Texaner lösen US-Fallschirmjäger aus Grafenwöhr ab - Übungen mit Polen und baltischen Streitkräften
US-Armee sendet Panzer nach Osteuropa

Stabsfeldwebel Bret Richardson von der 1. Schwadron 91. Kavallerieregiment aus Grafenwöhr (Kreis Neustadt/WN) gibt einem lettischen Buben in einem Sommerlager ein Fertiggericht der US-Armee zum Essen. Die Fallschirmjäger üben nicht nur mit den lettischen Streitkräften, sie begegnen auch der Bevölkerung. Bild: US-Armee/Sgt. Michael T. Crawford
Politik
Grafenwöhr
16.08.2014
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Von Alexander Pausch

Die amerikanischen Fallschirmjäger aus Grafenwöhr (Kreis Neustadt/WN) dürfen in die Oberpfalz zurückkehren. Rund 600 Soldaten aus dem US-Bundesstaat Texas lösen sie im Baltikum und in Polen ab. Die Männer und Frauen der 1. Brigade der 1. US-Kavalleriedivision aus Fort Hood bringen ihre Panzer mit. Damit ist erstmals seit Beginn der Ukraine-Krise ein US-Panzerverband damit beauftragt, die Osteuropäer zu schützen.

Bislang war mit der 173. US-Luftlandebrigade, deren Bataillone in Grafenwöhr und im italienischen Vicenza stationiert sind, nur ein Infanterieverband nach Osteuropa abgeordnet. Erst vor wenigen Wochen waren mit den Artilleristen aus Grafenwöhr erstmals schwere Waffen ins Baltikum gebracht worden. Die A-Batterie des 4. Bataillons 319. Feldartillerieregiments nahm ihre 105-Millimeter-Geschütze zur Übung in Estland mit. Mit dem Panzerverband aus Texas wird das Abschreckungssignal nochmals erhöht.

Ende April hatte die US-Regierung angesichts der Eskalation der Ukraine-Krise die Entsendung der Fallschirmjäger zu bilateralen Übungen beschlossen. Ziel sei eine "andauernde Präsenz", teilte damals der Pentagonsprecher, Konteradmiral John Kirby, mit. Anfangs hatte man im Team der US-Botschaft bei der Nato in Brüssel noch darauf gehofft, dass die amerikanischen Soldaten von Verbündeten abgelöst würden. Inzwischen haben sich diese Hoffnungen offensichtlich zerschlagen. Die Soldaten aus Texas sind für die nächsten drei Monate in Osteuropa.

Nicht nur in Litauen, Lettland und Estland, sondern auch in Polen hatten sich in den zurückliegenden Jahren Zweifel breitgemacht, ob die Nato bereit ist, sie im Falle einer russischen Aggression zu schützen. Zumal es aus ihrer Sicht schon lange vor der Ukraine-Krise immer wieder einschüchternde russische Manöver in Grenznähe gab. Die Annexion der Krim durch Russland gab den Sorgen neuerlichen Auftrieb.

Russisches Manöver

Erst am Donnerstag sprangen rund 2600 russische Fallschirmjäger im Gebiet Pskow in der Nähe der Grenze zu Estland ab. An dem Luftlandemanöver beteiligten sich insgesamt etwa 20 Hubschrauber und Flugzeuge, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Auch weißrussische Spezialkräfte nahmen den Angaben zufolge teil. Die Übung soll an diesem Samstag enden.

"Unsere Soldaten, die nach Polen und ins Baltikum gehen, werden ihre Kampfpanzer vom Typ M1 Abrams, ihre Schützenpanzer vom Typ Bradley, Transportpanzer und Pionierausrüstung mitbringen", teilte der Sprecher der 1. Brigade, Hauptmann John Farmer, auf Anfrage unserer Zeitung mit. Die Brigade, die sich "Ironhorse" nennt, ist in diesem Jahr den europäischen Kommando des US-Heeres in Wiesbaden unterstellt. Dies soll kompensieren, dass die US-Streitkräfte vergangenes Jahr ihre letzten beiden schweren Heeresverbände aus Deutschland abzogen haben.

Rund 1200 Soldaten der Brigade aus Texas übten bereits im Frühjahr auf den US-Truppenübungsplätzen Hohenfels (Kreis Neumarkt) und Grafenwöhr. Am Manöver "Combined Resolve II" (Gemeinsame Entschlossenheit) nahmen von Mitte Mai bis Ende Juni insgesamt 4000 Soldaten aus 15 Ländern teil, darunter Nato-Partner, aber auch Länder wie Österreich, Serbien und Georgien. Zudem nahm eine Kompanie der "Ironhorse" im Juni an der US-geführten Übung "Saber Strike" (Säbel-Schlag) in Litauen, Lettland und Estland teil.

Im Herbst in Oberpfalz

Ein weiteres Bataillon der Brigade wird zur Übung "Combined Resolve III" im Herbst in die Oberpfalz kommen. Dabei soll es aber die in Grafenwöhr seit Februar für Übungszwecke stationierten rund drei Dutzend Kampf- und Schützenpanzer vom Typ M1 Abrams und M2 Bradley, nutzen. Seine eigenen lässt es zu Hause.
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