Neues Kabinett in München
Beredtes Schweigen in Oberpfälzer CSU

Der Oberpfälzer CSU-Chef Albert Füracker (links) erhält vom Tirschenreuther Landtagsabgeordneten Tobias Reiß den "Heiligen Josef" aus dem Kloster Waldsassen - in Farbe, wie dies für Minister üblich ist. Bild: mor
Politik
Grafenwöhr
18.03.2018
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Den "Heiligen Josef" in Farbe hat Albert Füracker bereits erhalten, auch wenn dieser bisher nur an Minister ging. Der Oberpfälzer CSU-Chef sagt dennoch nichts zu seinen Karriereplänen. Er weiß: Wer jetzt nach vorne drängt, kann am Ende leer ausgehen.

Als Vertrauter und Freund des neuen Ministerpräsidenten Markus Söder gilt der Oberpfälzer CSU-Chef Albert Füracker als ministrabel - nicht nur daheim in der Oberpfalz sondern auch in München. Dort wird unter Beobachtern und Journalisten schon seit Tagen über mögliche Ministerkandidaten gesprochen. Dabei fällt immer auch der Name Albert Füracker. Mal wird er als Finanzminister, mal als Landwirtschaftsminister oder als Staatskanzleichef gehandelt.

Der Oberpfälzer CSU-Vorsitzende und Staatssekretär im Finanzministerium schweigt dazu. "Ich weiß nichts", sagt er am Rande des Josefi-Frühschoppen der Grafenwöhrer CSU, wohl wissend, dass er, falls er etwas durchsickern ließe oder gar öffentlich Ansprüche anmelden würde, seine Pläne begraben könnte. So war es auch vor viereinhalb Jahren als noch Horst Seehofer das Kabinett zusammengestellt hat. Wer da vor dem Chef was rausgelassen hätte, wäre nichts geworden.

Bei Markus Söder ist es nicht anders. Das diszipliniert die Partei und erleichtert dem Ministerpräsidenten die Arbeit. Die ungeschriebenen Regeln der Proporzes kennt ohnehin jeder. Und dass es aus Oberbayern Stimmen gibt, Ilse Aigner müsste das Finanzministerium bekommen, als Ausgleich für den Verlust des Ministerpräsidentenamtes - Seehofer ist Oberbayer - wird kaum überraschen.

Auch in der Oberpfalz kennen sie die Größenverhältnisse. Sie seien der zweitgrößte Bezirksverband und in den Kreisen Neustadt und Tirschenreuth gebe es die größte CSU-Dichte, sagt Füracker den Zuhörern des Frühschoppens am Sonntag. Aber die Landtagsabgeordneten werden nach der Bevölkerungszahl vergeben. Die Oberpfalz hat nur neun Abgeordnete. "Keine wirkliche überzeugende Mehrheit unter den 100 CSU-Abgeordneten im Landtag", fügt der Bezirkschef hinzu. Ob er so die Hoffnungen dämpfen will, dass erneut mehrere Oberpfälzer CSU-Abgeordnete am Kabinettstisch Platz nehmen? Der Grafenwöhrer Bürgermeister Edgar Knobloch setzt genau darauf. Er wünsche Füracker nichts Schlechtes, aber er wünsche ihm dennoch, dass er beim nächsten Singspiel auf dem Nockerherberg als Minister derbleckt werde - das gelte schließlich als Ehre. Und ein zweiter Oberpfälzer solle ins Kabinett einziehen, am besten aus dem Norden. Schon früher hatte sich Knobloch für den Tirschenreuther Landtagsabgeordneten Tobias Reiß ausgesprochen.

Reiß verschickte am Samstag eine Mitteilung, in der er auf neue Pressefotos auf seiner Homepage hinweist. Mit den anstehenden Veränderungen in München habe dies nichts zu tun, sagen Reiß und sein Mitarbeiter, der Tirschenreuther JU-Chef, Matthias Grundler am Sonntag. Es waren Jahre alte Bilder im Umlauf, eines hatte der Bayerische Rundfunk verwendet. Da trug Reiß noch eine ganz alte Brille, sagt Grundler.

Doch Reiß erlaubt sich selbst, etwas in die Zukunft zu blicken. Der Landtagsabgeordnete überreicht Füracker einen "Heiligen Josef" aus dem Kloster Waldsassen - in Farbe, wie ihn nur Minister bekommen. Die Oberpfälzer CSU setzt darauf, dass Füracker im Kabinett bleibt. Als was, das wird die Öffentlichkeit erst am Mittwoch erfahren.
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