll auch Streitkräfte übergreifende, multinationale Luftnahunterstützung mittels amerikanischer und tschechischer Kampfflugzeuge abbilden, was aber vom Wetter abhängig ist. Eingebunden in die Übung sind zudem US-Kampfhubschrauber. Zum Medientag wurden 140 Gäste eingeladen, 40 Generäle verschiedener Nation informierten sich über "Dynamic Front 18" (Bericht folgt).

Kritik an deutscher Behörde

Bei der Übung "Dynamic Front 2018", die derzeit auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr läuft, entsteht "eine Lärmbelastung für die Anwohner, die in Amerika verboten wäre". Darauf weist Werner Dier hin, der Vorsitzende des Bürgerforums Umwelt und Truppenübungsplatz.

Dem Bundesfinanzministerium als Eigentümer des Truppenübungsplatzes wirft Dier vor, nicht einen Cent für Lärmschutzmaßnahmen im Sinne der Bürger auszugeben. Er fragt, ob die Bundesbehörden nun dem deutschen Volk verpflichtet seien "oder einem ,Partner' dessen oberste Prämisse America first ist?". Das Thema Schießlärm kam am Montag auch bei einer Bürgermeisterfahrt durch den Truppenübungsplatz Grafenwöhr zur Sprache. (ll)

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.