29.01.2018 - 18:12 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Soldaten verlieren Tarnung: Fitness-App Strava enthüllt geheime Militärbasen

Viele lassen über Apps auf dem Smartphone ihre sportlichen Aktivitäten aufzeichnen. Eine Karte mit Daten der Fitness-App "Strava" legt Bewegungsprofile von Soldaten in Einsätzen weltweit offen.

Das pixelige Bild zeigt die Bewegungsmuster um die amerikanische Militärbasis Al-Tanf in der syrischen Wüste im Südosten des Landes auf der von "Strava" veröffentlichten Karte. Screenshot: labs.strava.com
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Die Weltkarte aus Daten der Fitness-App "Strava" mit ihrem englischen Titel "Where we play (Wo wir spielen)" kommt unschuldig daher und enthüllt doch geheime US-Militärbasen in der syrischen Wüste - und nicht nur diese. Zusammengerechnet mehr als 200 000 Jahre an Bewegungsdaten hat das Software-Unternehmen aus San Francisco zusammengetragen, darunter auch die von Soldaten verschiedener Nationen während ihrer Einsätze.

Auf der Karte von "Strava" lassen sich die Bewegungsmuster von Sportlern rund um den Erdball nachvollziehen, auch um die US-Militärbasen in Grafenwöhr (Kreis Neustadt/WN),Vilseck (Kreis Amberg-Sulzbach) und Hohenfels (Kreis Neumarkt) in der Oberpfalz. Das "Strava"-Motto: "Entdecke auf unserer neuen Heatmap Sportler-Spielplätze rund um den Globus" bekommt einen ganz andere Bedeutung. Nicht nur Zivilisten, sondern offenbar auch Soldaten in Einsätzen lassen über ihr Smartphone ihre Jogging- oder Radfahrrouten aufzeichnen - und enthüllen so zum Teil geheime Militärbasen. Diese erscheinen als rote Linien auf der Karte, etwa in der syrischen Wüste im Nirgendwo.

"In Syrien leuchten bekannte Koalitionsbasen (zum Beispiel amerikanische) in der Nacht auf", schrieb der Analytiker Tobias Schneider, der unter anderem für den Atlantic Council in Washington arbeitete, am Samstag auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Weniger Licht gebe es über russischen Basen, und kein Licht über iranischen. "Eine Menge Leute werden am Montag Belehrungen zu hören bekommen", kommentierte Schneider seine Entdeckungen mit Blick auf das Thema Operationssicherheit. Spätestens seit israelische Patrouillen im Südlibanon in Hinterhalte gerieten, wissen Militärs, dass sie sich über ihre Mobiltelefone verraten können. Unter US-Soldaten war dies bei Einsätzen im Irak ein Thema, besonders, wenn sie entlang der irakisch-iranischen Grenze auf Patrouille waren. Offensichtlich haben trotzdem viele Soldaten darauf verzichtet, die Veröffentlichung ihrer individuellen Fitness-Daten zu unterbinden. Entsprechende Ratschläge wurden wohl in den Wind geschlagen.

Vernetzung mit anderen

Einerseits lockt "Strava" damit, sich über App und Webseite mit Millionen Sportlern aus der ganzen Welt zu verbinden. "Wir sind das soziale Netzwerk für jene, die nach Fitness und sportlichem Erfolg streben. Mach mit!", heißt es auf der Webseite. Andererseits mahnt "Strava", genau zu überlegen, welche Daten der Nutzer der Fitness-App teilen und welche er privat halten wolle. Eine Milliarde Aktivitäten hat das Unternehmen nach eigenen Angaben dazu benutzt, um eine Karte mit dem Namen "Heatmap" zu erstellen, eine Aktualisierung der digitalen Karte aus dem Jahr 2015. Diese wurde im November 2017 im Internet veröffentlicht und enthält mehr als 27 Milliarden Kilometer in Form von Wegpunkten, die Analysten von "Strava" nach Unternehmensangaben "aggregiert und übereinandergelegt haben, um die Strecken ... hervorzuheben, auf denen Sportler weltweit besonders häufig unterwegs sind".

Diskussion auf Twitter

Auf Twitter und in anderen sozialen Medien hat eine Diskussion eingesetzt. Immer wieder veröffentlichen Nutzer Hinweise auf unbekannte Militärbasen. So hat der Journalist Ben Taub, der für das Magazin "New Yorker" arbeitet, darauf hingewiesen, dass er in der Sahelzone schnell die französische Basis Madama bei der Stadt Agadez in Niger gefunden habe. Er habe aber auch eine Basis gefunden, von der er nichts gewusst habe, "etwas außerhalb von Arlit - und nigerianische Soldaten joggen nicht mit Fitnessbändern umher". Schwerpunkte auf der "Strava"-Karte gibt es im benachbarten Mali, etwa in der Stadt Gao, wo auch Soldaten der Bundeswehr stationiert sind. In Afghanistan lässt sich gut das ehemalige deutsche Feldlager in Kundus ausmachen. Offensichtlich laufen da Soldaten immer um den Flughafen herum oder entlang der Außengrenzen des früheren Camps.

Ebenso lassen sich die Basen der Nato rund um das nordafghanische Masar-i-Sharif identifizieren. Auch dort sind deutsche Soldaten stationiert. Diese Lager sind bekannt, gleichwohl offenbaren die Soldaten Bewegungsmuster. Diese können Feinde nutzen, das lernen Militärs aller Nationen in der Ausbildung.

 

 

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